Positive Gefühle : Endlich wieder Montag!

Viel Stress, wenig Lob auf  Arbeit? Das muss nicht sein.
Viel Stress, wenig Lob auf Arbeit? Das muss nicht sein.

Positive Gefühle sind nicht nur eine Folge guter Arbeit, sondern auch eine ihrer Voraussetzungen: Und hängen oft vom Chef ab

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21. März 2016, 12:00 Uhr

Arbeitsbeginn ist morgens um acht, bis zum Feierabend am späten Nachmittag wird routiniert gearbeitet, konform und in fest geregelten Abläufen. Sinnvoll ist nur, was zuvor als sinnvoll definiert wurde – im Zweifel vom Vorgesetzten. Der sieht seine Aufgabe als Führungskraft vor allem darin, die Schwächen und Verfehlungen seiner Mitarbeiter zu benennen und Besserung einzufordern. Anerkennung, Lob und Vertrauen? Selten. Einer neuen Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup zufolge ist dieses traurige Arbeitsumfeld für die meisten Beschäftigten Alltag – zum Nachteil der Unternehmen.

Zwar ist die Zahl derer, die den Montag als unumgängliches Übel betrachten und schon am Morgen nichts mehr als den Feierabend herbeisehnen, wieder gesunken: 16 Prozent und damit gut jeder sechste Befragte gibt an, innerlich gekündigt zu haben. Gerade mal ebenso viele sind Feuer und Flamme für ihren Job. 2012 hatte noch jeder vierte Beschäftigte (24 Prozent) erklärt, keinerlei emotionale Bindung an seinen Arbeitgeber zu haben. 68 Prozent allerdings machen nach eigener Einschätzung Dienst nach Vorschrift.

Für Studienautor Marco Nink steht und fällt die Begeisterung der Mitarbeiter mit dem Chef. „Je mehr eine Führungskraft auf die Stärken, Erfolge und Ideen ihrer Kollegen eingeht, desto positiver sind deren Gefühle für ihren Arbeitsplatz“, sagt Nink. Positive Emotionen wiederum seien eine Voraussetzung dafür, dass Beschäftigte kreativ und innovativ arbeiteten und schließlich bessere Ergebnisse lieferten.

Mitarbeitergespräche verfehlen Ninks Umfrage zufolge jedoch häufig ihr Ziel. Nur etwa jeder fünfte Beschäftigte (22 Prozent) sagte, dass sich seine Leistung nach dem Dialog mit seinem Vorgesetzten nachhaltig verbessert habe. Lediglich rund jeder dritte Befragte (31 Prozent) konnte aus dem Gespräch etwas mitnehmen, das für seine Entwicklung hilfreich war.

Die Gespräche mit dem Vorgesetzten sollten keinen zwanghaften Charakter haben, sagt Karl Brenke. Für den Arbeitsmarktexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sollten Vorgesetzte ihren Mitarbeitern häufig vermitteln, dass sie gebraucht werden und das Unternehmen auf ihr Können setze. „Häufig werden gerade ältere Kollegen aus Prozessen herausgenommen, sie bekommen keine wichtigen Aufgaben mehr und keine Weiterbildungsangebote“, sagt Brenke. Diese Mitarbeiter verzweifelten: „Sie ziehen sich aus allem zurück.“ Die Deutsche Bahn etwa setzt beim Thema Arbeitszufriedenheit auf die aktive Einbindung der Beschäftigten. Seit 2012 misst der Konzern die Stimmung der Mitarbeiter alle zwei Jahre in einer weltweiten Umfrage.

Die Antworten wurden zuletzt von 180 000 Mitarbeitern in 13 000 Workshops ausgewertet und in konkrete Maßnahmen umgewandelt. „Eine gute Führungskultur bedeutet auch, Mitarbeiter einzubinden und ihre Ideen und Anregungen zu berücksichtigen“, sagt Sigrid Heudorf, die für die Beschäftigungsbedingungen im Konzern verantwortlich ist.

Mit dem traditionellen, hierarchisch organisierten Arbeitssystem gebrochen hat das Berliner Unternehmen Dark Horse. 30 Gründer Mitte 30 entwickeln für Kunden wie die Lufthansa oder SAP neue Produkte und helfen Auftraggebern, Konzepte für neue Arbeit zu entwerfen. Diese testen sie an sich selbst. Einen Chef gibt es nicht, dafür kooperative Zusammenarbeit und radikale Selbstentfaltung: „Jeder kann persönlich entscheiden, wie er sich einbringen möchte“, sagt Mitgründer Christian Beinke.

Für das gute Gefühl und den Spaß an der Arbeit sind alle verantwortlich. „Wir möchten am Anfang der Woche sagen können: ,Thank God it's Monday’“, so Beinke. Wichtig ist daher, die Bedürfnisse eines jeden zu achten und darauf zu vertrauen, dass jeder seine Stärken da einbringt, wo sie gebraucht werden.

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