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Essen und Trinken

11. Dezember 2017 | 01:31 Uhr

Vanille : Das teuerste Gewürz der Welt?

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Weltmarktpreis für Vanille explodiert – auf die Verbraucher in Europa könnten damit einige unangenehme Mehrkosten zukommen

svz.de von
erstellt am 27.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Georges Geeraerts hat schlechte Nachrichten für die Vanille-Liebhaber dieser Welt. Obwohl die Ernte auf der vor Afrikas Ostküste gelegenen Insel noch in vollem Gange ist, zeichnet sich nach Ansicht des Chefs der dortigen Vanille-Exporteure bereits ab: „Die Preise werden noch höher liegen als im vergangenen Jahr.“ Dabei kennt der Vanille-Preis schon seit 2014 nur eine Richtung: steil nach oben. Schon heute gehört es zu den teuersten Gewürzen der Welt – nur Safran erzielte bisher noch höhere Preise. Madagaskar, das vier Fünftel des Weltbedarfs abdeckt, bestimmt dabei nach wie vor mit seiner Produktion die Preisentwicklung. Ein Sturm hatte dort im Frühjahr große Teile der Anbauflächen zerstört. Damit könnten auf Europas Konsumenten Kostensteigerungen zukommen, sollten die Händler ihre Mehrkosten an den Endkunden weitergeben.

Denn Vanille wird nicht nur für Produkte wie Eiscreme, Pudding, Kuchen, Kekse, Joghurt, Bonbons und ähnlichem verwendet, sondern auch für Duftstoffe, Körperlotionen, Badezusätze, Shampoos, Raumdüfte, Seifen und ähnlichem. Vor allem sogenannte Bourbon-Vanille, die ausschließlich aus den Anbaugebieten Madagaskar, La Réunion oder auf den Komoren stammen darf, wird selten und damit kostbar.

Auf Madagaskar als weltgrößtem Vanille-Produzenten zeichnen sich zudem weitere Schwierigkeiten ab. „Das größte Problem ist, dass die Rohvanille oft zu früh geerntet wurde, da die Bauern aus Angst vor Diebstahl schon ab März mit der Ernte begonnen haben – obwohl die Blüte erst Mitte Juni beginnt“, sagt Rado Andrianantenaina, Produzent und Exporteur aus Antalaha im Nordosten der Insel.

Der Chef des Unternehmens „Maison de Sava“ geht davon aus, dass die Preise angesichts der knapper werdenden Menge an guter Ware kaum nachgeben werden: „Es dürfte wohl mehr oder weniger der gleiche Preis wie im Vorjahr sein, zwischen 400 und 600 Dollar pro Kilo.“ Der Unternehmer ist sicher: „Das wird die Kunden aber nicht davon abhalten, Vanille zu kaufen: Im Vorjahr wurden zwischen 1800 und 2000 Tonnen aufbereiteter Vanille exportiert.“

Auch der im Vanille-Geschäft auf Madagaskar stark engagierte niedersächsische Duft- und Aromenhersteller Symrise geht kaum von sinkenden Preisen aus. Der Konzern aus Holzminden gehört zu den etwa zwei Dutzend Unternehmen, die Vanille von der Insel weiterverarbeiten. Rund 7000 Vanille-Bauern arbeiten auf Madagaskar mit Symrise zusammen - der Konzern, der gemeinsam mit der GIZ und anderen Hilfsorganisationen auch Entwicklungsprogramme mitorganisiert, verarbeitet etwa zehn Prozent der auf Madagaskar angebauten Vanille. Engpässe bei der aktuellen Ernte sieht er nicht: „Für unsere Nachfrage sind Mengen in ausreichender Qualität verfügbar“, sagt Symrise-Vorstand Heinrich Schaper.

Sein Unternehmen ist nach eigenen Angaben das einzige auf der Insel, das Rohvanille vor Ort extrahiert und dann in hochkonzentrierter, flüssiger Form in alle Welt exportiert. Denn die Vanille-Schoten enthalten gerade mal zwei Prozent wertvolle Aromastoffe. Auch Schaper spricht von einer hohen Nachfrage: „Vor allem in den USA und Asien, aber auch Europa ist der Trend nach Authentizität, nach Natürlichkeit ungebrochen.“ Das Ergebnis: Die Nachfrage steigt. Der Preis auch.

Damit kommen neue Anbieter auf den Plan – etwa in Indien oder auch in Uganda. Das sieht auch Geeraerts vom Verband der Vanille-Exporteure so: „Mit derartigen Preisen dürften auch andere Länder mit dem Vanille-Anbau beginnen, so dass ein Überangebot die Preise fallen lassen wird.“ Doch bis dahin dürfte es noch etwas dauern. Der Grund: Nach der Anpflanzung der Kletterorchideen dauert es im Idealfall rund vier Jahre, bis die ersten Vanilleschoten geerntet werden können.

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