Kinderbetreuung : Welche Kitagruppe ist die beste?

<p>Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa</p>
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Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Erst Krippe oder gleich Kindergarten? Bei der Altersmischung der Gruppen gibt es unterschiedliche Konzepte. Experten sagen: Mit größerer Altersspanne steigen die Herausforderungen.

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11. März 2018, 05:00 Uhr

Bei der Auswahl des passenden Kindergartens für ihre Kleinen grübeln Eltern über viele Fragen: Passt das pädagogische Konzept? Ist das Personal nett, und wirkt es kompetent?

Das sind wichtige, zentrale Kriterien – etwas seltener fragen sie sich: Wie sollte die Altersmischung in der Gruppe sein? Dabei ist ihre Bedeutung nicht zu unterschätzen.

Es gibt zwei Pole und einige Abstufungen dazwischen. Der eine Pol ist die klassische Trennung zwischen Kinderkrippe und Kindergarten: Bis drei Jahre Krippe, ab drei Jahren dann zu den Größeren.

Gerade in Ostdeutschland ist das verbreitet. Mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) der unter Dreijährigen waren im Frühjahr 2016 im Osten in Krippen.

Im Westen betrug deren Anteil rund 38 Prozent. Dort sind andere Gruppentypen verbreiteter – etwa solche, die Kinder unter vier Jahren zusammenfassen. Der andere Pol ist die altersübergreifende Gruppe. Sie versammelt Kinder von ganz klein bis zum Schuleintritt. Gut jedes zehnte Kind unter drei Jahren (11,1 Prozent) ist der Statistik zufolge in einer solchen Gruppe.

Psychologin Monika Wertfein sieht viele Vorteile bei altershomogenen Gruppen – speziell für jüngere Kinder. Es sei in so einer Zusammensetzung einfacher, dem einzelnen Kind pädagogisch und fürsorglich gerecht zu werden.

„Kleinere Kinder brauchen oft rascher Hilfe, und sie benötigen mehr Zuwendung“, erklärt die Expertin vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.

Die Bildungsangebote in altershomogenen Gruppen seien präziser auf die Bedürfnisse der Kinder abzustimmen, sagt Martin Textor, Pädagoge aus Würzburg. Denn sind die Kinder in einem ähnlichen Alter, liegen ihre Interessen und Fähigkeiten nicht so weit auseinander.

Was spricht für eine Altersmischung? Es gibt keinen Wechsel in der Kita-Zeit. Geschwister können in derselben Gruppe sein, bis eines in die Schule kommt. Ältere Kinder können Vorbilder für Jüngere sein. Viele dieser Argumente lassen sich jedoch auch umgekehrt auslegen – zum Beispiel der Vorteil, dass die Jüngeren von den Älteren lernen. Denn andererseits gibt es eher Streit, weil sich die Älteren oft von den Jüngeren gestört fühlen. So zerstören die Kleinen Bauwerke und Bastelarbeiten der Großen, ohne böse Absicht, wie Martin Textor erklärt. Für die Großen ist das trotzdem schwer zu ertragen.

Dennoch: Altersheterogene Gruppen können funktionieren. Von den pädagogischen Fachkräften erfordert das viel Reflexion und Planung, erklärt Wertfein. „Es ist die schwierigste Variante.“

Worauf Eltern achten können, wenn sie sich dafür interessieren: Wird da gewickelt, und gibt es Ruhebereiche? Gerade kleinere Kinder sind Wertfein zufolge häufig noch nicht trocken und schneller müde als größere. Wenn sie erschöpft sind, sollten sie auch schlafen können – und auf keinen Fall wachgehalten werden, bis für alle Mittagsschlafzeit ist.

Je jünger Kinder sind, desto eher brauchen sie laut Wertfein vorhersehbare Abläufe und Räumlichkeiten. Sind idealerweise jeden Morgen die gleichen Erzieher da? Begrüßt man sich immer im gleichen Raum? Trifft man dieselben Kinder? Hier haben kleine, altershomogene Gruppen natürlich ihre Vorteile, weil Kontinuität dort leichter umzusetzen ist. Doch auch in altersübergreifenden Gruppen kann das klappen, erfordert jedoch mehr Aufmerksamkeit von den Fachkräften und den Eltern.

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