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Gesunde Ernährung : „Milch kommt aus dem Supermarkt!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warum Kinder wissen sollten, woher unser Essen stammt

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Wenn der erste Strahl Milch auf die Handflächen der Kinder spritzt, schrecken sie fast immer zurück. „Das ist ja warm!“, rufen sie erstaunt. Dass Milch warm aus dem Euter kommt, und was es braucht, um einen Liter davon zu produzieren, wissen viele Kindern nicht. Der Bauernhof Schnepfennest ist ein Ort, an dem sie es erfahren.

„Wir wollen Kindern zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist, die Kühlschranktür zu öffnen und die kalte Milch rauszuholen“, berichtet Landwirtin Birgit Erichsen. Bei ihr sehen Kinder nicht nur, wo die Milch herkommt; sie beobachten Kühe, stellen Butter her oder ernten Kartoffeln.

Dass solche Erlebnisse nötig sind, wissen Mitarbeiter der Verbraucherzentralen aus ihrer Arbeit an Schulen und Kindergärten. „Es gibt immer wieder Kinder, die eine Kirsche nicht von einer Kiwi unterscheiden können“, berichtet Ökotrophologin Selvihan Koç. „Und wenn man fragt, wo Lebensmittel wie Milch herkommen, fällt nicht selten die Antwort ,aus dem Supermarkt’.“ Doch nicht alle Kinder haben keine Ahnung von dem, was sie essen. „Es gibt ganz große Unterschiede“, berichtet Ernährungsexpertin Gudrun Köster. „Einige Kinder sagen zu Tomaten Kirschen, andere erkennen schon im Kindergartenalter eine Ingwerknolle.“

Dass Kinder Nahrungsmittel kennen, ist schon lange nicht mehr selbstverständlich. Vieles wird fertig gekauft, Kinder helfen nicht mehr so oft in der Küche mit, die wenigsten Familien haben ihren eigenen Gemüsegarten, und ein Bauernhof liegt meist auch nicht mehr um die Ecke. Aber: „Es ist wichtig, dass Kinder wissen, woher unser Essen kommt. Das hat auch mit der Wertschätzung von Lebensmitteln zu tun“, sagt Gudrun Köster. „Dass sie wissen: Die Milch ist nicht gottgegeben und liegt einfach im Supermarkt. Sondern dass sie begreifen, welche Schritte dazwischenliegen. Das ist auch die Grundlage für spätere Kaufentscheidungen.“

Und für den Umgang mit Lebensmitteln: „Wir haben hier einen Eimer mit Essensresten für die Hühner. Da werfen die Kinder halbe Äpfel oder ein Mal angebissene Brote rein“, beobachtet Birgit Erichsen. Wenn sie aber sehen, wie Lebensmittel hergestellt werden, „wissen sie sie wertzuschätzen.“ Wichtig sei es, Erlebnisse zu schaffen. Wie man die Kartoffel-Mutterknolle in die Erde setzt, dass sie Tochterknollen bildet und dann zusammenschrumpft – all das zu wissen „nützt gar nichts, wenn die Kinder es nicht selbst sehen“, weiß Birgit Erichsen.

Was etwas nützt: Die gemeinsam zubereitete Gemüsesuppe, die plötzlich auch Kindern schmeckt, die so etwas vermeintlich nicht mögen. Die selbstgemachten Kartoffelchips, die eben nicht aus der Tüte, sondern von der Kartoffel stammen. Um ihnen zu zeigen, was Rinder leisten, pflückt Birgit Erichsen mit den Kindern 30 Kilo Gras – die Tagesration einer Kuh. „Die Kinder merken, wie anstrengend das ist. Dabei haben sie zusammen viele Hände, die Kuh aber nur eine Zunge.“ Wenn das Gras dann endlich auf der Schubkarre liegt, staunen alle: „Eine Kuh?! Frisst so viel?!“ Ja, tut sie. Und die Milch steht zwar im Kühlschrank – aber vorher war sie warm.

 

Erlebnisse schaffen - was Eltern tun können

  • ein kleines Beet, einen Kräutergarten oder ein Hochbeet anlegen und dort Salat, Wurzeln, Erbsen oder Erdbeeren anbauen
  • Obst und Gemüse gemeinsam ernten, schnippeln und verarbeiten. Frei verfügbare Obstbäume im ganzen Land sind unter www.mundraub.org verzeichnet
  • Bauernhöfe oder Freilichtmuseen besuchen
  • Kindern beim Einkaufen Produkte wie Obst und Gemüse erklären
  • bei Spaziergängen die Augen offen halten: Brombeeren pflücken; erklären, was mit dem Weizen passiert, was Kühe tun  ...
  • einschlägige Filme und Bücher ansehen
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