Recht : Wer zahlt, wenn Eltern ihr Kind pflegen?

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20. September 2012, 08:18 Uhr

Müssen Eltern zu Hause bleiben, weil ihr Kind krank ist, sind nach Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches zunächst die Arbeitgeber verpflichtet, Eltern für eine begrenzte Anzahl von Tagen mit Lohnfortzahlung freizugeben. Häufig schließen spezielle Regelungen im Tarif- oder Arbeitsvertrag das jedoch aus.

Bei gesetzlich Versicherten springt dann gegebenenfalls die Krankenkasse ein und ersetzt den ausgefallenen Lohn teilweise durch das sogenannte Kinderkrankengeld.

Die Voraussetzungen

Sowohl das Kind als auch das betreffende Elternteil sind gesetzlich versichert. Der Vater oder die Mutter haben außerdem Anspruch auf Krankengeld.

Das kranke Kind ist jünger als zwölf Jahre und der Kinderarzt hat eine Krankschreibung ausgestellt. Bei behinderten Kindern gibt es keine Altersgrenze.

Die Dauer

Für jedes Kind erhalten beide Elternteile jeweils zehn Arbeitstage pro Kalenderjahr. Bei mehr als zwei Kindern liegt die Obergrenze für jedes Elternteil bei jeweils 25 Tagen. Alleinerziehende haben Anspruch auf 20 respektive 50 Arbeitstage. Unverheiratete Eltern in nichtehelicher Lebensgemeinschaft werden so behandelt, als hätten sie das gemeinsame Sorgerecht, sagt Heike Schmedemann von der Techniker Krankenkasse. "Somit erhält dann jedes Elternteil zehn Tage Kinderkrankengeld." Ausnahmen von der zeitlichen Begrenzung gelten bei schweren, unheilbaren Erkrankungen.

Sind beide Elternteile gesetzlich versichert, können sie die Tage unter bestimmten Umständen auch aufeinander übertragen. Der Arbeitgeber müsse aber damit einverstanden sein, dass dann ein Elternteil über "seine" zehn Tage hinaus freigestellt wird. Man sollte mit ihm sprechen, bevor die Übertragung bei der Krankenkasse beantragt wird.

Die Höhe

Das Kinderkrankengeld beträgt 70 Prozent des beitragspflichtigen Arbeitsentgeltes, aber maximal 90 Prozent des Nettogehalts. Zusätzlich gilt noch ein Höchstbetrag. Dieser liegt derzeit bei 89,25 Euro brutto am Tag. Einmalige Zahlungen aus den vergangenen zwölf Monaten werden anteilig berücksichtigt. Bei einer Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht gilt diese auch beim Kinderkrankengeld. Die Beiträge werden in der Regel automatisch davon abgezogen.

Privatversicherte

Ist das Kind privat versichert, erhalten Eltern, sofern nichts anderes im Versicherungsvertrag vereinbart ist, kein Kinderkrankengeld. Auch Elternteile, die gesetzlich versichert sind, haben dann keinen Anspruch darauf.

Ist ein Elternteil privat versichert, das Kind aber nicht, gibt es in der Regel ebenfalls kein Kinderkrankengeld. Diesen Familien stehen unterm Strich nur die zehn bezahlten Tage des gesetzlich versicherten Elternteils zu.

Auszubildende

Auszubildende erhalten kein Kinderkrankengeld, denn sie unterliegen dem Berufsbildungsgesetz. "Deshalb ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Ausbildungsvergütung ungekürzt weiterzuzahlen", sagt Heike Schmedemann. Wenn Azubis nicht arbeiten können, weil ihr kleines Kind krank ist, "haben sie bis zu sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung". Dieser Anspruch gelte auch für Umschüler und Teilnehmer des zweiten Bildungsweges. Vielen Arbeitgebern sei das aber gar nicht klar.

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