HEY, Familie! : Männerhaushalt

Matthias findet bei seiner Familie den nötigen Ausgleich zu seiner Tätigkeit im Landtag.
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Matthias findet bei seiner Familie den nötigen Ausgleich zu seiner Tätigkeit im Landtag.

Eins plus eins gleich drei. Diese Rechnung geht spätestens dann auf, wenn Oliver, Matthias und Leonard den Raum betreten.

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27. Juni 2019, 15:42 Uhr

Laut einer Recherche der Bundeszentrale für politische Bildung lebten 2016 etwa 95.000 gleichgeschlechtliche Paare in einem gemeinsamen Haushalt. In etwa jeder Zehnten dieser Partnerschaften lebte mindestens ein Kind. Rund 14.000 Kinder waren 2016 Teil einer sogenannten Regenbogenfamilie. Oliver und Matthias sind eines dieser Paare, die sich dazu entschieden haben einem Kind ihre Liebe zu schenken und erzählen mir ihre Geschichte.

Eins plus eins gleich drei. Diese Rechnung geht spätestens dann auf, wenn Oliver, Matthias und Leonard den Raum betreten. Es ist diese Selbstverständlichkeit, einfach ihre Offenheit, dass alles genau so sein muss, die jeden sofort einnimmt.

Oliver ist 38 und gelernter Krankenpfleger. Matthias arbeitet mit seinen 41 Jahren im Schweriner Landtag als Büroleiter. Beide kennen sich bereits seit vielen Jahren, bevor sie sich 2010 dazu entscheiden, offiziell zusammen zu sein und 2013 ihre Lebenspartnerschaft

eintragen zu lassen. Im Gespräch wird schnell deutlich, dass die beiden Männer perfekt zusammenpassen. „Matze erdet mich“, gibt Oliver zu. Und Matthias ergänzt mit einem Lachen: „Mein Leben wäre ohne Olli deutlich langweiliger.“

Oliver kommt aus einer Großfamilie und ist der Zweitjüngste von fünf Geschwistern. Er wollte schon immer Kinder haben. „Das Haus muss leben“, sagt der gebürtige Wöbbeliner. Matthias ist der rational denkende Part von beiden, musste von seinem Partner zu allererst

aber ein wenig überzeugt werden ein Kind zu adoptieren. Der gebürtige Neustrelitzer hat neben den Vorteilen, die ein Kind mit sich bringt, auch die Nachteile abgewogen. Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits 39, zudem waren die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein gleichgeschlechtliches Paar ein Kind zu adoptieren nicht die Einfachsten. Oliver hat es mit seiner emotionalen Art dann aber doch relativ schnell geschafft seinen Lebensgefährten von einer Adoption zu überzeugen. Die beiden Männer verbindet neben ihrer Liebe zueinander nämlich der Wunsch nach einer Familie. Und so kam es, dass sie sich Anfang 2014 das erste

Mal intensiv mit dem Thema Adoption beschäftigten und sich dann im Sommer gleichen Jahres erstmals beim Jugendamt vorstellten. Neben psychologischen und Sozialtests mussten beide unabhängig voneinander persönliche Gespräche mit dem zuständigen Jugendamt fuhren. Nach ihren anfänglich schwachen Hoffnungen wurde ziemlich schnell deutlich, dass alles so laufen wird, wie es bei verschieden geschlechtlichen Paaren der Fall wäre. Nach der einjährigen Kennenlernphase mit dem Jugendamt, in der regelmäßige Treffen stattfanden und die jeweiligen Leben komplett niedergeschrieben werden mussten, konnte es losgehen.

Nun mussten sich beide in Geduld üben. Ein Anruf wird beider Leben komplett auf den Kopf stellen. „Wir wollten jedem Kind eine Chance geben, egal welches Geschlecht“, betont Oliver.

Nachdem anderthalb Monate früher ein Ruckschlag für die beiden Männer zu verkraften war, kam an einem Donnerstag im Jahr 2017 der erlösende Anruf. Es wurde ein Junge geboren. Ihr Junge! Sofort fuhr das Paar in ein Krankenhaus in Schwerin, wo bereits die Mitarbeiter vom Jugendamt warteten um ihnen ihren Sohn zu übergeben. Matthias und Oliver waren die ersten Personen nach dem ärztlichen Fachpersonal, die ihr Sohn Leonard sehen durfte. Der Neugeborene suchte sofort die Nahe und griff nach ihren Fingern. Beide waren fassungslos und gerührt. „Da hast du von einem auf den anderen Moment ein Kind. Und dann waren wir Eltern und mussten von nun an Verantwortung für einen weiteren Menschen übernehmen.“, erzählt Matthias gerührt. Sein Partner zieht noch am gleichen Tag ins Krankhaus zu seinem Sohn, Matthiaseinen Tag später. Bei der Entlassung kam in Beiden eine Frage auf, die alle Eltern in diesem Moment überkommt: „Und nun? Werde ich alles richtig machen?“ Am darauffolgenden Wochenende waren sie bereits auf einem Geburtstag eingeladen und überraschten alle mit dem größten Geschenk überhaupt: Leonard.

Alle Freunde und die gesamte Familie stehen hinter dem gleichgeschlechtlichen Paar und unterstutzen wo sie nur können. „Leonard wurde sofort von allen akzeptiert“, erzählen die Väter. Von nun an geht Oliver für ein Jahr in Elternzeit, Matthias nimmt die dem zweiten Elternteil zustehenden zwei Monate. Im Mai 2018 folgen dann die kirchliche Trauung und die Taufe von Leonard. „Warum sollen wir uns verstecken? Das können die Anderen machen.“, zwinkert der gelernte Krankenpfleger. Beide sind im Laufe der Zeit selbstbewusst geworden und gehen mit ihrer Homosexualität und der Adoption offen um. Diese Werte, nämlich die Toleranz und Offenheit anderen Menschen gegenüber, möchten sie ihrem Sohn mitgeben. „Deshalb werden wir Leonard, wenn er alt genug ist diesen Umstand zu verstehen, auch erklären, dass wir ihn „nur“ großgezogen haben und lediglich seine Ersatzeltern sind.“, erklären beide Männer.

Oliver und Matthias sind angekommen. Auf meine Frage, ob sie glücklich sind, erhalte ich ein entschiedenes Ja.

Die beiden werden das Kind schon schaukeln. Wir wünschen Euch dafür alles erdenklich Gute!

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