zur Navigation springen
Eltern und Kind

25. September 2017 | 22:42 Uhr

Erziehung : Teuflischer Trotz

vom
Aus der Onlineredaktion

Warum uns das Wunschkind in den Wahnsinn treibt.

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2017 | 09:00 Uhr

Mit etwa anderthalb bis zwei Jahren kommen Kinder in die Trotzphase – ein Begriff, der leider so negativ klingt“, sagt Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Das Trotzen sei eine wichtige Etappe in der kindlichen Entwicklung. „Ich vergleiche das gerne mit dem Laufenlernen“, sagt Mundt. Denn auch hier stürzt das Kind immer wieder, und die Eltern werden nicht müde, ihm bei seinen Bemühungen zuzusehen und es zu begleiten.

Bei der emotionalen Entwicklung sieht das anders aus. Denn sie ist anstrengender – und lauter. Zähne putzen, Schuhe anziehen, ins Bett gehen – Gründe für Frust und Wut gibt es viele. Manchmal reicht schon ein zerbröselter Keks, um ein Kind zusammenbrechen zu lassen.

Bestseller-Autorin Danielle Graf und Sozialpädagogin Dana Mundt geben in „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ Tipps, wie man diese unbeschadet überlebt. „Natürlich wissen wir, dass ein zerbrochener Keks genauso gut schmeckt wie ein ganzer. Dennoch würde ich an dieser Stelle keinen Grund sehen, unbedingt ‚nein‘ sagen zu müssen und einfach einen neuen Keks aus der Packung ziehen“, sagt Danielle Graf. Aber wieso wirft sich im Supermarkt nur das eigene Kind auf den Boden, während das andere brav im Buggy sitzt? „Das ist eine rein subjektive Wahrnehmung“, sagt Graf. „Alle Kinder machen diese Phase mehr oder weniger durch, sie können gar nicht anders.“

„Eltern sollten sich immer wieder sagen, dass das völlig normal ist. Kein Kind bekommt einen Wutanfall, um seine Eltern zu ärgern, das Kind wird einfach von seinen Gefühlen überschwappt“, sagt Dana Mundt.

Daher sollten Eltern diese Gefühlsausbrüche nie persönlich nehmen. Auffällig sei, dass gerade Kinder, die noch nicht so gut sprechen können, zu heftigen Trotzanfällen neigen. Daher sollten Eltern ihnen zur Seite stehen und den Dingen einen Namen geben: „Du bist gerade wütend, weil der Reißverschluss hakt.“ Damit zeigen die Eltern, dass sie Verständnis für ihr Kind haben. Wirklich ansprechbar ist ein wütendes Kind nicht. Dann lieber einmal den Sturm abwarten und dafür sorgen, dass das Kind sich in seinem Zorn nicht weh tut.

Eltern sollten zudem auf die Kooperationsbereitschaft ihrer Kinder setzen, rät Graf. „Je mehr wir unseren Kindern entgegenkommen, desto höher wird in der Regel ihre Bereitschaft zur Kooperation.“

Außerdem sollten sie sich fragen, wann Verbote wirklich sinnvoll sind – und wann sie nur aus Bequemlichkeit „nein“ sagen. Verbieten sie den Spielplatzbesuch im Regen, weil sie selbst nicht nass werden wollen? Oder das Planschen in der Wanne, weil sie keine Lust haben, hinterher aufzuwischen?

Der Ratgeber plädiert für einen Weg, der sich an den Bedürfnissen des Kindes orientiert. Hier setzt auch Kritik am Buch an: Sollen etwa Eltern ihre eigenen Bedürfnisse hinter die des Kindes stellen? „Nein, die Bedürfnisse müssen abgewogen werden“, sagt Graf. „Wenn ich dem Kind erkläre, dass es jetzt nicht so rumplanschen soll, weil ich nicht aufwischen will, dann habe ich eine umso größere Chance, dass es das akzeptiert, wenn ich es sonst öfter mal planschen lasse.“ Anders sieht es bei Situationen aus, in denen konkret die Gesundheit des Kindes gefährdet ist. Heiße Herdplatten, viel befahrene Straßen – da gibt es keine Diskussion, da muss man zur Not auch mal das Kind packen und zur Seite ziehen.

Insgesamt helfe es Eltern, diese Phase nicht als Kampf zu sehen, sondern als Entwicklung. „Kinder sind nicht böse, weil sie Wutanfälle haben“, sagt Graf. Tatsächlich sind ja weniger die tobenden Kinder als die eigenen Nerven und damit verbundenen Schuldgefühle das Problem. „Auch das ist menschlich“, sagt Mundt. „Vermutlich werden alle Eltern einmal laut.“ Wichtig sei es, seine Grenzen zu kennen und das Kind dann auch mal an den Partner oder einen Vertrauten abzugeben, um wieder zu Kräften zu kommen.

Und: Nie ein wütendes Kind ins Bett schicken. Lieber vorher noch einmal vertragen und über das Geschehene reden. Schließlich gibt es auch Licht am Horizont, verspricht die Pädagogin: „Mit drei bis vier Jahren ist auch diese Phase vorüber.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen