Gefahren für Babys : Vorsicht, Wasser!

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Sommerzeit ist Badezeit. Doch Eltern sollten aufpassen: Die Gefahren beim Planschen werden oft unterschätzt.

svz.de von
04. Juli 2015, 16:00 Uhr

Der Vater hatte nur einen kurzen Moment nicht aufgepasst. Für drei Minuten war er ins Haus gegangen, weil das Telefon klingelte. Als er wieder herauskam, war sein zweijähriger Sohn nicht zu sehen: Er lag kopfüber im Gartenteich. „Mit Ertrinkungsunfällen haben wir leider immer wieder zu tun“, sagt der Kinderarzt Dr. Tobias Ankermann. „Sie gehören trotz der Möglichkeiten moderner Intensivmedizin zu den schlimmsten denkbaren Unfällen.“ Denn viele der verunglückten Kinder schaffen es nicht. Und selbst bei denen, die überleben, gibt es oft Langzeitschäden, wobei besonders häufig das Hirn betroffen ist.

Ertrinken ist, nach dem Ersticken, die zweithäufigste Todesursache bei Unfällen von Kindern. Zwischen 1998 und 2012 ertranken in Deutschland 946 Kinder; 2013 waren es 38. Dabei verunglücken Kinder unter einem Jahr besonders häufig in der Badewanne   (20 von 38 Todesfällen zwischen 1998 und 2012), während Ein- bis Vierjährige etwas häufiger (61 Prozent) und Fünf- bis 14-Jährige deutlich öfter (92 Prozent) in öffentlichen Schwimmbädern und Gewässern umkommen als zu Hause. Vergleicht man dagegen ausschließlich die Unfälle in Schwimmbädern, liegt die Zahl der Unglücke daheim um mehr als das Doppelte höher als in Sportstätten. Eine weitere vermeintlich harmlose Gefahrenquelle zu Hause: Planschbecken.

Denn während Binnenseen oder die offene See als Gefahrenquelle den meisten Eltern bewusst sind, werden Gartenteiche, Planschbecken oder die Badewanne oft unterschätzt. „Wenn ein Kind darin unbeobachtet ist, ist das Planschbecken ein hochgefährlicher Raum“, warnt Tobias Ankermann – trotz geringer Wassertiefe und fehlender Strömung. Denn ein Kind muss nicht vollständig untertauchen oder den Boden unter den Füßen verlieren, um zu ertrinken. Gerät es mit dem Gesicht ins Wasser, reichen wenige Zentimeter aus, damit es sich nicht mehr aus seiner Lage befreien kann – der bei sehr kleinen Kindern relativ schwere Kopf und die noch untrainierte Nackenmuskulatur leisten dem Vorschub.

Beim sogenannten trockenen Ertrinken schließt sich als eine Schockreaktion die Stimmritze reflexartig und verhindert die Atmung. Beim nassen Ertrinken dagegen dringt Wasser in die Lunge ein. In beiden Fällen führt das zu Sauerstoffmangel, zum Herzstillstand und zur Abnahme der Durchblutung: Alle Organe wie – besonders gefährlich – Herz und Hirn werden geschädigt. Was viele Eltern nicht wissen: Ertrinken geht oft leise vor sich. Kein Schreien, Winken, Spritzen. „Ertrinkungsunfälle schockieren uns besonders“, sagt Dr. Ankermann: Völlig gesunde Kinder werden wegen einer kurzen Unachtsamkeit für ihr Leben gezeichnet oder sterben. Der zweijährige Junge, der in den Gartenteich fiel, überlebte den Unfall gesund. Für seinen Vater und alle anderen Eltern gilt: Aufpassen!

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