Gesund oder Abzocke? : Detox-Trend: Was Entgiftungskuren wirklich bringen

Beim Thema Detox gehen die Meinungen teils weit auseinander.
Beim Thema Detox gehen die Meinungen teils weit auseinander.

Beim Thema Detox-Kuren gehen die Meinungen auseinander: Gibt es Entgiftungseffekte – oder ist es reine Geldmacherei?

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28. August 2019, 06:59 Uhr

München/Bonn | Detox-Kuren versprechen, den Körper zu reinigen und von Giften befreien. Solche Diäten liegen derzeit im Trend. Sie sollen den Organismus dabei unterstützen, all die Gifte und Chemikalien auszuscheiden, die er aufnimmt und alleine nicht bewältigt. Der Begriff Detox kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Entgiftung. (Weiterlesen: "Fasten-Boom" – Warum Verzicht immer beliebter wird)

Warum eine Detox-Kur nötig sein soll? Anhänger nennen als Grund eine ungesunde Ernährung. Aber auch Umweltgifte, Stress, Alkohol, Nikotin. Spezielle Produkte, die im Handel zu kaufen sind, sollen Verbrauchern dabei helfen, ihren Körper zu entschlacken und vor Übersäuerung zu schützen.

So funktioniert eine Fastenkur

Einer, der von Detox-Kuren viel hält, ist der Heilpraktiker René Gräber aus Preetz (Schleswig-Holstein). Er schwört darauf, ein- bis zweimal im Jahr eine Fastenkur zu machen - für ihn ist das "Detox pur".

"Zunächst gibt es drei sogenannte Entlastungstage", sagt Gräber. Dabei erfolgt mithilfe des Pulvers der Heilpflanze Plantago ovata (Flohsamen) eine Darmentleerung. Wer kein Flohsamen-Pulver einnehmen möchte, kann den Darm auch mithilfe von speziellen Kapseln entleeren. Nach den Entlastungstagen werden fünf Tage lang Wasser, Kräutertees sowie Gemüsesäfte getrunken. So sollen Darm und Stoffwechsel angeregt werden. Nach den Safttagen folgen drei Aufbautage.

Wasser, Kräutertees sowie Gemüsesäfte sind oft Teil einer Fastenkur. Foto: dpa/Robert Günther
dpa/Robert Günther
Wasser, Kräutertees sowie Gemüsesäfte sind oft Teil einer Fastenkur. Foto: dpa/Robert Günther


Auf dem Speiseplan stehen Obst und Gemüse oder Rohkostsäfte. Die Rückkehr zur normalen Kost erfolgt schrittweise. (Weiterlesen: Porridge bei Öko-Test – Der Verlierer kommt aus der "Höhle der Löwen")

"Eine solche Kur setzt positive Energie frei und führt auch zur Gewichtsabnahme", so Gräber. Ergänzt wird eine solche Diät häufig mit Massagen und Bädern. Auch Saunagänge und Spaziergänge an der frischen Luft sowie Yogaübungen sollen das Wohlbefinden stärken und dem Hüftgold zu Leibe rücken.

Was Experten zu Detox-Kuren sagen

Die angepriesenen Effekte klingen vielversprechend. Doch Ernährungsexperten mahnen zur Vorsicht. Was gegen Detox-Kuren spricht: Dass sie tatsächlich wirken, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Zudem besteht das Risiko eines Jojo-Effekts: Nach einer strikten Diät kann es sein, dass Betroffene einen Heißhunger auf die Nahrungsmittel entwickeln, denen sie sich verweigert haben. Dann kann die Waage wieder ganz schnell ein paar Kilos mehr als gewünscht anzeigen.

Während der Kur soll zudem auf übersäuernde Lebensmittel wie etwa Wurst und Fleisch verzichtet werden. "Allerdings kann der Körper nicht übersäuern", sagte Wechsler. (Weiterlesen: In diesen Lebensmitteln verstecken sich tierische Inhaltsstoffe)

Aber abgesehen davon: Ist es tatsächlich nötig, den Körper zu entgiften? Für Johannes Georg Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner, steht fest: Nein. "Der menschliche Organismus kümmert sich um seine Entgiftung selbst, er scheidet von alleine nicht verwertbare Produkte aus", sagte Wechsler. Er ist Facharzt für Innere Medizin in München. Haut, Lunge, Leber, Nieren und Darm entledigen sich von allem Unbrauchbaren.


Anders sieht es bei akuten Vergiftungen aus. Das kann etwa die versehentliche Einnahme von Medikamenten oder von Reinigungsmitteln sein. "Solche Fälle sind Notfälle, in denen ein Arzt zum Beispiel ein Gegengift verabreicht", so Wechsler. Ein gesunder menschlicher Körper müsse jedoch nicht entgiftet werden.

Detox-Produkte oft teuer und mit unklarem Nutzen

"Natürlich kann es nicht schaden, mal eine Zeit lang keinen Alkohol zu trinken oder nicht zu rauchen", stellt Wechsler klar. Keinesfalls benötige der Organismus zum Entgiften spezielle Detox-Produkte wie Tabletten, Nahrungsergänzungsmittel oder Fußpflaster. "Solche Erzeugnisse sind reine Geschäftemacherei, sie sind absolut unnötig", betont Wechsler.

Ähnlich sieht es Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Sogenannte Detox-Tees seien oft teuer - und das zu Unrecht. Denn in der Regel seien es übliche Kräutermischungen. Dass die Bestandteile darin Giftstoffe binden und ausschwemmen könnten, ist falsch. "Den entgiftenden Effekt gibt es nicht", so Gahl.

Wann Detox-Kuren gefährlich werden können

"Detox-Anhänger werben mit vielen falschen Aussagen", sagte Gahl. So gebe es etwa den Mythos Entschlacken. Allerdings: "Im Darm lagern keine 'Schlacken' ab", stellt Gahl klar. Alles, was in den Darm gelangt, scheidet der Körper aus. Entschlacken, etwa durch Einläufe mit Öl oder Darmspülungen, sei wenig wirksam und sogar gefährlich.

Eine dauerhafte Detox-Kur ist aus Sicht von Gahl nicht empfehlenswert. "Dies kann zu einem Nährstoffmangel etwa an Protein und Fett führen", sagt sie. Ebenfalls wichtig: Gemüse und Obst in Form von Saft oder Smoothies liefern zwar in flüssiger Form Energie. Allerdings sättigen sie kaum. Dem Körper werden nur wenige Ballaststoffe zugeführt.

Apropos Smoothies: Inzwischen gibt es sogar sogenannte Detox-Partys, auf denen solche Getränke angeboten werden – einschließlich Bewegungseinheiten in Form von Workouts. "Keine Frage, Detox ist zurzeit stark in Mode. Aber Verbraucher sollten kritisch sein und sich nicht verblenden lassen", sagte Wechsler. Aus seiner Sicht sind solche Partys "reine Geldzieherei".

Bewusste Ernährung als Alternative

Besser für den Darm sei es, sich ballaststoffreich zu ernähren, so Gahl. Dazu gehörten fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag sowie der Verzehr von Getreide- und Vollkornprodukten. DGE-Expertin Gahl schließt nicht aus, dass eine Detox-Kur ein Einstieg in eine Änderung des Essverhaltens sein kann – hin zu einer bewussteren und ausgewogeneren Kost. Sie sollte aber nicht ohne ärztliche Aufsicht erfolgen. Das gilt vor allem dann, wenn Interessenten Medikamente einnehmen.

Für den Darm ist es laut Experten besser, sich ballaststoffreich zu ernähren. Foto: dpa/Robert Günther
dpa/Robert Günther
Für den Darm ist es laut Experten besser, sich ballaststoffreich zu ernähren. Foto: dpa/Robert Günther


Es gibt übrigens ein Mittel, das ganz natürlich wirkt und obendrein auch noch vergleichsweise kostengünstig ist. "Wasser trinken", sagt Heilpraktiker Gräber. Anderthalb bis drei Liter pro Tag sollten es je nach Größe und Körpergewicht des Trinkenden sein.

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