Kinderernährung : Mein täglich Vitamin D

Sonne statt Tabletten: Kinder sollten viel nach draußen gehen, auch mal ohne Sonnencreme. Eltern müssen natürlich trotzdem drauf achten, dass sie nicht verbrennen.
Sonne statt Tabletten: Kinder sollten viel nach draußen gehen, auch mal ohne Sonnencreme. Eltern müssen natürlich trotzdem drauf achten, dass sie nicht verbrennen.

Kinder über anderthalb Jahren brauchen kein zusätzliches Vitamin D: So lautet eine neue Empfehlung der Kinderärzte.

svz.de von
28. Juli 2018, 16:14 Uhr

Wie viel Vitamin D gebe ich meinem Kind? Diese Frage treibt viele Eltern um. Bis zum ersten Geburtstag ist es noch relativ klar. Babys bekommen täglich ihre D-Fluorette 500, aufgelöst in Wasser oder direkt zur Muttermilch. Das ist wichtig, weil sie noch nicht in die direkte Sonne dürfen – nur mit Unterstützung der UV-B-Strahlen aber kann der Körper das Vitamin bilden – , und weil Muttermilch so gut wie kein Vitamin D erhält.

Doch sobald die Kleinen etwas älter sind, gehen die Ratschläge und Meinungen auseinander: Einige Kinder bekommen ab zwei Jahren gar kein Vitamin D mehr, andere weiterhin täglich, manche Eltern haben sich gar für einen Kompromiss entschieden und geben ihrem Spross jeden zweiten Tag eine Tablette. Ja, wie denn nun?

Eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), basierend auf neuen Forschungsergebnissen, soll nun Schluss machen mit der Verwirrung.

Danach sollten Kinder in den ersten zwölf (Geburt im Frühling oder Sommer) bis 18 Monaten (Geburt im Herbst oder Winter) weiterhin die auch bisher empfohlene Dosis von 400 bis 500 Einheiten Vitamin D pro Tag als Ergänzung bekommen. Kinder ab anderthalb Jahren allerdings, und das ist neu, brauchen keine Zusätze. Und das, obwohl über ein Drittel von ihnen einen Mangel an dem für die Knochengesundheit so wichtigen Vitamin hat.

„In Deutschland hat ein Großteil der Kinder einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel“, weiß Prof. Dr. Thomas Reinehr von der DGKJ. Jedoch: Bei kaum einem von ihnen wirkt sich das negativ aus.

Man weiß, dass zu wenig Vitamin D Rachitis hervorrufen kann – eine Erkrankung, bei der die Knochen schlecht wachsen oder sich gar verformen. Normalerweise also müssten die scheinbar unterversorgten Kinder gleich reihenweise spröde Knochen bekommen – tun sie aber nicht. Dazu passen neue Untersuchungen, denen zufolge nur bei 2,5 Prozent der Erwachsenen, die zu wenig Vitamin D intus hatten, auch die Kalzium-Aufnahme unzureichend war. Zudem, das zeigte sich ebenfalls, besteht kein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und anderen Krankheiten wie Diabetes oder Infektionen, wie einige Zeit vermutet wurde.

Unsere Kinder sind gesund, obwohl sie unterversorgt sind – wie geht das? „Das Problem sind die Grenzwerte“, erklärt Thomas Reinehr. „Sie sind viel zu strikt für gesunde Kinder.“ Die Zahlen wurden nämlich nicht angesichts drohender Krankheiten, sondern anhand der durchschnittlichen Vitamin-Verteilung in der Bevölkerung festgelegt – und dann noch mit einem Sicherheitspuffer versehen, damit auch ja keiner unterversorgt ist.

Unterversorgung droht aber tatsächlich nur Risikogruppen: Neben Babys sollten etwa Kinder, die aufgrund einer Krankheit kaum das Haus verlassen und daher zu wenig Sonnenlicht abbekommen, zusätzliches Vitamin D erhalten. Ansonsten gilt: „Es macht keinen Sinn, gesunden Kindern Vitamin D zu geben, verursacht nur Kosten und wäre daher das falsche Zeichen“, sagt Thomas Reinehr. Sein Ratschlag: „Geht mehr nach draußen!“

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