zur Navigation springen
Eltern und Kind

21. November 2017 | 11:31 Uhr

Erziehung : Was ist richtig für mein Kind?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eltern wollen nicht nur das Beste für ihren Nachwuchs, sie haben auch immense Ansprüche an sich selbst – das erzeugt Stress

Sind Eltern von heute immer mehr unter Druck? Eine gestresste Generation, erschöpft von der Doppelbelastung durch Kinder und Beruf? Ja, aber nicht nur, wie eine gestern in Berlin vorgestellte Umfrage des Forsa-Instituts ergab. Eltern setzen sich vor allem selbst unter Zugzwang. Der perfekte Kinderwagen, die optimale Schule, die Topleistung im Job und auch noch hohe Ansprüche in der Liebe – Elternsein ist so anstrengend wie selten zuvor. „Es täte gerade uns deutschen Eltern gut, wenn wir mit ,gut genug‘ zufrieden sein würden, statt alles perfekt machen zu wollen“, sagte Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin der Zeitschrift „Eltern“, die die Studie in Auftrag gegeben hat. Dabei wurden rund 1000 Eltern befragt. Ergänzend nahm das auf Kinder spezialisierte Marktforschungsinstitut iconkids & youth die Meinung von 700 Kindern zu Protokoll.

59 Prozent der Mütter und Väter sind der Meinung, dass die Anforderungen heute höher sind als noch vor 30 Jahren. Zerrissenheit zwischen Familie und Beruf galten bisher als Stressfaktor Nummer eins. Die Studie ergab aber, dass sich die Eltern den meisten Stress selbst machen. Sie fühlen sich einem ganzen Bündel von Aufgaben verpflichtet: 54 Prozent der Eltern sehen es als notwendig an, dass Eltern immer hinter ihrem Kind stehen. 47 Prozent wollen dem Sohn oder der Tochter das Gefühl geben, das Wichtigste auf der Welt zu sein und ebenfalls 47 Prozent dafür sorgen, dass das Kind ausreichend Kontakte mit Gleichaltrigen hat. Dementsprechend ist in modernen Familien vor allem Zeit Mangelware: 62 Prozent der Eltern fühlen sich im Alltag ständig gehetzt.

Tröstlich für die Eltern: Bei allem Stress sagen 92 Prozent der Kinder, ihre Eltern seien „die besten Eltern, die ich mir vorstellen kann“. Die Prioritäten der Kinderwünsche an ihre Erziehung sieht dabei etwas anders aus als bei den
Eltern: Kinder finden es in ihrer überwiegenden Mehrheit wichtig, dass Eltern Rat wissen, geduldig sind und nach einem Streit nicht oft böse sind. Wichtig ist den Kindern auch, dass die Eltern oft lustig sind und Quatsch machen, beim Lernen helfen, mit den Kindern rausgehen oder kuscheln. Allerdings geben auch 35 Prozent der Kinder an, oft allein zu sein, weil ihre Eltern viel arbeiten.

Der Vorsitzende des Familienausschusses im Bundestag, Paul Lehrieder, mahnt Eltern zu Gelassenheit. „Es ist nicht notwendig, dass die Kinder schon in den ersten fünf Lebensjahren Chinesisch oder Russisch lernen“, sagte der CSU-Politiker gegenüber unserem Berliner Büro. Am besten würden die Eltern die Kinder erziehen, wenn sie ihnen Werte vorleben würden und dadurch Vorbild seien.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen