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Essen und Trinken

23. November 2017 | 08:53 Uhr

genuss : Kaffeehaus-Flair am Bodden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Edith Artmer ist eine Frau, die weiß, warum Sahne die Krönung jeden Kuchens ist

In Dranske auf Rügen war ich das letzte Mal vor über 40 Jahren. Seinerzeit habe ich Campingurlaub in dem ehemaligen Fischerdorf gemacht. Die Erinnerungen daran sind einigermaßen verblasst. Durch meine tägliche virtuelle Recherchearbeit habe ich aber eher zufällig ein kleines Haus entdeckt, das mich seit Jahren wieder neugierig auf Dranske gemacht hat. Unweit der malerischen Wieker Boddenlandschaft hat sich Edith Artmer etwas aufgebaut, das im besten Sinne des Wortes verlockend einladend ist.

Genannt hat die sympathische Mittvierzigerin (40 n) mit den leuchtenden Augen ihr Refugium „Cafe Sahne“. Und das gibt es jetzt immerhin schon seit dem Jahr 2000. Warum nennt frau ihr Cafe „Sahne“, habe ich sie gefragt. „Na hören Sie mal“, sagt die gebürtige Rüganerin mit gespielter Entrüstung und rollenden Augen, „die Sahne ist doch die Krönung jeder süßen Verführung. Es kann für mich gar keinen anderen Namen geben.“

Und das mit anheimelnder Intimität, zugegeben im Detail etwas verspielt, ausgestattete Cafe macht seinem Namen aller Ehre. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier der alte Hans Moser seine Freude gehabt und gern geschlemmt, oder in aller Ruhe „in einem still Eckerl“ einen guten Wein getrunken hätte. Mit dem hätte ich mich dann auch gern unterhalten, warum er einmal eine Reblaus g’wesen ist... Aber zurück zu Edith Artmer. Die gibt’s schließlich noch. Und sie sprüht nur so voller Tatendrang, wenn sie von ihrem gastlichen Haus spricht.

Dabei ist ihr das Metier einer Kaffeehaus- und Pensionswirtin durchaus nicht in die Wiege gelegt worden. Denn studiert hat sie Agrarwirtschaft und einen sauberen Abschluss als Agrar-Ingenieurin hingelegt. Weil sie aber schon immer gemacht hat, was sie gern wollte, hat sie 1991 ein Grundstück samt Haus gekauft, selbiges mangels Substanz abgerissen und ein neues gebaut. Daraus entstand eine kleine, aber feine Pension mit bettentechnischen Kapazitäten für zwölf Personen und ein Blumenladen. Aha, also doch (noch) ein gewisser Bezug zur Landwirtschaft. Aber da Blumen immer weniger gingen, musste dann das Cafe Sahne aus der Taufe gehoben werden.

Ich meine, das war ein Glücksgriff für den Ort. Was die Chefin und ihre drei Mitarbeiter dort auf die Beine stellen, ist aller Ehren wert. Zu den Spezialitäten des Hauses zählen, nein: nicht leckere, köstliche Torten und Kuchen und Sanddornspezialitäten in allen Variationen. Die Ideen für die süßen Kreationen, verrät mit Edith Artmer verschmitzt lächelnd, kommen ihr im Winter. Und dann geht’s rund in ihrer Küche. Dort werden aber nicht nur süße Verführungen zubereitet, sondern auch kleine, aber feine Gerichte wie hausgemachte Pizzen, ofenfrischer Flammkuchen, Pasta mit verlockenden Zutaten und natürlich auch Fischiges. Das wird, schwört die rotblonde Dame, alles frisch zubereitet. Sogar jede Pasta wird extra gekocht und nicht etwa schon für Zahnlose aus einem großen Topf geschöpft, der seit Stunden köchelt. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und habe mir Pasta mit (reichlich) Garnelen, Olivenöl und Knobi bestellt. Das war ein Fest für meinen Gaumen.

Für mich ist diese Gastlichkeit auf Rügen ein echter Geheimtipp für alle, die eine intime Atmosphäre abseits der Touristenströme von Binz, Prora und anderen Orten der Region schätzen. Entdecken kann man ja tagsüber allerorts. Kap Arkona ist nicht weit, und die Bodden- und Ostseelandschaft lädt zu ausgedehnten Wanderungen ein. Und abends kann man dann bei Edith Artmer noch gut essen oder einen mehr oder weniger lang ausgedehnten Absacker genießen. Wenn sie ihren Gästen Tipps für Ausflüge geben soll, empfiehlt sie aus Erfahrung den „Froschkönig“ in Middelhagen, oder Moritzdorf bei Baabe, wo man mit dem Fährmann und dessen Muskelkraft zu einem herrlichen Aussichtspunkt übersetzen kann. Das sind doch gute Aussichten, oder?! Ich kann mir aber gut vorstellen, den ganzen Tag bei Edith Artmer zu verbringen, zu lesen, kulinarischem Genuss zu frönen und auf diese Weise Kraft und Ideen zu tanken.

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