WWF-Studie : Deutsche werfen 1,7 Millionen Tonnen Backwaren weg

Auswahl gibt es beim Bäcker in Hülle und Fülle. Foto: Paul Knecht/dpa
Auswahl gibt es beim Bäcker in Hülle und Fülle. Foto: Paul Knecht/dpa

Scharfe Kritik vom WWF: Was nicht verkauft wird, landet in der Tonne. Dabei gibt es Verwendung für Brot, Brötchen und Co.

svz.de von
04. Oktober 2018, 15:32 Uhr

Berlin | Gerade auch angesichts der Ernteverluste nach langer Trockenheit in diesem Jahr hat die Umweltstiftung WWF vor der Verschwendung von Brot und Backwaren gewarnt. "Zukünftig sollten und können wir es uns schlichtweg nicht mehr leisten, Ackerland in diesem Ausmaße zu beanspruchen, um das darauf angebaute Getreide als Brot, Croissants oder Törtchen in den Müll zu werfen", sagte der WWF-Experte Jörg-Andreas Krüger am Donnerstag in Berlin. "Massive Überproduktion" sei eine der Hauptursachen für die Verschwendung.

Laut einem neuen WWF-Bericht gehen pro Jahr geschätzte 1,7 Millionen Tonnen Brot und Backwaren verloren - vor allem bei Verbrauchern, Bäckereien und im Handel. Nach Recherchen der Organisation liegt der Anteil überschüssig produzierter Waren je nach Art und Größe der Bäckerei zwischen 1,5 und 19 Prozent. Schlimmstenfalls geht damit in manchen Betrieben rund jede fünfte Backware nicht über die Ladentheke. Was übrig bleibt, wird laut WWF "bestenfalls gespendet". Brot lande jedoch auch im Tierfutter, und Torte werde zu Biogas.

Offizielle Zahlen zu dem Thema gibt es nicht. Auch der WWF verweist auf das Fehlen valider Daten und fordert mehr Transparenz der beteiligten Branchen. Grünen-Politikerin Renate Künast sagte SWR Aktuell: "Wir brauchen einen Runden Tisch, bei dem alle ihre Zahlen und Fakten auf den Tisch legen, auch der Handel, auch die Industrie - damit wir wissen, wo wird eigentlich am meisten weggeworfen."

WWF-Experten sehen für Bäcker unter anderem eine Chance in spezieller Software zur Optimierung der Bestellmengen. Eine weitere Option sei es, Bäcker in Supermärkten nicht mehr vertraglich zum Vorhalten eines großen Warenangebots bis kurz vor Ladenschluss zu verpflichten. "Begleitet von einer entsprechenden Kommunikation an die Kunden könnte solch eine Änderung zu einer erheblichen Sensibilisierung der Gesellschaft führen", heißt es im Bericht.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks erklärte, sowohl Verbraucher als auch Bäckereien seien gefragt: "Auf der einen Seite müssen die Verbraucher verstehen, dass ein volles Sortiment zum Ladenschluss zur Überproduktion führt", teilte Vizepräsident Heribert Kamm mit. Andererseits müssten Verkäufer das vermitteln und Alternativen anbieten, wie etwa telefonische Reservierungen auf Brote, die erst abends abgeholt werden.

Als weiteren Faktor nannte Kamm den Preisverfall von Backwaren: Wenn Brötchen etwa an der Tankstelle für wenige Cent zu haben seien, erschwere dies das Werben für die Wertschätzung von Backwaren und deren richtige Lagerung. In Deutschland gibt es mehr als 11 000 handwerkliche Bäckerei-Betriebe mit rund 35 000 Filialen - Konkurrenz kam in den vergangenen Jahren durch Supermärkte und Discount-Bäckereien auf, in denen vorgefertigte Ware vor Ort fertig gebacken wird.

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