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Essen und Trinken

15. Dezember 2017 | 20:43 Uhr

Kolumne : Max is(s)t moralisch…

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als kulinarisch ambitionierter Journalist muss man sich auch informieren, was in der „Szene“ so abgeht. Da spielt natürlich auch das Thema vegetarische Ernährung eine Rolle, der sich in Deutschland immerhin fast sechs Millionen Menschen verschrieben haben sollen. Die Gründe haben meist gesundheitliche Aspekte. Sie hängen aber auch mit Tierliebe und damit verbundenem Respekt vor der Kreatur zusammen. Für mich hat vegetarisch durchaus gesundheitsfördernde Aspekte und bietet darüber hinaus interessante geschmackliche Möglichkeiten.

Einen Zahn schärfer wird es beim Veganismus. Bei dem werden alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs vom Speiseplan verbannt. Hier spielen meist auch ethische und umweltpolitische Maßstäbe eine Rolle. So las ich kürzlich, dass nur veganes Leben gesund, nachhaltig und moralisch sinnvoll sei. Was das im Umkehrschluss heißt, will ich mir gar nicht bis zum Ende ausmalen. Da vergeht mir glatt der Appetit. Den Vorwurf „unanständigen Essens“ jedenfalls würde ich mir nicht machen lassen. Also ab und an ein Gang zurück in Richtung fleischlos. Das ist nicht minder schmackhaft. Ich habe es ausprobiert.
Ein recht unaufwendiges vegetarisches Rezept ist ein Polenta-Auflauf mit Grillgemüse und Bohnendip. Ich habe es im Kulinarium von Thorsten Falk aus Plau am See gefunden. Für das Grillgemüse werden je 200 Gramm rote Paprika, Karotten, Fenchel, Aubergine und Zucchini sowie 100 Gramm Schalotten in gefällige Stücke geschnitten und gut mit Salz und Pfeffer gewürzt. Das Ganze etwa 1 Stunde stehen und ziehen lassen. Danach wird der durch das Salzen entstandene Fond durch ein Sieb abgetropft. Probieren empfohlen. Sollte noch zu viel Salz dran sein, kurz unter kaltem Wasser abspülen. Dann je einen Teelöffel gefriergetrockneten Thymian, Rosmarin, Oregano unter das Gemüse mischen und alles auf ein mit acht Esslöffeln Rapsöl begossenes und auf 230 Grad vorgeheiztes Backblech verteilen. Zehn Minuten garen, abkühlen lassen und mit zwei Esslöffeln Tomatenessig abschmecken.
Die besonders in den Alpenländern bekannte Polenta ist einfach zuzubereiten. Ein Liter Milch wird mit Salz und Pfeffer aufgekocht. Dann werden 200 Gramm Polenta (Maisgrieß) eingerieselt, der Topf vom Herd genommen und alles quellen lassen. Mit einer beliebigen mediterranen Gewürzmischung wie Marrakesch abschmecken und eine Auflaufform einfetten. In die wird schichtweise Polenta, Grillgemüse, Polenta gegeben und 250 Gramm Parmesan darüber gerieben. Nach 15 Minuten bei 180 Grad Umluft im Ofen gebacken, ist der Auflauf fertig. Dazu gibt es einen Dip, für den 300 Gramm weiße Bohnen aus der Dose durch ein Sieb gegossen und abgespült werden. Die werden samt einem Esslöffel Tomatenmark, 150 Gramm Aprikosen aus der Dose, einer Messerspitze gemahlenem Kreuzkümmel, zwei Esslöffeln Zitronensaft und drei Esslöffeln Rapsöl püriert. Dann werden noch acht Kirschtomaten entkernt und geachtelt unter das Mus gehoben und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Mahlzeit.
Und wie bekomme ich nun den Bogen zum Thema Moral? Nicht unbekannt dürfte in diesem Zusammenhang der Satz von Bertolt Brecht sein, dass erst das Fressen, dann die Moral kommt. Der war aber kein kulinarischer Kolumnist, und erst recht kein Kostverächter. Da halte ich es doch lieber mit Friedrich Nietzsche, der sagt: „Die Vernunft beginnt bereits in der Küche. . .“ Der Mann hat recht. Ein Stück Fleisch muss schließlich keine Sünde sein.

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