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Eltern und Kind

25. September 2017 | 13:46 Uhr

Digitale Bildung : Wischen, tippen, lernen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tablets sind mittlerweile in den Schulalltag eingezogen. Vokabeln und Rechenformeln gibt es nun als Apps, recherchiert wird am Touchscreen.

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 10:00 Uhr

Ein lauter Gong kündigt die zweite Stunde an – das Fach WiPo steht auf dem Plan. Statt Hefte und Schulbuch packen die Schülerinnen und Schüler ihr iPad auf den Tisch. Vielleicht liegt da noch ein Federmäppchen. Das war es. Mehr Unterrichtsmaterial wird in den nächsten 45 Minuten nicht benötigt.

Für die Zehntklässler gehört das iPad mittlerweile zur Grundausstattung. Bücher, Notizblöcke oder Aufgabenblätter gibt es für sie nun als Apps. Abgelegt wird alles in der Schul-Cloud und kann dort jederzeit wieder abgerufen werden. Statt einer Tafel hat die Klasse ein sogenanntes Activeboard an der Wand hängen. Über Apple-TV werden Arbeiten auf den großen Schirm geschickt und besprochen. Selbst Hausaufgaben korrigiert der Lehrer nicht mit dem Rotstift, sondern nutzt die Kommentar-Funktion seines iPads.

Wischen statt blättern. Touchscreen statt Papier. Die Schüler finden es gut. „Meine Schultasche ist seitdem viel leichter geworden“, freut sich Rune Görtzen (16). „Ich nutze mein iPad vor allem für Bio, Mathe und Chemie. Nur Formeln schreibe ich noch von Hand auf, weil das schneller geht“, sagt Mitschüler Tjark Schella.

Immer mehr Schulen in Deutschland statten ihre Schüler mit Tablets aus und liegen damit bundesweit voll im Trend. Der Klassenlehrer Jens Schröder ist Verfechter der digitalen Bildung. „Es gibt einfach mehr Wissenskanäle. Sowohl die Arbeit der Schüler wie auch der Lehrer wird einfacher, schneller und effizienter.“ Er spricht sich deutlich für einen „Mehrwert fürs Lernen und Lehren“ aus.

„Schule kommt einfach nicht an den digitalen Medien vorbei“, bricht auch Medienpädagoge Henning Fietze eine Lanze für den Tablet-Einsatz. Er hat sich eingehend mit dem Thema befasst. „Tablets und PCs sind mittlerweile ein notwendiges Hilfsmittel und es ist wichtig, dass wir unsere Kinder auf die digitale Zukunft vorbereiten und sie vor allem richtig anleiten.“

Doch da sieht er noch ein Manko. „Was wir jetzt brauchen, sind gute Konzepte, doch die sind nicht ausgereift genug. Der kreative Einsatz digitaler Medien ist nicht in der Lehrerausbildung verankert und es fehlt die Zeit, das angeeignete Wissen zu multiplizieren.“ An dieser Schraube soll in Zukunft unbedingt gedreht werden. „Schließlich haben Lehrer eine Vorbildfunktion und müssen wissen, was sie tun.“

Bedenken, dass Tablets das gedruckte Schulbuch irgendwann komplett ablösen werden, hat er keine. „Sie werden eine Ergänzung bleiben. Atlanten und Mathematik-Bücher werden sicher nicht überflüssig.“ Der Medienpädagoge spricht sich für Tablets im Unterricht spätestens ab der fünften Klasse aus. Selbst schon in Kindergärten kann es sinnvoll eingesetzt hilfreich sein.

Die Frage, ob die digitale Schule die jungen Menschen überfordern könnte, beantworten Fietze und Schröder mit einem „Nein“. „Wir können uns der Technik nicht entziehen, doch wir können zeigen, wie man mit ihr gut umgeht. Es bringt viel mehr Gefahren mit sich, wenn Kinder und Jugendliche damit alleingelassen werden. In den Schule lernen sie den produktiven und sinnvollen Umgang.“

Digitaler Tiefflieger

Was das Thema Medien angeht, sollten wir Eltern hochsensibel sein, unseren Ablegern immer auf die Finger sehen und die Stoppuhr mitlaufen lassen. Schließlich ist nicht alles astrein, was da so im Netz schwimmt und von dummen Ballerspielen mal ganz zu schweigen. Klar vorgegebene Nutzungsdauer, danach ist Ebbe. Keine Diskussion.  

So weit die Theorie, die Praxis sieht – zumindest in unserem Haushalt – anders aus.  Mein zehnjähriger Sohn will  nicht. Kein Bitteln und Betteln von ruhebedürftiger Mutter hilft.  Das war schon bei der Gewöhnung an den  hoffnungsvoll-beruhigenden Schnuller so. Ausgespuckt, weg damit. Er will einfach nicht.

Vor Jahren schon haben wir unser Fernsehgerät in den Keller geschafft. Eine Präventiv-Maßnahme, die vor eventuellem TV-Überkonsum schützen  sollte. Honoriert wurde dieser tiefe Einschnitt in MEIN Leben mit gelangweiltem Achselzucken.  Nicht ein einziges Mal mehr wurde danach gefahndet.  Ähnlich verhält es sich mit seinem Nintendo, der nach kürzester Zeit zerlegt in den Tiefen einer Spielzeug-Kiste  verschwand. Er will einfach nicht. Jetzt hat er seinen eigenen  Laptop bekommen, da  mittlerweile EDV auf dem Stundenplan steht und man  das Kind nicht als digitalen Tiefflieger in die Schule schicken will.  Was macht er damit? Nicht etwa heimlich bei You Tube  gucken und verbotenerweise im Internet surfen –  er malt auf Word-Dokumente mit der PC-Maus  schwarze Striche und hört nebenbei Hui-Buh auf CD.  Nicht weil er nicht weiß wie es geht, ganz im Gegenteil – er will einfach nicht.

 

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