Ayurvedische Ernährung : Harmonie für Bauch und Geist

Spezielle in Europa hergestellte Ayurveda-Gewürzmischungen sind hinsichtlich ihrer Qualität oft besser einzuschätzen als Produkte asiatischer Herkunft.
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Spezielle in Europa hergestellte Ayurveda-Gewürzmischungen sind hinsichtlich ihrer Qualität oft besser einzuschätzen als Produkte asiatischer Herkunft.

Ayurvedisches Kochen gilt als aufwendig und kompliziert – es geht aber auch anders, mit regionalen Produkten und Rezepten

svz.de von
20. Juni 2016, 21:00 Uhr

Ayurveda – das ist eine Kur in Indien oder Sri Lanka, denken viele. Aber: Die südasiatische Gesundheitslehre, bei der Körper, Geist und Umwelt in ein harmonisches Gleichgewicht gebracht werden sollen, lässt sich auch hier anwenden. Vor allem was die Ernährung anbelangt. Denn dafür braucht es nicht einmal exotische Lebensmittel.

„Die Prinzipien der Ayurveda-Küche funktionieren auf der ganzen Welt“, betont Irene Rhyner, Autorin eines Buches über die europäische Ayurveda-Küche. Die Basis sei eine ausgewogene Ernährung, in der alle Geschmacksrichtungen vertreten sind. Das sei auch mit regionalen Lebensmitteln möglich. „Entscheidend für die Bewertung alternativer Ernährungsformen ist die Nährstoffzufuhr“, sagt Matthias Riedl, Vorstandsmitglied im Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner. Ayurvedische Kost mit ihrem hohen Anteil an Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse liefere dem Körper ausreichend Nährstoffe. Sie sei deshalb auch als Dauerkost geeignet. Die meisten anderen alternativen Ernährungsformen seien wesentlich kritischer zu bewerten, lautet seine Einschätzung. „Im Grunde ist die ayurvedische Ernährungslehre leicht zu verstehen“, sagt Elmar Stapelfeldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Heilpraktiker in der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin. Im Kern gehe es um eine Art Energiesparmodell, das den Körper entlastet: Denn Energie, die der Körper nicht zur Verarbeitung der Mahlzeiten braucht, kann er in geistige und körperliche Leistungsfähigkeit sowie in die Besserung von Beschwerden investieren, so die Theorie. Grundlegende Energiesparmaßnahmen sind dabei regelmäßiges Essen von täglich nur drei Mahlzeiten ohne Zwischenmahlzeiten, Verzicht auf schwer verdauliche Speisen und das Kochen der Lebensmittel. „Gekochte Lebensmittel sind bekömmlicher und haben eine bessere Bioverfügbarkeit“, erklärt Stapelfeldt. Der Körper kann sie also leichter verwerten. Auch das Frühstück sollte deshalb im Idealfall warm sein.

Der Ayurveda-Mediziner empfiehlt einen warmen Getreidebrei mit Obst, Gewürzen und Nüssen. Warme Getränke ergänzen das Programm: „Ein halbes Glas heißes Wasser, zum Essen getrunken, fördert die Verdauungsprozesse.“ Rhyner kocht zum Frühstück beispielsweise einen Haferflockenbrei mit Banane und Apfel – gewürzt mit Zimt, Nelken, Kardamom, Kurkuma, Ingwer und Salz. Die Gewürze und die Flocken werden in Ghee, der für die Ayurveda-Küche typischen geklärten Butter, angeröstet. Dann kommen Obst und Wasser dazu. Als Topping dienen Honig und Walnüsse.

Mit Blick auf eine optimale Nährstoffversorgung plädiert Riedl eher für eine Mischung aus Gegartem und Rohkost. Obwohl laut dem Hamburger Ernährungsmediziner auch nicht wirklich etwas gegen eine Ernährung mit ausschließlich gekochten Speisen einzuwenden sei.

Nach einer Umstellung auf die ayurvedische Ernährung fühlen sich laut Stapelfeldt viele Menschen wacher, leichter und leistungsfähiger. Wer die Grundregeln beherrscht, könne gezielt individuelle gesundheitliche Probleme angehen. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Reizdarm, Arthrose oder Atemwegserkrankungen könne ayurvedische Ernährung helfen, sagt der Experte.

Ulrike Geist

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