von Tisch zu Tisch : Kochende Entertainer

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Ich habe Köche aus allen Lagern befragt, was sie vom TV-Showkochen halten und was eine gute Kochsendung ausmacht. Die Antworten sind erwartungsgemäß vielfältig und mitunter auch ziemlich gegensätzlich.

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23. März 2015, 22:54 Uhr

Die Zeiten sind längst vorbei, da weiland Alfred Biolek als kulinarischer Alleinunterhalter in (s)einer Küche stand, wortreich-blumig mit einem Gast seiner Wahl parlierte und ein meist einfaches, aber durchaus raffiniertes Gericht zubereitete, dessen Qualität er stets mit seinem berühmt gewordenen Ausruf „mhmmm“ kommentierte. Heute sind Kochsendungen wie Pilze aus dem TV geschossen und Köche aller Couleur buhlen auf vielen Kanälen mehr oder weniger geistreich um die Gunst des Publikums. Ich habe Köche aus allen Lagern befragt, was sie vom TV-Showkochen halten und was eine gute Kochsendung ausmacht. Die Antworten sind erwartungsgemäß vielfältig und mitunter auch ziemlich gegensätzlich.

Alles, was ich diesbezüglich in Erfahrung gebracht habe und als Genuss-Esser selbst einbringe, ist natürlich wie immer eine Frage des Geschmacks. Nahezu unisono stimmten mir meine Gesprächspartner zu, dass eine zeitgemäße Kochsendung aus einer anregenden Mischung aus Anregung, Bildung und Unterhaltung bestehen sollte. Es gibt aber auch ablehnende Meinungen zu solchen Koch-Shows: Zu viel Klamauk, Dampfplauderei ohne Substanz, Quotenhascherei, so die Vorwürfe. Was sagt uns das: Alles, siehe oben, ist Geschmackssache. So gar nicht mein Ding sind in diesem Zusammenhang süffisante Klaukschnacker wie Gastrokritiker Heinz Horrmann und Schwergewicht Reiner Calmund, dem so ziemlich alles schmeckt, Hauptsache viel. Ganz zu schweigen davon, dass für viele Zuschauer TV-Kochen oft zum Ersatz für Kochen und Essen geworden ist.

Wie viel interessanter sind dagegen Koch-Veranstaltungen, bei denen die Gäste selbst aktiv werden und danach das Essen genießen können. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, an einer Veranstaltung im Restaurant „Fackelgarten“ in Plau teilzunehmen, die unter dem Motto „von Tisch zu Tisch“ die Gäste zu kochenden Akteuren werden lässt und eine tolle Gelegenheit ist, mit seinem Tischnachbarn ins Gespräch zu kommen. Jeder der Gäste hat im Rahmen des Abends die Möglichkeit, unter Anleitung von Küchenchef Stefan Zeisler einen Gang mit zuzubereiten. Mehr noch, man erhält dabei eine Menge Tipps rund um das Kochen und die damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen. Zeisler hat sich dabei als unaufdringlicher, kompetenter und launig-kochender Entertainer abseits allen Klamauks erwiesen. Respekt. Da können sich Zacherl, Schuhbeck und Co. was ablauschen.

Ganz toll auch die Auswahl der einzelnen Gänge, die Zeisler und sein Team aufwendig vorbereitet hatten. Neben einem fantasievollen Gruß aus der Küche gab es ein vorzügliches Rindercarpaccio, einen Bloody Mary Cocktail mit Flusskrebsen, hausgemachte Sepia-Ravioli mit Spinat, getrockneten Tomaten sowie allerlei Gewürzen, ein exzellent zubereitetes Filet vom Jungbullen mit Garnele und Artischocken und Möhrengemüse sowie ein fulminantes Dessert.

Fackelgarten-Chefin Claudia Rauer: „Die Mischung aus Unterhaltung, Kochen und Essen kommt sehr gut an. So wird ein Abend nicht nur sehr vergnüglich und genussreich, man nimmt auch Wissen mit nach Hause. Und unsere Abende werden auch nicht, wie es im Fernsehen üblich ist, durch Werbepausen unterbrochen.“ Eben diesem Vergnügen konnten sich auch die Gäste nicht entziehen. Wildfried Ruchay, der mit Ehefrau Petra aus Neubrandenburg an dem Abend teilnahm, war des Lobes voll: „Das macht viel Spaß und regt an, selbst wieder einmal kochend aktiv zu werden. Solche kulinarischen Ideen haben Zukunft. Das kann keine Koch-Show im Fernsehen ersetzen.“

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