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Eltern und Kind

22. November 2017 | 17:48 Uhr

Adoptionen : Im Zweifel für das Kind

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Zahl der Adoptionen geht seit Jahren zurück. Nicht, weil es weniger Kinder gibt, die Unterstützung brauchen – sondern weil hilfsbedürftige Eltern mehr Alternativen haben.

Die Zahl der Adoptionen in Deutschland geht seit Jahren zurück: 3812 Adoptionen gab es im Jahr 2015, das ist die aktuellste verfügbare Zahl des Statistischen Bundesamtes. Im Vergleich zu 2004 sind das 25 Prozent weniger, und die Zahlen nehmen in der Tendenz immer weiter ab.

Über die Hälfte dieser Adoptionen sind Stiefkindadoptionen: Der Partner adoptiert das leibliche Kind des anderen Partners. Das ist rechtlich in einer Ehe und auch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft möglich. Außerdem können Ehepaare und auch eingetragene Partner das vom jeweiligen Partner bereits adoptierte Kind adoptieren – eine sogenannte Sukzessivadoption. Für ein Männerpaar ohne Kinder aus vorangegangenen Heterobeziehungen war das bislang die einzige Möglichkeit, zu zweit im rechtlichen Sinne Väter zu sein.

Auch die Zahl der Auslandsadoptionen ist im Vergleich zu 2004 um die Hälfte gesunken: 2015 gab es insgesamt 264 internationale Adoptionen. Die geringen Zahlen hängen auch mit dem Haager Adoptionsabkommen zusammen, das Kinderhandel und das Auseinanderreißen von Familien verhindern soll. Länder, die es ratifizieren, verpflichten sich, nur dann Kinder für die internationale Adoption freizugeben, wenn es keine Lösung im eigenen Land gibt.

Die „Ehe für alle“ könnte gleichgeschlechtlichen Paaren Auslands-Adoptionen noch schwerer machen. „Es gibt Länder wie zum Beispiel Bulgarien, die Kinder an alleinstehende Ausländer oder Ausländerinnen vermitteln, deren Rechtssystem aber keine Ehe für gleichgeschlechtliche Paare kennt“, sagt Elke Jansen, die Eltern und Paare mit Kinderwunsch für den Lesben- und Schwulenverband Deutschland berät.

Auf jedes zur Adoption freigegebene Kind kommen statistisch sieben Adoptionsbewerber. Bei der Adoption eines fremden Kindes seien vor allem Säuglinge von den Bewerbern gewünscht, sagt Gisela Rust von der gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

„Es geht bei Adoptionen aber nicht darum, den Bewerbern die passenden Kinder zu suchen, sondern für verlassene Kinder passende Eltern.“ Allein deshalb wird es durch die „Ehe für alle“ nach Einschätzung der Sozialpsychologin nicht mehr Adoptionen geben. „Es gibt ja nicht mehr Kinder, die zur Adoption freigegeben sind.“ Dies zeige aber eben auch, „dass Jugendhilfe es schafft, vielen Familien in schwierigen Lebenslagen so zu helfen, dass es Alternativen zur Adoption gibt.“

Mit einer Adoption geben die leiblichen Eltern ihre Elternschaft komplett ab: Unumkehrbar und für immer werden die Adoptiveltern rechtliche Eltern. Pflegeeltern dagegen werden von Jugendämtern händeringend gesucht – und müssen für eine gemeinsame Erziehung nicht verheiratet sein.

Auch Alleinstehende dürfen adoptieren. Als ideale Umgebung für ein Adoptivkind gilt aber eine gemeinsame Elternschaft, „und wir wählen unter den Bewerbern die beste für ein bestimmtes Kind aus“, sagt Gisela Rust. „Es ist immer eine Einzelfallentscheidung.“ Sie gibt ein Beispiel: Spricht die leibliche Oma, die Kontakt halten will, nur Spanisch, hat das Paar einen Vorteil, das auch die Sprache spricht.

Regenbogenfamilien könnten es unter Umständen etwas schwerer haben, denn: „Aufwachsen in einer Regenbogenfamilie kann auch Diskriminierung durch andere bedeuten, je nach Umfeld mehr oder weniger“, erklärt Rust. Auch das werde im Vermittlungsverfahren berücksichtigt werden.

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