Erziehung : Tod und Trauer gehören dazu

boris

Wenn das Haustier stirbt, verlieren viele Kinder einen engen Freund. Ein ehrlicher Umgang mit der Trauer hilft dabei, die erste Begegnung mit dem Tod zu verarbeiten.

svz.de von
11. Juli 2015, 16:00 Uhr

Wenn Laura von Boris redet, dann tut sie das langsam und überlegt.

Boris – das war der struppige, alte Kater bei ihr zuhause auf einem ehemaligen Bauernhof. Einst war er der Star seiner Katzenschaar, ein schicker Kerl, ein richtig stolzer Kater.

„Aber dann wurde er krank und sah gar nicht mehr schön aus. Ganz mager und traurig. Ich habe ihn trotzdem immer gestreichelt, das wollte er so gern.“

Auch die Zehnjährige guckt traurig, als sie jetzt an Boris zurückdenkt und an den Tag, als er dann tot war. „Vielleicht geht es ihm besser dort, wo er jetzt ist“, hofft sie. Immerhin: Das Tier ist nicht vergessen. Groß steht sein Name auf einem Holzschild am Rande des Hofes. „Ich finde es schön, dass wir an ihn denken.“

Für viele Kinder sind Tiere weit mehr als nur Hausgenossen. Sie können die ersten Ansprechpartner sein, denen sie ihre Erlebnisse aus Kindergarten oder Schule erzählen, mit denen sie kuscheln und bei denen sie in ein weiches Fell weinen dürfen. Mit tierischer Hilfe bewältigen Kinder ihren täglichen Stress. So kommt es, dass sie Tiere als Freunde erfahren, die ihnen durch den Alltag helfen. Verstärkt wird diese Nähe oft durch Geschichten und Märchen, in denen Tiere die zentralen Hauptfiguren – die Helden – sind.

Stirbt so ein Held und Freund, ist das eine einschneidende Erfahrung. „Ich weiß, dass das Leben irgendwann vorbei ist“, sagt Laura ziemlich unaufgeregt. „Als ich vier war, starb unser Nachbarshund. Aber mit dem hatte ich nicht so viel zu tun.“ Ob ihr der Tod denn gar keine Angst macht?“Das blonde Mädchen schaut einen Augenblick lang nachdenklich nach oben. „Nein“, sagt sie dann schlicht. „Das ist eben so. Aber es ist sehr traurig für die, die übrig bleiben.“ So wie für den Nachbarsjungen, dessen Katze eingeschläfert wurde, während er in der Schule war. „Da hat er sehr geweint.“ Auch sein noch junges, krankes Kätzchen hat einen Gedenkplatz bekommen.

Ein Platz, um zu trauern, ist wichtig. Gerade wenn Kinder ihre ersten Erfahrungen mit dem Tod machen. Dann ist es gut, wenn Eltern und Erwachsene ehrlich sind: Der Tod gehört genauso zum Leben, wie die Trauer um den Verstorbenen. Deshalb können auch die Großen ruhig zeigen, wie traurig sie sind. Auf diese Weise fühlen die Kinder sich nicht als Außenseiter und lernen, dass traurig zu sein ganz normal ist – und das gegenseitige Trösten auch.

So kann ein Beerdigungsritual allen helfen. Es erleichtert zu begreifen, dass die Lebensphase mit dem alten Freund nun vorbei ist und eine neue beginnt. Denn: Nach dem Abschiednehmen geht es ja weiter. Dann fängt etwas Neues an.

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