Gastlichkeit und Kulinarik : Raffinierte Normalität erleben

Malerisches Ambiente am Elbdeich.
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Malerisches Ambiente am Elbdeich.

Im „Alten Hof am Elbdeich“ wird regionale Naturküche aufgetischt.

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08. Dezember 2014, 22:46 Uhr

Vielleicht erinnern Sie sich, liebe Leser, meine 25. Kolumne im Rahmen dieser Serie hatte eine Art kulinarische Landpartie entlang der Elbe zum Inhalt. Damals wurde ich auch auf ein gastliches Domizil in Lenzerwische/OT Unbesandten direkt am Elbdeich aufmerksam. Kein Wunder also, dass ich das einmal näher in Augenschein nehmen musste. Und ich habe den nochmaligen Weg nicht bereut und bin beeindruckt von dem, was ich dort gesehen und erfahren habe.

Die Gastgeber, Annett Senst und Dirk Wolters, strahlen einladende Herzlichkeit aus, die sofort heimisch werden und Neugier aufkommen lässt. Das frisch verheiratete Ehepaar steht nicht nur oft gemeinsam in der Küche, es bestreitet auch alle anderen organisatorischen Dinge im Restaurant und Hotel im Stil eines Dream-Teams, das sichtlich unheimlich Spaß daran hat, seine Visionen von Gastlichkeit und Kulinarik umzusetzen.

So, liebe Frau Senst, was kann man denn nun von und aus ihrer Küche erwarten? Die aufgeweckte Vierzigerin lächelt und antwortet spontan und nahezu ohne Punkt und Komma: „Ganz einfach, wir bieten Naturküche mit ayurvedischem Anspruch, also bekömmliche Verarbeitung der Lebensmittel, an. Unsere Gerichte sind vor allem saisonal und regional geprägt, aber im Detail modern und spannend zubereitet, eben immer etwas anders. Ich bringe es mal auf einen Punkt: Wir leben raffinierte Normalität.“

Ein Blick in die Speisekarte beweist mir, dass die beiden mir nichts vom kulinarischen Pferd erzählen. Neben einer Tageskarte entwickelt das Ehepaar, das übrigens ausschließlich festangestellte Mitarbeiter für Hotel und Service beschäftigt, jeweils eine saisonale Karte. Und die haben es durchaus in sich. Die Palette reicht von Edelfisch-Variationen über Deftiges von der Knolle mit diversen Fleischbeilagen oder „Fisch mal modern...“, ein Steinlachsfilet an mariniertem Endiviensalat, hausgemachten Bandnudeln und Gemüsejulienne, bis hin zu einer „Kräuterhexe aus dem Ofenloch“. Das sind in Kräutern, Balsamico und Olivenöl marinierte heimisch-saisonale Gemüsesorten, die mit Hirtenkäse und Camembert gebacken und mit Prignitzer Thymiankartoffelecken serviert werden. Das hätte mich gereizt. „Tut mir leid, keine Zeit“, wie der legendäre Reinhard Lakomy einst gesungen hat. Das Vergnügen hebe ich mir für den nächsten Besuch mit meiner Frau auf. Die wird sicherlich dem „Fischigen“ und einem süßen Dessert erliegen.

Ganz interessant ist auch die Tatsache, dass ab einer Gesellschaft von zehn Personen nicht mehr á la carte aufgetischt wird. Dirk Wolters: „Dann kommen Platten auf den Tisch, die quer durch die Palette unserer Küche führen. Das schafft zudem eine ganz individuelle Atmosphäre, die an einen großen Familientisch daheim erinnern. Nach anfänglicher Skepsis sind die Gäste durchweg begeistert, zumal wir auch erläutern, was wir da auftischen und welche Geschichten sich eventuell damit verbinden.“

Wichtig ist für das Paar auch, dass die Produkte für ihre Gerichte aus der Region stammen. Das Wild liefern Jäger aus der Wische. Dort wachsen auch die Rinder in ganzjähriger Freilandhaltung auf. Was fehlt, liefert der Schlachthof in Perleberg wunschgemäß und in bester Qualität. Das Gemüse stammt aus dem nahen Quitzow, die Kartoffeln ohnehin aus der Region, Käse und Kräuter kommen aus Mecklenburg und Meyenburg in die Küche „gerollt“. Ob Bio oder nicht, frischer geht es nicht, meint Annett Senst augenzwinkernd, und fügt hinzu, dass man sich auch dem Prignitzer Nationalgericht, dem Knieperkohl, mit der hauseigenen Kreativität widmen möchte. „Küche ist schließlich bei uns Tradition“, so ihr treffendes Schlusswort, bevor sie flugs wieder in die Küche eilt.

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