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Lebensmittelhandel : Respekt vor krummen Möhren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Krummes Gemüse wird meist aussortiert – doch der Handel denkt um

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Zweibeinige Möhren, krumme Gurken, Zitronen mit grünen Flecken: Das waren lange Produkte, um die der deutsche Handel einen Bogen machte. Doch das scheint sich jetzt zu ändern. Das jüngste Beispiel gibt der Discounter Penny, der von Montag an deutschlandweit in seinem Bio-Sortiment der Eigenmarke Naturgut auch Obst und Gemüse verkaufen will, das bislang wegen Farb- oder Formfehlern nicht den Weg in die Regale schaffte. „Bio-Landwirte sollen auch äußerlich nicht perfekte Erzeugnisse in den Handel bringen können, statt sie unter ihrem Wert in die industrielle Weiterverarbeitung geben zu müssen“, begründet Penny-Chef Jan Kunath den Vorstoß.

Was bemerkenswert dabei ist: Einen Preisnachlass für die als „Bio-Helden“ vermarkteten „nicht normgerechten“ Produkte soll es nicht geben. Sie werden ganz einfach zusammen mit den „normalen“ Produkten verpackt. Schließlich seien sie qualitativ und geschmacklich einwandfrei, heißt es.

Axel Altenweger, Betriebsleiter auf dem Klostergut Wiebrechtshausen, betont die Vorteile für die Landwirte: „Jetzt kann ich größere Mengen zu angemesseneren Preisen in den Handel bringen“, meint er. Ökologischer Anbau werde dadurch lohnender.

Andere Handelsketten wie Edeka, Rewe oder Netto bringen Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern bei zeitlich befristeten Verkaufsaktionen an die Kunden. Die meist aus konventionellem Anbau stammenden Produkte gibt es dann allerdings in der Regel zu deutlich herabgesetzten Preisen. So verkaufte Edeka bereits Ende 2013 unter dem Motto „Keiner ist perfekt“ in einigen Märkten Obst und Gemüse mit Fehlern. Auch in Zukunft seien ähnliche Aktionen denkbar, betonte Deutschlands größter Lebensmittelhändler. Allerdings sei das Angebot solcher „nicht perfekter Ware“ seitens der Erzeuger geringer als erwartet. Denn für diese Produkte gebe es bereits heute gut funktionierende Vermarktungswege zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie.

Eine Selbstverständlichkeit ist der gelassene Umgang mit dem etwas anderen Obst und Gemüse ohnehin längst in den meisten Bio-Läden. Fernando Krokisius, Einkaufsmanager der Bio-Supermarktkette Alnatura, meinte im Fachblatt „Lebensmittel Praxis“ einmal: „Unsere Kunden freuen sich sogar über krummes Gemüse.“

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