Teletubbies : „Winke-winke“ ist zurück: Verblöden Teletubbies unsere Kinder?

Unter den Kostümenvon Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po (von links) verstecken sich Schauspieler, doch anders als früher wird die BBC-Serie nicht mehr in einem echten Teletubby-Land, sondern im Studio produziert.
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Unter den Kostümenvon Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po (von links) verstecken sich Schauspieler, doch anders als früher wird die BBC-Serie nicht mehr in einem echten Teletubby-Land, sondern im Studio produziert.

Die Teletubbies laufen wieder im Fernsehen. Nicht alle Eltern freuen sich darüber.

svz.de von
22. April 2017, 16:00 Uhr

Sie sind wieder da: Die Teletubbies, die wahrscheinlich meist gehassten Figuren des Kinderfernsehens der letzten 20 Jahre. Mit Babysprache und Antennen auf dem Kopf tapsten die vier bunten Gestalten im deutschen Fernsehen erstmals 1999 durch blumige Landschaften. Seit Kurzem sind sie nun in sage und schreibe 60 neuen Folgen auf Kika zu sehen.

Das wird nicht allen gefallen: Bei vielen Eltern und Pädagogen galt die Sendung bei der ersten Ausstrahlung als Inbegriff der Verdummung. Ein Vorwurf, der beim Anschauen nicht abwegig erscheint: Die ziemlich einfältig aussehenden dicklichen Fellgestalten Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po zuckeln mit ihren riesigen Klimperaugen durch das Teletubby-Land und sagen in Babystimmchen Dinge wie „Wo issi Balli?“, „nomal, nomal!“ oder „Winke-winke!“.

„Die Teletubbies sind für Erwachsene schwer zu ertragen“, räumt Maya Götz ein, die das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) leitet.

Allerdings „gehen sie sehr konsequent auf die Wahrnehmungsmuster von Kleinkindern ein.“ Figuren und Farben sind klar und die Geschichten so einfach und langsam erzählt, dass Kinder ihnen nicht nur problemlos folgen können, sondern manchmal sogar schon wissen, was als nächstes passieren wird – und sich dann diebisch freuen. „Die Teletubbies machen Kinder zu Experten“, erklärt Maya Götz.

Auch der Aufbau kommt den Kleinen entgegen: Es gibt Ratespiele, Lieder, Tänze, kurze Geschichten und Dokumentationen – „es ist die Art, wie gute Bildungseinheiten im Kindergarten stattfinden.“ Durch die unterschiedlichen Elemente sei die Sendung im Gegensatz zu einer längeren fiktionalen Geschichte weniger emotional aufgeladen und daher auch nicht so anstrengend. „Es ist beeindruckend, dass kleine Kinder so lange fasziniert davon sind“, so die Medienpädagogin.

Und was ist mit einer Verdummung durch die übrigens von Logopäden mitentwickelte Teletubbie-Sprache? „Die Sendung ist ja nur ein Impuls im Alltag. Sie bringt Kinder in ihrem Wortschatz nicht weiter, sondern holt sie da ab, wo sie stehen“, erklärt Götz.

Oder noch nicht einmal da: Gerade für Kinder, die sich mit Sprache schwer tun, sei es ein Erfolgserlebnis, wenn sie plötzlich triumphierend rufen können: „Das heißt aber Roller und nicht Loller!“

„Es ist keine Sendung, die besonders förderlich ist, oder aus der Kinder viel mitnehmen. Aber es ist nette Unterhaltung, die den Kleinen ein gutes Gefühl gibt“, sagt Maya Götz.

Aber ist das nicht viel zu früh? Schließlich soll die Serie schon Einjährige vor die Bildschirme ziehen. „Die Kinder wachsen in eine Welt hinein, die durchdrungen ist von Medien. Es geht darum, ihnen von Anfang an den kompetenten Umgang damit beizubringen“, kontert Götz.

Dennoch sollten sich Eltern klarmachen, dass sie die Geister, sie sie rufen, wohl alsbald nicht mehr loswerden. „Wenn ein Medium erstmal eingeführt ist, fordern Kinder es.“ Deshalb lautet am Ende die Frage, vor die die Teletubbies Mama und Papa stellen: Will ich das?

Die „Teletubbies“ laufen täglich von 18.40 bis 18.50 Uhr auf Kika.

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