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Eltern und Kind

18. November 2017 | 01:57 Uhr

Mütter als Frauenfeinde : Pink stinkt nicht

vom
Aus der Onlineredaktion

Rabiate Söhne werden vergöttert, laute Töchter sollen leise sein: Mütter sind manchmal die schlimmsten Frauenfeinde – und merken es noch nicht mal.

svz.de von
erstellt am 02.Jul.2017 | 08:45 Uhr

Schluss mit dem Sexismus im Spielzeugregal und in der Werbung! Schluss damit, Mädchen auf rosa Prinzessinnen zu reduzieren, die hübsch und lieb zu sein haben, während Jungs durch Monster-Trucks und Experimentierkästen suggeriert wird, alles tun und sein zu dürfen (außer Prinzessinnen natürlich)!

Das fordert zum Beispiel die Initiative mit dem unglücklichen Namen „Pinkstinks“ (Pink stinkt). Weil uns frauenfeindliche Rollenklischees, mit denen wir überall konfrontiert werden, automatisch beeinflussen.

Um solche Klischees in den Köpfen unserer Kinder zu verankern, sind wir allerdings nicht auf die Spielzeug- oder irgendeine andere Industrie angewiesen. Davon abgesehen, dass niemand gezwungen wird, pinkfarbene Glitzerkleider und Barbie-Beautysalons zu kaufen: Die Rosa-Phase geht sowieso vorbei. Und keine junge Frau studiert Ingenieurswissenschaften oder Informatik, weil sie in der Grundschule einen öden „genderneutralen“ Ranzen tragen musste. Pink stinkt nicht. Was stinkt, ist so was:

Die Tochter einer Verwandten hat „Germany’s Next Topmodel“-Verbot. Magerwahn und so. Gleichzeitig darf sie sich schon ewig die „Ich bin zu dick“-Klagen der Mutter anhören. Jetzt macht das Mädchen eine Diät. Mit zwölf.

Eine Bekannte ist Single. Und unglücklich. „Was ist an mir eigentlich so falsch, dass mich kein Mann haben will?“, fragt sie, während unsere Kinder daneben sitzen und große Ohren machen.

Eine andere Bekannte kauft ihrer Tochter keine rosa Legosteine. „Zu puppig.“ Sich selbst findet sie aber offenbar nicht zu puppig, wenn sie sich von ihrem Mann in Gesellschaft anderer Erwachsener und vor ihren Kindern ständig unterbrechen und als „nicht richtig informiert“ abkanzeln lässt.

Eine Nachbarin rät mir, mit meiner Tochter zum Ohrenarzt zu gehen. Weil sie „immer so schreit“. Dem Umstand, dass ihr Sohn ebenso markerschütternd durch den Garten krakeelt, misst sie dagegen nichts Krankhaftes bei. „Jungs sind halt Jungs.“

Ein Junge schubst ein Mädchen von der Wippe. Entschuldigen muss er sich nicht. Stattdessen sagt die Mutter zu der Vierjährigen: „Komm, lass ihn doch. Wenn er fertig ist, darfst du ja wieder wippen.“ Beispiele, die sich endlos fortsetzen lassen.

Klar, kann frau so machen. Verherrlichen wir ungezogene Jungs und rücksichtslose Alpha-Männchen, machen wir uns selbst, andere Frauen und unsere Töchter klein. Weil es bequemer ist, als auch mal gegenanzugehen und Respekt einzufordern. Weil wir dann nicht „anstrengend“ oder „zickig“ sind und die Jungs/Männer uns wohlgesonnen. Aber dann machen wir uns doch bitte auch keinen Kopf über die Schädlichkeit von Einhorn-Keksen, Glitzer-Lego oder der fiesen Heidi Klum.

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