Gesundheit : Kinder brauchen Rückgrat

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Gesunde Spiele für den Nachwuchs – damit die Kleinen sich später groß und gerade machen können.

svz.de von
25. Juli 2015, 16:00 Uhr

„Wer weiß, was das ist?“ Astrid Jürgens hält das Modell einer Wirbelsäule in die Höhe und die Kinder blicken fasziniert auf die orange, grün und blau eingefärbten Wirbelkörper. „Das“, sagt ein kleiner blonder Junge sehr überzeugt, „das ist ein Dinosaurier!“ Sein Kumpel Jesper schüttelt den Kopf. „Nein, das ist eine Wirbelsäule“, stellt er fachkundig fest.

Und was die alles kann, das zeigt Physiotherapeutin Astrid Jürgens den Kindern jetzt: „Nach vorne, nach hinten, nach links und nach rechts, die Wirbel bewegen sich wirklich nicht schlecht – holadihiea holadioh holadihiea holadioooooooooh“, singt sie vor und bald schallt die Melodie fröhlich mehrstimmig aus dem Bewegungsraum im Kindergarten. Die Kleinen und Großen singen aus Leibeskräften und beugen dabei den Rumpf in sämtliche verfügbare Richtungen.

Was allen großen Spaß macht, trägt den Namen „Rück(g)rat – Ergonomie und Bewegung im Kindergarten- und Schulalltag“. In diesem Jahr feiert das Rück(g)rat-Projekt schon seinen zehnten Geburtstag – so lange arbeiten die Kooperationspartner bereits daran, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems bei Kindern und auch bei Pädagogen vorzubeugen, ihnen eine bewusste Wahrnehmung der Körperhaltung und die Verbesserung ihrer Motorik zu vermitteln.

Im Kindergarten sind die Kinder mit Eifer bei der Sache, zählen die Wirbel: Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule. „Lendenwirbelsäule – das ist ja ein komischer Name.“ „Und das hier sind die Beckenknochen. Fühlt Ihr wie hart die sind?“ Kopfnicken: „Ja, superhart.“ Flexibel und widerstandsfähig muss der Rücken sein, damit die Kinder Sport machen können; und was ihnen da nicht alles einfällt: Ballett und Fußball, Schwimmen und Handball. Handball? Na, da hat die Physiotherapeutin ja das richtige Spielzeug dabei. Astrid Jürgens zaubert bunte, weiche Bälle aus einer großen Tasche und fordert die Kinder auf, ein Schlange zu bilden: Immer ein Kind und ein Ball und ein Kind und ein Ball. „Seht Ihr, nun seid Ihr selbst wie eine Wirbelsäule“, sagt sie und freut sich darüber, wie beweglich diese Schlange jetzt durch den Raum wirbelt. „Habt Ihr gemerkt, die Bälle sind ganz weich und Ihr seid ganz hart? So könnt Ihr Euch anditschen, ohne dass es weh tut.“ So einfach lässt sich die Funktion von Bandscheiben erklären.

Eine Stunde lang haben die Kleinen mit Astrid Jürgens großen Spaß. Ganz zum Schluss bekommen alle noch einen hübschen, glitzernden „Mutpunkt“ aufs Brustbein geklebt wie einen Orden. Hocherhobenen Hauptes und sehr gerade gehen die Kinder zurück in ihre Gruppen. Heute haben sie viel gelernt, findet Jesper. „Ich freu mich schon aufs nächste Mal.“

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