Max is(s)t bürgerlich...

23-73726601_23-73944636_1442568179.JPG von
04. November 2015, 06:58 Uhr

Zugegeben, manchmal erliege ich auch der Verlockung dessen, was man landläufig Fastfood nennt. Sie wissen schon, das sind die monströsen und gar nicht so preisgünstigen Dinge, die man kaum in die Hand, geschweige denn ohne Malheur in den Mund bekommt. Aber wer kennt nicht die leuchtenden Augen der Kids und Teenies, wenn beim Sonntagsausflug plötzlich ein markantes Zeichen am Horizont auftaucht, das solche „Genüsse“ verspricht. Da gibt’s dann eigentlich nur zwei Varianten des Handelns. Entweder man gibt der Bitte der Sprösslinge nach, oder der Ausflug ist gelaufen und die Lippe von Tochter oder Sohn hängt den Rest des Tages Unterkante Kinn.
Findige Eltern aber können mit ähnlich gelagerten Ideen die Kinder auf eine viel bessere kulinarische Fährte locken und sie in ansprechender Weise mit regionaler Küche vertraut machen. Wie würden Sie das nachfolgende Gericht auf eine kulinarisch gängige Kurzform bringen: Feines Wildragout mit karamellisierten Apfelscheiben und Preiselbeerrotkohl zwischen 2 Scheiben Kartoffelklößen. Na ja, klingt nach altbackenem Sonntagsbraten, werden die Kinder wenig begeistert mutmaßen. Pustekuchen, das Angebot mit dem langen Namen hat auch eine Kurzform. Es ist ein Burger.
Oho, spätestens jetzt werden die Kids hellhörig und springen neugierig an. Erst recht, wenn sie eine Abbildung des Objekts der Begierde sehen. Auch wenn man diesen Burger nicht wirklich zwischen Daumen und die übrigen Finger der Hand bekommt, er sieht cool aus, duftet verführerisch und hat den bildenden Nebeneffekt, sich wieder einmal „in Messer und Gabel“ zu üben. Und das Gute daran ist natürlich das Gute darin: Regionale Produkte, traditionell zubereitet, kreativ präsentiert.
Das klingt wie kulinarische Zukunftsmusik, ist es aber nicht. Denn der Burger wird bereits in Brandenburg aufgetischt. Entwickelt hat ihn mein Freund und oftmaliger kulinarischer Berater Daniel Reuner, der in Zossen Geschäftsführer und Küchenchef eines familiär geführten Hotels und immer für eine coole genusstechnische Idee gut ist. Die Zubereitung des in diesem Falle Branden-Burgers dürfte für jede Hausfrau kein Problem sein: Die Klöße werden ganz nach Gusto gefertigt. Der Rotkohl wird mit Preiselbeeren eingekocht und gut abgeschmeckt. Das Wildragout wird wie deftiges Gulasch angesetzt, die Pilze werden leicht angebraten. Wenn das alles zubereitet ist, wird je einer der getrost etwas größer geformten Klöße halbiert. Eine Hälfte wird schichtweise mit dem Preiselbeerrotkohl, den karamellisierten Apfelscheiben und dem Wildragout aufgefüllt. Dann kommt die andere Kloßhälfte obenauf. Fertig ist der Burger, der mit gebratenen Pilzen garniert wird.
Und wenn beim nächsten Sonntagsausflug die Lust auf einen pappigen Burger mit undefinierbaren Inhalten noch nicht ganz verflogen ist, kann man ja durchaus einen Ausnahme-Erlass proklamieren, damit den Eltern-Kind-Beziehungen einen deutlichen Anschub geben und die Lust auf den nächsten Natur-Bürger schüren. Kommt eben ganz auf die genusstechnische Argumentationsfähigkeit an. Sicher haben die jüngeren Familienmitglieder auch jede Menge Ideen für neue Burger-Kreationen. Man muss ja nicht allen ausgefallenen Wünschen mit Fastfood-Merkmalen nachgeben. Und der Nordosten hat zudem den Gewinn, dass bereits im Landesnamen sich das Wort „Burger“ förmlich aufdrängt. Es ist wohl Zeit für eine neue Burger-Bewegung, die nicht nur in der Küche stattfinden muss…

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen