Kolumne : Max is(s)t multikulti…

Michael H. Max Ragwitz schaut beim Kartoffelsalat über den Tellerrand.

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23. August 2016, 23:47 Uhr

Es gab Zeiten, da war ein Spruch berühmt-berüchtigt, der hieß: Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen. Na gut, man kann sich ja mal irren, und die Idee an sich war gar nicht schlecht. Das erste Mal, dass mir in dieser Hinsicht jedoch Zweifel aufkamen, war während meines Maschinenbaustudiums angesichts des Innenlebens einer Drehbank russischer Bauart. Da konnte man alle konstruktionstechnischen Prinzipien vergessen. Gedreht hat sich das Ding dann doch irgendwie.
In kulinarischer Hinsicht aber lohnt es sich immer, weit über den nationalen Tellerrand hinaus, respektive in die Kochtöpfe hinein zu schauen. So ging es mir kürzlich bei der Suche nach Inspiration für Kartoffelsalat. Die Russen sind in dieser Hinsicht sehr flexibel und deftig, verarbeiten nahezu alles, was Hof und Garten hergeben. Zum Einsatz kommen Gurken, Erbsen und Radieschen ebenso wie Zwiebeln und Eier in vielfältigen geschmacklichen Facetten. Auch Mayo ist in fast in allen Salat-Versionen gesetzt. Die aber fällt bei mir konsequent aus. Dafür werden Jogurt oder Crème fraiche an den Start geschickt. Schmeckt (mir) besser, und ist ja auch viel gesünder.
Mediterran angehaucht sind Kartoffelsalate mit Tomaten, Artischocken, Avocado und reichlich Kräutern. Im skandinavischen Raum kommen Fisch wie Matjes oder Lachs sowie Krabben in den beliebten Salat. Sogar orientalische Varianten mit raffinierten Gewürzmischungen sind nicht von der Tellerkante zu schubsen. Die Ungarn integrieren in den Salat ihre berühmte Salami und reichlich Knobi. Und die Ösis sagen zu dem Klassiker konsequent Erdäpfelsalat, den sie unter anderem leicht warm zum berühmten Wiener Schnitzel reichen.
Das Schöne an der Sache: Mal kann bei seinen Versuchen nach neuen Kreationen dieser Art von Salat so richtig die kulinarische Sau durch die Küche treiben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Da habe ich noch nicht einmal die -zig Versionen von Kartoffelsalat aus deutschen Regionen von Rügen bis zum Bodensee berücksichtigt. Eine Linksammlung mit Rezepten nationaler und internationaler Art finden Sie an bekannter Stelle auf meinem Portal.
Ein Kartoffelsalat, der ganz nach meinem Geschmack ist, wird auf spanische Art zubereitet. Dafür schält man für vier Portionen etwa 600 Gramm festkochende Kartoffeln, würfelt sie und brät sie schön kross in Öl. In der Zwischenzeit kann man 200 Gramm Manchego klein schneiden. Das ist würziger spanischer Schafskäse aus der Region Kastilien-La Mancha. Sie wissen schon, dort soll Don Quichotte sein Wesen getrieben haben. Ob der diesen Kartoffelsalat gekannt hat, ist aber nicht überliefert.
Außerdem werden etwa 150 Gramm der typisch spanischen Chorizo-Wurst von der Haut befreit und in kleine Würfel geschnitten. Käse und Wurst werden in den letzten Minuten der Garzeit den Kartoffeln hinzugefügt. Danach legt man diese Mischung auf Küchenpapier, um alles zu entfetten. Nun werden zwei rote Zwiebeln geschält, in Ringe geschnitten sowie 12 Cocktailtomaten halbiert und ein Bund Petersilie fein gehackt. Alles wird schließlich miteinander vermengt und mit einem Dressing aus dem Saft einer Zitrone, 100 Millilitern Jogurt, Mayonnaise, Salz und Pfeffer sowie 200 Gramm Erbsen vermischt. Was ich mit der Mayo mache, wissen Sie ja. Ersatzlos streichen oder ein, zwei Esslöffel Crème fraiche hinzugeben. Als Beikost etwa Garnelenspieße zu reichen, ist eine ziemlich gute Idee. Da kann man als gelernter Spanier nur ausrufen: Olé!

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