Reisen in Elternzeit : Sommer, Sonne, Windeln wechseln

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Einige Menschen kritisieren das Reisen in der Elternzeit. Unsere Autorin versteht nicht, was daran falsch sein soll.

svz.de von
21. Januar 2018, 05:00 Uhr

Reisen bildet, sagt man. Und ich sage: Nicht nur das. Es stärkt auch den Charakter, lässt einen die Welt mit anderen Augen sehen und setzt das eigene kleine Umfeld in eine ganz neue Relation.

Außerdem stellen Reisen aber auch das Miteinander der Gruppe auf die Probe. Das weiß jeder, der schon mal mit der besten Freundin, den Eltern oder gar der ganzen Familie zusammen unterwegs war. Da müssen Kompromisse gemacht und Absprachen eingehalten werden – und trotzdem ist irgendwann irgendjemand bockig. Und dennoch kommen – im besten Fall – nach einer Weile alle wieder gemeinsam zu Hause an und sind nicht nur um einige Erfahrungen, sondern auch ein gestärktes Wir-Gefühl reicher.

Das gleiche gilt für junge Familien, die einen Teil der Elternzeit nutzen, um gemeinsam unterwegs zu sein. Vor allem bei der derzeit klassischen Elternzeit-Aufteilung (Mama nimmt zwölf, Papa währenddessen zwei Monate) nutzen viele die gemeinsam freie Zeit für eine Reise. Vielleicht in ferne Länder, in die sich die lange Anreise für eine zweiwöchige Urlaubsreise nicht lohnen würde, vielleicht aber auch einfach irgendwo in die nähere Umgebung – Hauptsache mal raus aus dem Alltag und dem bekannten Umfeld.

„Urlaub auf Staatskosten“, werden sie dafür von den Einen kritisiert. „Statt sich ums Baby zu kümmern macht er Urlaub“, werfen die Anderen dem Vater vor. „Dafür ist diese Zeit nicht vorgesehen“, scheint der Tenor der Reise-Kritiker zu sein.Warum nicht? Das ist eigentlich das Einzige, was ich darauf erwidern kann. Keins der Argumente scheint mir schlüssig. Abgesehen davon, dass jede Familie selbst entscheiden sollte, wofür das Elterngeld ausgegeben wird, müssen laufende Kosten wie Miete und Strom aber vor allem auch neue Ausgaben für Windeln, Kleidung und Babykost auch während der Elternzeit regulär weitergezahlt werden. Und dass vom Rest allein eine mehrwöchige Fernreise bezahlt werden kann, bezweifle ich stark.

Und ebenso wie Fixkosten im Urlaub weiterlaufen, will auch ein Baby während einer Reise gefüttert, gewickelt und bespaßt werden, muss mal getröstet, durch den Raum getragen oder in den Schlaf geschuckelt werden – in Flensburg genau so wie auf Fehmarn oder den Fidschi Inseln. Ob und wie häufig dies auch der Vater übernimmt, vereinbart jedes Elternpaar, ganz unabhängig vom Ort, für sich selbst. Gleiches gilt für die Entscheidung, Elternzeit gemeinsam, nacheinander oder auch gar nicht zu nehmen.

Der Alltag mit einem Baby ist aufregend, anfangs neu und immer wieder auch mal anstrengend. Das wissen Mütter und mittlerweile hoffentlich auch alle Väter. Denn viele Männer sind eingespannt in die täglichen Routinen mit dem Nachwuchs – und zwar auch außerhalb der offiziellen Elternzeit. Darum sollte diese nicht als Lehrzeit für Väter angesehen werden, die genutzt werden muss um Männern zu „beweisen“, wie anstrengend so ein Tag mit Kind sein kann. Vielmehr sollte man die Möglichkeit nutzen, sich während der Elternzeit zu zweit gemeinsam um das Kind zu kümmern, um das Familienleben auch mal in vollen Zügen zu genießen und viele schöne Momente zu sammeln. Denn das kommt im Alltag ja doch meistens viel zu kurz.

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