kulinarisches : Gesundes Fleisch für Grill und Küche

Der „Alte Amtsturm“ in Lübz bietet historisches Flair und gutes Essen.  Fotos: ragwitz
Der „Alte Amtsturm“ in Lübz bietet historisches Flair und gutes Essen. Fotos: ragwitz

Straußenfleisch ergibt einen Braten mit bodenständigem Geschmack.

svz.de von
30. Dezember 2014, 00:13 Uhr

Auf der B 191 aus Richtung Plau am See kommend, sieht man kurz vor Lübz einen eher unscheinbaren Wegweiser: Straußenfarm Riederfelde. Grund genug, einmal vom Weg abzukommen und der Vorahnung auf kulinarische Extras zu folgen. Mein „Riecher“ hat mich nicht getäuscht. Da tummeln sich wahrlich auf 18 Hektar ausgewachsene Strauße und solche, die es einmal werden wollen. Je nach Jahreszeit sind es bis zu 150, erklärt mir Monika Helfrich, die für den kaufmännischen Teil des Familienunternehmens zuständig ist.

Ich frage sie augenzwinkernd, wie man auf so eine Schnapsidee kommt, diese größten Vögel der Erde zu züchten. „Die Idee dazu hatte mein Mann, der gelernter Landwirt ist. Er suchte eine besondere Herausforderung, und nach einem Fernsehbericht über Straußenzucht wurde 2004 die Geburtsstunde unseres Unternehmens eingeläutet.“ Es war, bestätigt auch ihr Mann Frank Löhr, eine große
Herausforderung und ist immer noch eine Art Abenteuer. Vertrieben wird das Fleisch hauptsächlich an den Endverbraucher über den Hofladen sowie über den Onlineshop.

Zu den Kunden zählen aber auch verschiedene Restaurants und ein großer Frischemarkt in Hamburg. Monika Helfrich: „Seit dem Importverbot von Straußenfleisch aus Südafrika können wir nicht genug Straußenfleisch produzieren, denn es gilt allgemein als sehr gesund. Es hat weniger als zwei Prozent Fett und enthält viel Eisen und wenig Cholesterin.“ Die Tiere werden konsequent ökologisch ernährt und bekommen keine Medikamente. Sie leben ganzjährig im Freien. Das Fleisch eignet sich auch deshalb besonders für Allergiker und Diäten, erklärt Monika Helfrich weiter.

Und wie ist das mit dem Geschmack und der Zubereitung, möchte ich gern wissen. Denn gegessen habe ich bislang noch kein Straußenfleisch. Frank Löhr klärt mich auf: „Es ähnelt im Geschmack Rinderfilet und ist sogar etwas lieblicher.“ Ich habe mir sagen lassen, dass Strauß geschmacklich auch einen Hauch von Ente und Pute mit ausstrahlt. Von exotischem Geschmack aber, den Kunden immer oft vermuten, kann keine Rede sein. Es schmeckt gegrillt, gebraten oder geschmort vorzüglich und eignet sich demzufolge für alle Zubereitungsarten, selbst für das Garen im Ofen bei Niedrigtemperatur. Und obwohl der Strauß ja Geflügel ist, kann man ein Straußensteak trefflich medium oder in allen denkbaren Garstufen genießen. Am liebsten grillen die Straußenzüchter das Fleisch pur ohne alle Gewürze. Erst auf dem Teller kommt etwas Pfeffer, Kräuterbutter, Kräuterfrischkäse oder Meersalz dazu. Man kann, so Monika Helfrich, dazu ganz nach Gusto die verschiedensten Beilagen reichen. Muss aber nicht sein. Sie wissen schon: In der allergrößten Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot... Dazu einen würzigen Rotwein. Das ist Genuss pur. Muss ja kein Pinotage aus Südafrika sein, der dazu allgemein angepriesen wird. Aber gehaltvoll sollte er schon sein. Ich würde wahrscheinlich zu einem Merlot oder einem Cabernet Sauvignon greifen.

Das erste Straußenfleisch meines Lebens habe ich übrigens nur ein paar Kilometer weiter im „Alten Amtsturm“ in Lübz gegessen. Die sehr vielseitige Küche dieser urig-gemütlichen Gaststätte bezieht, wie könnte es anders sein, das begehrte Fleisch nämlich aus Riederfelde, wie ich aus verlässlicher Quelle erfahren habe. Und was das Team um Marita Beck aus dem Straußenfleisch buchstäblich zaubert, mundet vorzüglich, schaut gut aus und bestätigt geschmacklich die Aussagen von der nahen Straußenfarm. Ich habe mich auch in dieser Hinsicht mal im Internet schlau gemacht und werde demnächst selbst einmal etwas kreieren. Die Palette der Anregungen jedenfalls ist riesengroß.

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