Tollkirsche, Vogelbeere oder Fingerhut : Weniger giftig als ihr Ruf

Eibe  Giftig: Nadeln, zerbissene Samen
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Eibe. Giftig: Nadeln, zerbissene Samen

Auf Pflanzen mit toxischer Wirkung stoßen Kinder überall. Doch selbst wenn sie die in den Mund nehmen – schwere Vergiftungen sind selten.

svz.de von
03. Juni 2016, 21:00 Uhr

Mama kriecht auf Knien im Beet herum, soll sie doch. Mal sehen, was es hier so gibt. Oh, was ist das? Diese kleinen runden Dinger, die schmecken lecker, glaub’ ich. Zack, in den Mund damit und ordentlich darauf herumgekaut. „Was hast du da im Mund?!“, ruft Mama erschrocken. Finger rein, raus damit, „Wie viele hast du davon schon gegessen?!“

Die bunte Blume, die roten Beeren, die hübschen Samen  ... Gerade im Frühjahr und Sommer entdecken Kinder die Natur. Und vor allem bis zum Alter von dreieinhalb Jahren nehmen sie dabei, was sie finden, gern in den Mund. Ab und zu aber ist das nicht nur wenig lecker, sondern sogar giftig. „Zu bestimmten Jahreszeiten haben wir 20 Anrufe am Tag zu solchen Fällen“, sagt Dr. Martin Ebbecke, Leiter des Giftinformationszentrums (GIZ) Nord in Göttingen. Meistens ist die Sorge aber unbegründet: „Wenn Kinder versehentlich mal Teile dieser Pflanzen aufnehmen, sind schwere Vergiftungsfälle extrem selten“, sagt Ebbecke. „Meistens kann man den Eltern sagen, dass sie ihren Kindern etwas zu trinken geben und dann beruhigt abwarten können.“ Auch die Sorgen, dass allein die Berührung etwa eines Fingerhuts gefährlich sei, ist unbegründet: „Es gibt keine Pflanze, die so giftig ist, dass allein durch eine Berührung eine Vergiftung entsteht.“

Gestorben ist seit Beginn der Erfassung 1998 laut Statistischem Bundesamt in Deutschland kein Kind bis fünf Jahren an einer Vergiftung durch Pflanzen. Im schlimmsten Fall gibt es bösen Brechdurchfall, und das Kind muss im Krankenhaus überwacht werden. Trotzdem sollten Eltern natürlich aufpassen (siehe Beispielfotos auf dieser Seite). Dabei ist nicht pauschal zu beurteilen, wie viel einer Pflanze schadet: Isst ein Kind von den schwarzen Beeren der beliebten Ligusterhecken, „passiert unter fünf Beeren gar nichts“, sagt Ebbecke. Bei der Tollkirsche dagegen können schon ein bis zwei Beeren schwere Vergiftungen auslösen. Im Zweifelsfall den Giftnotruf wählen: 0551/19240.

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