Ratgeber : Schulanfang ohne Stress

Auf die Einschulung und den Alltag der Kinder in der Schule sollten sich Eltern gut vorbereiten.

Auf die Einschulung und den Alltag der Kinder in der Schule sollten sich Eltern gut vorbereiten.

Die Einschulung ist ein wichtiges Ereignis für Kinder, aber auch für Eltern. So können Sie sich darauf vorbereiten.

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24. August 2015, 06:00 Uhr

Die Augen leuchten, der Ranzen sitzt auf dem Rücken, die Schultüte steckt voller kleiner Überraschungen: Für Kinder ist die Einschulung ein großes Erlebnis, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ein bisschen Angst oder pure Freude? Experten erklären zum Auftakt unserer Schulstart-Serie, wie Eltern ihren Nachwuchs – und sich selbst – am besten darauf vorbereiten.

Entspannt bleiben

Kinder blicken zu ihren Eltern auf, nehmen sie als Vorbild wahr. Gerade sie sollten also entspannt auf das neue Kapitel Schule blicken, empfiehlt Waltraut Barnowski-Geiser. Sie ist Lehrerin, Musiktherapeutin und Autorin des Buches „Keine Angst vor der Schule – Was Eltern tun können“. Der Umgang der Eltern mit Stress, Leistung und der eigenen Schulvergangenheit habe großen Einfluss auf die Kinder. Sind Vater und Mutter unsicher angesichts des nahenden Schulbeginns, färbt das auf den Nachwuchs ab.

Pflichten auch daheim

Auf den Lehrer hören, Hausaufgaben machen, pünktlich aus der Pause zurück sein: Mit Schulbeginn warten Pflichten auf das Kind. Besser klappt das, wenn Kinder das von daheim gewohnt sind. „Sechsjährige sollten schon ein kleines Maß an Selbstorganisation mitbringen“, findet Maresi Lassek. Sie ist Direktorin einer Bremer Grundschule und Bundesvorsitzende des Grundschulverbands. Selbst das Zimmer aufräumen, morgens alleine anziehen und die Zähne putzen – kennt das Kind solche Routinen, fällt es ihm auch in der Grundschule leichter, Pflichten zu erfüllen.

Leistungsdruck abfedern

Mit Schulbeginn tritt das Kind offiziell in die Leistungsgesellschaft ein. Eltern macht das oft nervös: Ist mein Kind gut genug, kommt es mit dem Stoff mit? Auf keinen Fall sollten Eltern Sohn oder Tochter diese Sorgen vorher spüren lassen, rät die Autorin Waltraut Barnowski-Geiser. Besser seien Zuspruch und Vertrauen. „Es ist ganz normal, dass nicht alle Kinder mit Schulbeginn gleich reif sind“, sagt auch Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. „Manche können lange still sitzen, andere rechnen.“ Im Endeffekt sei die Grundschule dafür da, beides zu lernen. Ob Unterrichtsstoff, sich selbst organisieren oder mit den Mitschülern auskommen – das alles lernen Kinder dort, wie der Experte sagt. Zur Vorbereitung sei nur wichtig, dass die Kinder viel Kontakt mit anderen Kindern haben – und zwar ohne, dass die Eltern dabei sind.

Sehkraft testen

Bevor die Schule losgeht, sollten Eltern die Augen der angehenden Erstklässler überprüfen lassen. Bei Kurzsichtigkeit kann es Probleme beim Lesen der Tafel geben, Weitsichtigkeit kann Lese- und Schreibübungen am eigenen Tisch erschweren. Darauf weist der Zentralverband der Augenoptiker hin.  Einen ersten Test können Eltern schon zu Hause machen: dem Kind einen Gegenstand zeigen und ein Auge abdecken – wenn das Kind den Gegenstand nicht erkennt, sollten Eltern auf jeden Fall mit ihren Kindern zum Sehtest.

Nicht zwanghaft Rechnen und Lesen üben

Zählen und Lesen lernen Kinder in der Schule. Wenn sie es schon ein bisschen können, ist das toll. Eltern sollten das aber vorher nicht zwanghaft mit dem Nachwuchs üben, sagt Stefan Drewes, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). „Eltern fördern Kinder besser spielerisch bei Fertigkeiten, die sie schon beherrschen. Sei es beim Malen oder ersten Schreibversuchen.“ Auch Erziehungsexperte Ulric Ritzer-Sachs  empfiehlt eine spielerische Vorbereitung.  „Beim Treppensteigen die Stufen zählen, Farben kennenlernen oder kleine Mengen erkennen – wie die Zahl der Brötchen auf dem Tisch.“ Fragt ein Kind etwas zum Thema Lesen, sollten Eltern es erklären. Es sei aber keine gute Idee, gezielt für die Schule zu üben, so der Fachmann.

Feiern mit der Patchworkfamilie?

Wen lädt man eigentlich zur Einschulung ein? Mama, Papa, Geschwister, Großeltern, Paten. Aber in vielen Familien ist das längst nicht mehr so einfach. Wie funktioniert das in Patchwork-Familien, dürfen neue Partner der Eltern dabei sein?

Die Psychologin und Familientherapeutin Dörte Foertsch meint, aus der Sicht der Kinder sei das in den meisten Fällen ein Ereignis, zu dem nur die leiblichen Eltern gehören. Dem Kind sollte dabei nicht die erste Entscheidung überlassen werden. „In dem Alter können Kinder das noch nicht überblicken, sie wollen niemandem vor den Kopf stoßen oder in einen Konflikt geraten.“ Besser ist es, wenn die leiblichen Eltern die erste Entscheidung fällen: Nur wir sind dabei. Wünscht sich das Kind, dass auch einer der neuen Partner dabei ist – oder auch beide –, kann es immer noch Einspruch erheben.

Generell müssten die neuen Partner nicht in so einen wichtigen Tag für das Kind involviert sein, sagt Foertsch. Das hängt aber von der Art der Beziehung zwischen beiden ab. Erst mal rät die Expertin dazu, dass Kind und neuer Partner eine eigene Beziehung zueinander finden. Dabei sollte der oder die Neue nicht als Ersatz-Elternteil auftreten.

 
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