HEY, Familie! : „Wann fahren wir wieder Bulli-Bus?“

Am Meer sind die Pausen am schönsten.
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Am Meer sind die Pausen am schönsten.

Mit dem Kind auf Reisen? "Gar nicht mal so einfach", denken sich viele. Danne und Silvio zeigen, dass es mit Sohnemann Benni durchaus möglich und "ganz einfach" ist.

svz.de von
27. Juni 2019, 15:25 Uhr

Danne und Silvio sind alte Bekannte von mir aus Wismar. Als Paar waren sie schon viel auf Reisen, vorzugsweise mit ihrem Bus quer durch Europa campen. Seit zweieinhalb Jahren ist nun Sohnemann Benni auf der Welt und bei den Reisen im gelben Bulli mit von der Partie. Auf seine erste große Fahrt ging Benni im Alter von sechs Monaten. Danne und Silvio hatten damals beschlossen, während der gemeinsamen Elternzeit sechs Wochen Richtung Frankreich, Spanien und Portugal zu fahren.

Benni wurde im September geboren und im März sind die Drei losgefahren. Eigentlich wollten sie noch früher starten. Aber wer schon einmal einen alten Bus besessen hat, weiß, wie eigen diese Gefährte sein können. Als sie ihren Familien von der Idee einer Rundreise erzählten, war die Begeisterung eher gemäßigt. „Ich kann mich noch gut erinnern. Unsere Familien haben gesagt: ‚Oh Gott oh Gott‘ und unsere Freunde ‚Ja klasse. Gute Idee.‘“, fasst Silvio die Kernaussagen zusammen. Danne ergänzt: „Ich glaube, bei Eltern ist immer die Sorge da, dass irgendwas passiert. Da haben wir dann gesagt: ‚Wir fahren doch nicht irgendwo in die Wüste. Es gibt überall Krankenhäuser, wenn was passiert, ist alles sofort erreichbar.‘“ Klar hatte Benni in den sechs Wochen auch mal einen Schnupfen, war mal weinerlich und müde, aber all diese Dinge sind mit einem Baby ja auch Alltag. „Für Kinder ist es letztlich völlig egal wo du bist, solange die Bezugspersonen da sind. Da ist der Ort zweitrangig. Natürlich guckst du schon, dass es kindgerecht ist, aber das ist auf Reisen ebenso möglich wie zu Hause“, widerlegt Danne die anfängliche Skepsis.

Es ging zuerst Richtung Frankreich und von dort weiter nach Spanien und Portugal. Der Bulli musste dafür nicht extra umgebaut werden, lediglich einige Modifikationen waren vonnöten, erläutert Silvio: „Wir haben eine Rückbank, die wir umklappen können. Zwischen Rückbank und Heckklappe ist noch ein Schrank und dann ist dazwischen ein Meter mal ein Meter Platz. Genau die richtige Größe für ein Nestchen für Benni. Da haben wir dann einfach einen blickdichten Vorhang vor gemacht, damit das Licht von außen nicht reinscheint und da hat er geschlafen.“ Mama Danne fügt hinzu: „Dadurch hatte er dann auch seinen abgeschlossenen Raum. So konnten wir draußen vor dem Bus sitzen und gleichzeitig rein gucken, ob alles okay ist. Eine klasse Situation für alle.“

Was braucht man denn überhaupt für eine Reise mit Baby? Silvio erinnert sich: „Also wir hatten das Grundkit mitgenommen. Feuchttücher, ein paar Windeln, eine kleine Apotheke mit verschiedenen Cremes, Fiebermittel, Thermometer und Nasentropfen. Decke und Babytrage. Kinderreisepass nicht vergessen. Das ist eigentlich auch schon alles. Und dann Klamotten, aber da haben wir zu viel mitgenommen. Du kannst ja auch überall auf den Campingplätzen waschen.“ Und Spielzeug? Danne überlegt kurz: „Ein bisschen Spielzeug hatten wir dabei. Aber das Meiste davon haben wir nicht gebraucht. Klar, für die Zeit während der Fahrt sind ein paar Sachen um ihn zu beschäft igen schon nützlich, aber sobald du mit ihm draußen bist, krabbelt er durch den Sand und sucht sich Steine, Muscheln oder was auch immer.“

Kann man eigentlich sagen, dass das Kind den Takt auf so einer Reise angibt? Silvio schüttelt den Kopf: „Es gibt so Tricks. Wenn das Kind klein ist, kannst du super abends losfahren und die Nacht durchfahren. Meistens haben wir gegen zwei Uhr morgens einmal angehalten, die Windel gewechselt und sind weiter. Und gerade wenn du so lange mit dem Bulli unterwegs bist, ist ja auch der Weg das Ziel. Du fährst halt achtzig. Da überholen dich eh alle. Da geht eh alles drum herum.“ Entschleunigung pur finden Beide.

Und Autofahren? Wie fand das der Sohnemann? „Ging super. Babys schlafen ja anfangs noch relativ viel und dadurch konnten wir auch tagsüber Strecke machen. Außerdem habe ich viel mit ihm gespielt. Manchmal wollte er dann aber auch nicht mehr und das ist dann einfach so“, beschreibt Danne ihre Erfahrungen. Dann wurde eben zwei Stunden Pause gemacht, gespielt und danach ging es weiter.

Die beiden sind froh, in der Nebensaison unterwegs gewesen zu sein. Es war nicht zu heiß. Egal wo sie hinkamen, entweder trafen sie Rentner oder andere Paare in Elternzeit. Viele Campingplätze sind mittlerweile auch gut aufgestellt, was Baby- und Kleinkindequipment zum Ausleihen anbelangt. Manchmal gibt es auch extra Sanitärbereiche. Ein weiterer Pluspunkt der Nebensaison: Die günstigeren Preise.  

Und was ist euch bis heute im Gedächtnis geblieben? Was habt ihr Kurioses erlebt? Silvio beginnt: „Was mir hängen geblieben ist und was ich wirklich cool fand: Wenn du in Deutschland Brei kaufst, sind die ja immer ohne Zwiebeln, ohne Kohl und ohne Bohnen, weil das ja Blähungen verursachen kann. Dann gehst du in Spanien oder Portugal in den Supermarkt und schaust dir die Inhaltsstoff e der Gläschen an: Zwiebeln, Kohl und Bohnen. Alles gut gewürzt und gar nicht so fade wie hier in Deutschland. Das schmeckt wie eine vollwertige Mahlzeit.“ Wir müssen alle lachen. Danne fängt sich als Erste wieder: „Benni hat den Brei eingeatmet.“ Und wieder lachen wir. Andere Länder, andere Sitten. Ich bin begeistert, wie entspannt die beiden mit all diesen Themen umgehen. Erzählt doch mal von einem amüsanten Urlaubsmoment, muss auch nicht aus der Elternzeit sein. „Wir waren diesen Winter in Frankreich und haben uns mit Freunden getroff en. Und dort gibt es immer einen Apéro am Nachmittag, also eine Art Aperitif mit Snacks. Dann machst du dir also ein Getränk und ganz selbstverständlich kommt von deinem liebsten Dreikäsehoch: ‚Wo ist mein Apéro? Wo sind meine Chips?‘ Dieser junge Mann ist mir sympathisch.

Wir reden noch eine ganze Weile und die beiden berichten mehr, als ich hier wiedergeben kann. Für mich ist die Quintessenz: Die Kombination Camping mit Bulli und Baby hört sich klasse an, man schafft viele bleibende Erinnerungen und lernt gelassen zu bleiben.

Und Benni? Fordert er jetzt regelmäßigen Urlaub ein? Danne schmunzelt: „Nicht wirklich. Busfahren möchte er. Er liebt den Bulli-Bus. Mit dem Begriff  Urlaub kann er noch nichts anfangen. Ich glaube, er genießt die Zeit mit uns sehr. Volle Aufmerksamkeit von Papa und Mama von morgens bis abends.“ Welches Kind würde das nicht wollen?

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