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Kulinarische Mission : Idylle mit natürlichem Geschmack

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Pronstorf trägt eine Gastlichkeit den verlockenden Namen „Strengliner Mühle“. Das Anwesen aus Restaurant, Hotel und Gästehaus ist als natürlich-attraktives bauliches Ensemble gestaltet. Hier lohnt sich Einkehr in jeder Beziehung.

Nicht dort, wo Fuchs und Hase sich „Gute Nacht“ sagen, aber auch nicht weit davon entfernt, liegt die Holsteinische Schweiz. Das ist zu allen Jahreszeiten eine sanft-hügelige Landschaft mit weiten Wiesen, Feldern und malerischen Seen. Mein Ziel war Strenglin unweit von Bad Segeberg. Denn dort weiß ich in dem Ortsteil von Pronstorf eine empfehlenswerte Gastlichkeit, die den verlockenden Namen „Strengliner Mühle“ trägt. Zugegeben, eine Mühle ist es heute nicht mehr. Aber das Anwesen aus Restaurant, Hotel und Gästehaus ist als natürlich-attraktives bauliches Ensemble gestaltet. Hier lohnt sich Einkehr in jeder Beziehung.

Wie nicht anders zu erwarten, war ich natürlich auch diesmal vor allem in kulinarischer Mission unterwegs. Kein Wunder also, dass Küchenchef Henning Molt mein Gesprächspartner war, der den „Laden mit der wechselvollen Geschichte seit 1614“ gemeinsam mit seinen Eltern, der stolze 94 Jahre jungen Großmutter, und seiner Schwester führt. Es spricht übrigens für die Bodenständigkeit der Familie, dass sie ihr Haus vom DEHOGA „nur“ mit drei Sternen Superior haben zertifizieren lassen, obwohl die Kriterien für ein Vier-Sterne-Haus gegeben sind. Vater Hans Molt erklärt mir plausibel: „Warum sollen wir die Gäste mit Sternen verunsichern? Sie sollen hier ungezwungen entspannen und keinem Druck ausgesetzt sein." Für die Molts zählen deshalb Ankommen und Wohlfühlen mehr als plakative Sterne. Wenn das die Gäste so empfinden und weitersagen, hat das aus Sicht der Familie viel mehr Wert als ein weiterer Stern.

„Nu ward Tied, ok mal oewer dat Äten tau schnacken...“, meine ich endlich. Soll wohl heißen, es geht um das Essen, das der Küchenchef und sein Team bieten. Er definiert seine Küche als moderne, deftige Landhausküche, die ganz auf regionale Akzente setzt, was Produkte und Geschmack betrifft. Für ihn ist in diesem Zusammenhang Regionalität neben der Gewissheit, ein sicheres und kontrolliertes Lebensmittel zu genießen, auch ein Stück ökologisches Handeln.

Und Henning Molt kann das auch schwarz auf weiß nachweisen: Die zweisprachige Speisekarte „up platt“ und in hochdeutsch ist eine regionale kulinarische Visitenkarte. So gut wie alles, von den Vorspeisen über Fleisch und Fisch bis hin zum Essen für den kleinen Hunger, stammt alles aus der unmittelbaren Region. Da fehlt Fisch in allen denkbaren Variationen ebenso nicht, wie deftige Gerichte vom Lamm, Holsteiner Rind und Entenschmaus. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und habe mir rosa gebratenen Rücken von Strengliner Lämmern unter einer Kräuterkruste samt Ofenkartoffel und „Mühlen-Pesto“ einverleibt. Serviert vom Küchenchef persönlich war das ein echter Leckerbissen mit würzigen Aromen und gekonnt aufeinander abgestimmte, bodenständige Zutaten. Sterneküche strebt Molt übrigens nicht an. Im Gegenteil, er möchte hinsichtlich der Produkte noch autarker sein und auch Bauer „spielen“, um damit statt in der Küche noch mehr im Vorfeld des vorausschauenden Kochens zu experimentieren.

Wer sich in dem Haus zur Ruhe betten möchte, wohnt in großzügigen, geschmackvoll eingerichteten Zimmern. Besonders attraktiv war für mich das im gemütlichen Landhausstil gestaltete, reetgedeckte Gästehaus „Alte Scheune“. Zum Relaxen und zur inneren Entschleunigung lädt ein Freizeitbereich mit Schwimmbad, Sauna, Dampfbad, Infrarotkabine und Solarium ein. Das wäre was für meine Frau gewesen. Kann man ja nachholen. Ich hätte derweil im Wintergarten-Restaurant die Aussicht auf den Mühlen-Komplex, oder im urigen Ambiente der Holsteiner Gaststube ein Getränk genossen. Leider gibt's dort im Gegensatz zum Nordosten (noch) keinen „Mann und Fru...“, den würzigen Doppelkümmel. Wer aber das Glück des Wanderers hat, dem begegnen bei einem Spaziergang sogar Hasen. Denn die brauchen auch mal jemanden, der ihnen ein „Moin, Moin“ zuruft...


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