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Essen und Trinken

23. November 2017 | 12:39 Uhr

Bier als Heilmittel : Lecker und gesund

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Gerstensaft ist ein vielseitiges Heil- und Schönheitsmittel – maßvoller Genuss vorausgesetzt.

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Bier ist das meist konsumierte alkoholische Getränk und zählt – nach Mineralwasser und Fruchtsäften – zu den beliebtesten Getränken der Deutschen: Durchschnittlich 99,5 Liter trinkt jeder Bundesbürger jährlich. Doch Bier schmeckt nicht nur gut, sondern gilt seit jeher als vielseitiges Heilmittel. So empfahlen schon die Hildegard von Bingen und Paracelsus Bier zur Wiederherstellung und Kräftigung der Gesundheit. Auch als Hausmittel bei Alltagsbeschwerden hat sich der Gerstensaft bewährt: Wer kennt nicht den Rat, bei Erkältungen oder Schlafstörungen warmes Bier zu trinken?

Weniger Herzinfarkt und Nierensteine

Bier enthält nicht nur die Grundzutaten Wasser, Hopfen und Malz, sondern mehr als 1  000 (!) Inhaltsstoffe – darunter energieliefernde Kohlenhydrate, die Mineralstoffe Magnesium, Kalium, Natrium und Phosphor sowie essentielle B-Vitamine. Dass maßvoller Bierkonsum tatsächlich gesundheitsfördernd wirken und möglicherweise sogar Krankheiten vorbeugen kann, belegen auch immer mehr wissenschaftliche Studien. So kommen gleich mehrere Untersuchungen – unter anderem an der US-Universität Scranton in Pennsylvania – zu dem Schluss, dass Bier das Herzinfarkt-Risiko um ein Drittel reduzieren kann. Forscher erklären den schützenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System damit, dass Alkohol das „gute“ HDL-Cholesterin erhöht, die Blutgerinnung günstig beeinflusst und somit einer Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) vorbeugen hilft. Darüber hinaus kann Bier das Immunsystem stärken, wie eine in der Fachzeitschrift „Annals of Nutrition and Metabolism“ veröffentlichte Studie zeigt. Hierin hatten Männer täglich zwei kleine Flaschen Bier (0,66 Liter) und Frauen eine kleine Flasche (0,33 l) am Tag getrunken. Nach 30 Tagen waren die Abwehrzellen der Probanden aktiver und zahlreicher – insbesondere bei den weiblichen Probanden. Eine Studie an der Harvard School of Public Health ergab zudem, dass Bier das Risiko für Nierensteine deutlich reduzierte. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnt jedoch davor, Aussagen zur gesundheitsfördernden Wirkung von Alkohol überzubewerten und zu verallgemeinern. Viele Studien beziehen sich auf spezielle Risikogruppen wie Senioren oder Herzinfarkt-Patienten und haben damit keine Aussagekraft für gesunde Menschen.

Maximal ein halber Liter täglich

Wichtig zu wissen ist auch: Die in Studien gefundenen positiven Effekte beziehen sich in der Regel auf einen moderaten Alkoholkonsum. Als akzeptable Menge Alkohol nennt die DGE 10 Gramm pro Tag für gesunde Frauen und 20 g/Tag für gesunde Männer. Das entspricht einem viertel beziehungsweise einem halben Liter Bier täglich. „Allerdings sind diese Angaben nicht als Aufforderung für regelmäßigen Alkoholkonsum zu verstehen“, ergänzt Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl. Schließlich stünden die in den Studien nachgewiesenen positiven Wirkungen den ungünstigen Effekten von Alkohol gegenüber. So könne vor allem regelmäßiger Alkoholkonsum langfristig zahlreiche negative Folgen haben. Dazu zählten nicht nur psychische Erkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Verwirrtheit oder andere psychische Störungen, sondern auch physiologische Veränderungen wie Krebskrankheiten (insbesondere Mundhöhlen,- Rachen,- Speiseröhren,- Brust-, Dickdarm- und Leberkrebs) sowie Organschäden an Nieren, Bauchspeicheldrüse, Herzmuskel und Leber. Menschen, die Medikamente einnehmen, Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche oder suchtgefährdete Personen sollten generell auf Alkohol verzichten.

Alkoholfreies Bier als Alternative

Eine Alternative ist alkoholfreies Bier, das – abgesehen vom Alkoholgehalt – von den Inhaltsstoffen vergleichbar ist mit „herkömmlichem“ Bier. Doch Vorsicht: Auch „alkoholfrei“ gekennzeichnete Biere enthalten (bedingt durch den Produktionsprozess) eine minimale Restmenge Alkohol – und zwar bis zu 0,5 Volumenprozent. Sie sind daher nicht für trockene Alkoholiker geeignet, warnt Harald Seitz vom aid infodienst für Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung. Auch für Kinder oder Schwangere sei alkoholfreies Bier wegen des möglicherweise enthaltenen Restalkohols nicht ratsam.

Gesundheitsbewusste und Sportler dürfen sich dagegen ruhig mal ein Gläschen alkoholfreies Bier gönnen. Durch seinen hohen Wasseranteil von etwa 90 Prozent löscht es den Durst, und die enthaltenen Nährstoffe können schnell vom Körper aufgenommen werden. Nicht umsonst gilt alkoholfreies Bier als isotonisch. Das bedeutet, dass das Getränk bezüglich der Zusammensetzung seiner Salze genauso konzentriert ist wie die Körperflüssigkeiten. Dadurch lassen sich nach dem Sport Wasser- sowie Mineralstoffverluste besonders schnell wieder ausgleichen.

Dass von alkoholfreiem Bier sogar Marathonläufer profitieren, die aufgrund der körperlichen Überlastung häufig an Infektionen und Entzündungen leiden, hat Dr. Johannes Scherr herausgefunden. Der Sportmediziner aus München ließ die Athleten drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Lauf täglich 1-1,5 Liter alkoholfreies Weißbier trinken, das Polyphenole enthielt. In einer Vergleichsgruppe hatte man die immunstärkenden sekundären Pflanzenstoffe aus dem Bier herausgefiltert. Ergebnis: Unter dem polyphenolhaltigen Bier sank die Anzahl der Atemwegsinfekte um mehr als das Dreifache.

Und noch etwas spricht für die alkoholfreie Variante: Während alkoholhaltiges Bier im Durchschnitt etwa 42 Kilokalorien pro 100 Milliliter enthält, sind es bei „bleifreien“ Sorten lediglich 25 kcal/100 ml. Alkoholfreies Bier ist damit sogar noch etwas „figurfreundlicher“ als die viel gepriesene Apfelsaftschorle. Diese wartet in einem Mischungsverhältnis von 1:1 mit Mineralwasser mit 29 kcal/100 ml auf, besitzt dafür jedoch etwas mehr Vitamine und Mineralstoffe. „Alkoholfreie Biere sind damit als Sportlergetränk besser geeignet als alkoholhaltige Getränke, aber nicht empfehlenswerter als Mineralwasser bzw. Fruchtsaftschorlen“, so das Fazit von Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl.

Rezepte mit Bier

  • Erkältungen: Für 3-4 Gläser Gewürzbier 1 l dunkles Bier, 3 EL Honig, 1 EL Ingwersirup und je 1 Prise gemahlene Nelken, Pfeffer und Zimt gut mischen und erhitzen (nicht kochen!). 2-3 Stunden ziehen lassen, erneut erhitzen und abseihen. Ein Glas noch möglichst heiß trinken.
  • Nervosität, Schlafstörungen: 2 TL getrocknete Hopfenzapfen (Apotheke) in 200 ml Milch aufkochen, dann abseihen. Mit Honig gesüßt vor dem Schlafengehen trinken. Alternative Hopfentee: 2 TL Hopfenzapfen mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, ca. 3 Minuten ziehen lassen und mit Honig süßen.
  • Unreine Haut und Pickel: 1 EL Bierhefe und 2-3 EL Naturjoghurt gut verrühren und fingerdick auf das Gesicht auftragen. Nach 15 Minuten mit viel kaltem Wasser abwaschen und mit warmem Wasser nachspülen. Anschließend die Haut wie gewohnt pflegen.
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