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Gleichgeschlechtliche Paare : Regenbogen? Normal!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie entwickeln sich Kinder, die bei zwei Müttern oder Vätern aufwachsen?

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Friederike hat zwei Mütter: „Mama“ und „Claudi“, die sie manchmal Mami nennt. Friederike und ihr Zwillingsbruder sind von „Mama“. Die 19-Jährige ist in einer Regenbogenfamilie aufgewachsen, also mit gleichgeschlechtlichen Eltern: Ihre Mütter zogen zusammen, als sie ein Jahr alt war, ihre Mutter hatte sich von Friederikes leiblichem Vater getrennt.

Friederike wurde schon oft nach ihrer Kindheit gefragt. „Die war völlig normal“, sagt sie. „Meine Eltern lieben sich und waren für uns da.“ Sie seien „ein stinknormales Paar, jede mit Stärken und Schwächen.“ Nur eben nicht Mann und Frau, sondern Frau und Frau. „Das macht doch für Kinder keinen Unterschied“, meint die Berliner Abiturientin.

Tatsächlich spielt es für die Entwicklungschancen von Kindern nach Angaben der Soziologin Andrea Buschner keine Rolle, ob ihre Eltern in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben oder nicht. „Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen, entwickeln sich genauso gut, denn es kommt auf die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung an und nicht auf die sexuelle Orientierung der Eltern“, sagt die Wissenschaftlerin. Buschner forscht beim Staatsinstitut für Familienforschung der Uni Bamberg zu Familienformen und hat an der deutschlandweit einzigen Studie zum Aufwachsen in Regenbogenfamilien mitgearbeitet.

Es mache aber einen Unterschied, ob die Kinder in die Beziehung hineingeboren werden oder vorher eine Trennung der leiblichen Eltern erlebt haben, sagt Buschner. Dann müssten sie mit dem neuen Partner und eventuell mit Streit zwischen den leiblichen Eltern zurechtkommen. „Das ist aber ein Risikofaktor in allen Patchworkfamilien.“ Dass ihre „zweiten“ Eltern schwul oder lesbisch sind, sei für die Trennungskinder unter Umständen irritierender als für Kinder, „die es von Anfang an nicht anders kennen“, erklärt die Soziologin. Kindern, die aus Spendersamen gezeugt oder adoptiert wurden, müssten sich hingegen mit ihrer biologischen Abstammung auseinandersetzen – „aber auch das kann ja Kinder von Heteropaaren betreffen“.

Regenbogenfamilien könnten „im Alltag die ein oder andere Diskriminierung“ erleben. Studien zeigten aber, dass Eltern dies durch eine gute Eltern-Kind-Beziehung auffangen können. Auch könne helfen, den Kontakt zu anderen Regenbogenfamilien herzustellen und „damit zu vermitteln, dass Familie verschieden sein kann und darf“. Insgesamt erlebten Kinder in Regenbogenfamilien weniger traditionelle Geschlechterrollen: „Eine Mutter, die Rasen mäht und ein Vater, der Windeln wechselt, sind für sie normal.“ Bei der eigenen sexuellen Orientierung spiele das Modell der Eltern jedoch „im Ergebnis keine Rolle, sie werden nicht häufiger schwul oder lesbisch als andere Kinder“. Weil sie unterschiedliche Paar-Modelle kennen, „sehen sie hinsichtlich der Geschlechterrollen und der sexuellen Orientierung für sich aber sicher auch mehr Optionen“, sagte die Soziologin.

Mit der „Ehe für alle“ kommt für gleichgeschlechtliche Paare jetzt das Recht, gemeinsam ein Kind zu adoptieren – einen Adoptionsboom erwartet Constanze Körner, Leiterin des Regenbogenfamilienzentrums in Berlin, aber nicht. „Die Ehe für alle ist ein Symbol der Gleichberechtigung, keine Revolution bei der Familiengründung.“ Auch Andrea Buschner erwartet keinen Adoptionsanstieg. „Vielleicht wird es noch mehr Bewerber geben“, sagt die Soziologin. Friederike hat seit drei Jahren einen Freund, will irgendwann heiraten und Kinder kriegen: „Eine normale Familie, wie ich sie als Kind auch hatte.“

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