Junge Eltern : Kurze Nächte mit Nebenwirkung

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Zu wenig Schlaf kann krank, dumm und dick machen. Doch besonders frischgebackene Eltern müssen sich schon mal die Nacht um die Ohren schlagen.

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28. März 2015, 07:33 Uhr

Morgens bekommt man die Augen kaum auf und leicht komatös schleppt man sich so durch, bis man endlich wieder zu Bett gehen kann. Man ist verspannt, unkonzentriert und dünnhäutig. Zu wenig Schlaf kann einem ganz schön den Tag verderben. Kann man sein Schlafpensum überhaupt auf Dauer reduzieren? Nein, sagt Dr. Robert Göder, Leiter des Schlaflabors des Zentrums für Integrative Psychiatrie in Kiel.


Dr. Göder, Ist es überhaupt möglich, sich auf kurze Nächte einzustellen?

Untersuchungen, die man mit Soldaten gemacht hat, zeigen: Man kann sich auf Schlafentzug einstellen. Aber das geht nicht lange gut. Der Bedarf schwankt von Mensch zu Mensch. In der Regel benötigen wir um die sieben bis acht Stunden. Sogenannte Kurzschläfer können schon mit fünf Stunden auskommen, das ist dann schon die untere Grenze. Wie viel wir davon tatsächlich benötigen, können wir gut im Urlaub feststellen, wenn kein Wecker klingelt und wir nach unserem eigenen Rhythmus aufwachen.


Es heißt ja, dass Menschen, die zu wenig schlafen, zu Übergewicht neigen. Stimmt das und warum ist das so?

Zumindest lässt sich das beobachten. Warum das so ist, ist nicht zu 100 Prozent klar. Zum einen kann es sein, dass Menschen, die wenig schlafen, schlichtweg mehr Zeit zum Essen haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Regulierung des Hormonhaushaltes gestört ist und somit der Stoffwechsel negativ beeinflusst wird.


Menschen, die unter Depressionen leiden, werden sogar bewusst auf Schlafentzug gesetzt. Können Sie uns das erklären?

Ja, das stimmt. Kurzfristig wird die Stimmung aufgehellt, allerdings sollte man unbedingt unter ärztlicher Beobachtung sein.


Ab wann wird Schlafentzug denn wirklich bedrohlich?

Wer ein paar Tage zu wenig geschlafen hat, kann das meist schnell wieder ausgleichen. Ab wann es wirklich kritisch wird, hängt wie gesagt von der jeweiligen Kondition ab. Versuche mit Ratten haben gezeigt, dass sie zwischen zwei bis vier Wochen aushalten, doch dann sterben sie. Auf Menschen können diese Versuche nicht übertragen werden, aber beispielsweise bei Schichtarbeitern tauchen neben Schlafstörungen häufig auch andere gesundheitliche Probleme auf.


Wie erklärt sich, dass Mütter von Neugeborenen doch recht gut damit umgehen können, dass die Nächte kurz sind?

Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie prima das funktioniert. Vor allem stillende Mütter schütten ein bestimmtes Hormon aus, das ihnen hilft. Allerdings sollten Säuglinge dennoch möglichst bald an feste Schlafzeiten gewöhnt werden.

Das ist ja meist nicht ganz so einfach. Welchen Durchschlaf-Tipp haben Sie?

Eine klare Struktur hilft sowohl Kind wie auch den Eltern. Es ist auf jeden Fall hilfreich feste Schlafzeiten einzurichten.


Wie kommt man mit Müdigkeit am leichtesten durch den Tag und was kann man tun, um ruhig durchschlafen zu können?

Vielen Menschen hilft ein kurzes Schläfchen am Mittag. Aber der sogenannte Power-Nap sollte möglichst nicht länger als zehn Minuten dauern, denn wenn der Körper erst einmal in der Tiefschlaf-Phase ist, dann ist es schwer wieder wach zu werden. Bewegung hilft und wichtig ist Tageslicht – also Baby in den Kinderwagen und raus ins Freie. Wer Probleme mit dem Durchschlafen hat, sollte abends ganz auf Alkohol verzichten und auf schweres, fettiges Essen. Schlafmittel sollte man sehr kritisch betrachten. Bei dauerhaften Schlafstörungen sollte man immer einen Facharzt zu Rate ziehen.

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