HEY, Familie! : Lernen auf vier Pfoten

Das Rudel akzeptiert die Kleine in ihren Reihen.
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Das Rudel akzeptiert die Kleine in ihren Reihen.

Es ist der Traum eines jeden Kindes. Ein Haustier. Am liebsten ein Hund. Aber das Zusammenleben von Kind und Tier klappt nicht ohne Vorbereitung und klare Regeln. Besonders für den Menschen.

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27. Juni 2019, 15:25 Uhr

Vivien Käckenmeister ist Hundetrainerin und betreibt eine Hundepension in Schwerin. Seit Kindstagen lebt sie mit dem besten Freund des Menschen zusammen und arbeitet noch heute leidenschaftlich gern mit den geselligen Vierbeinern. Sie weiß, worauf Eltern und auch Kinder achten müssen, wenn sie sich einen Vierbeiner ins Haus holen.

Die gebürtige Mecklenburgerin besitzt seit ihrer Kindheit Hunde. Da ist es auch nicht überraschend, dass die ausgebildete Hotelfachfrau ihr Hobby zum Beruf gemacht hat und mit ihrem Geschäftspartner ihr eigenes kleines Hotel, nur eben für Hunde eröffnete. Seit 22 Jahren arbeitet die Mutter einer 12-jährigen Tochter nun mit ihrem Rudel auf dem großen Grundstück in Stern Buchholz. Sorgen, dass ihr Kind nicht mit den vielen Hunden im Haus klar kommt, hatte die passionierte Hundetrainerin nie. „Die Tiere waren zuerst da. Also war nur noch die Frage, wann kommt das Kind dazu. Sie ist quasi in das Rudel hinein geboren.“ Von der ersten Stunde an ist ihre Tochter genau so verrückt nach den Vierbeinern wie ihre Mama. Eltern, die sich trotzdem den Kopf darüber zerbrechen, empfiehlt die Hundeliebhaberin, sich genau zu fragen, wer das Tier haben möchte. „Wenn man einen Hund nur holt, weil das Kind einen haben will, dann ist das schon schwierig“, erklärt sie. Der Vierbeiner ist ein Familienmitglied.  

Deshalb müssen sich alle in der Familie dafür entscheiden. „Grundsätzlich sollte der Hund einen guten Charakter haben“, fasst die Tierliebhaberin zusammen. Ganz entscheidend ist aber, dass man „immer mit dem Hund als auch mit dem Kind arbeiten muss.“ Die Erziehung eines Hundes sei außerdem ein Prozess, den man aktiv gestalten muss.

Bevor schließlich der Vierbeiner in die Familie kommt, empfiehlt Vivien Käckenmeister zu bedenken, dass „ein Hund kein Spielzeug, sondern ein Lebewesen ist.“. Die tägliche Beschäftigung des Tieres bleibt zu Beginn Aufgabe der Eltern. Außerdem sollten Ereignisse wie gemeinsame Urlaube nicht in der Planung vergessen werden. „Wer passt auf das Tier auf, wenn wir im Urlaub oder mal terminlich unterwegs sind? Das muss man vorher klären.“ Das bleibt zunächst alles Aufgabe der Erwachsenen im Haushalt. „Ein Hund braucht Erziehung und die Verantwortung liegt bei den Eltern. Selbst ein 14-jähriges Kind, ist noch nicht in der Lage, ihn richtig zu erziehen. Zu Beginn werden Hund und Kind nicht allein gelassen“, stellt die Mutter direkt eine Regel auf. Gerade kleine Kinder bewegen sich gern und viel. Für den Vierbeiner ist das manchmal schwer zu begreifen. Besonders wenn er seine Ruhe haben will. Deshalb braucht es die Eltern, die ihrem Kind erklären, dass es eben nicht immer den Hund anfassen und mit ihm spielen kann. Bei einem Welpen gilt besondere Vorsicht, da Kinder manchmal zu grob mit dem kleinen Lebewesen umgehen. Ist der Hund schon vor dem Kind da, kann er über den Geruch der schwangeren Mama teilweise auf die neue Situation vorbereitet werden. Beim ersten Aufeinandertreffen ist dem Hund der neue Mitbewohner nicht mehr gänzlich fremd.

Ein klassischer Fehler ist es, Tier und Kind gleichberechtigt behandeln zu wollen. „Hunde leben nicht in einer Demokratie und brauchen daher klare Regeln“, erklärt die zertifizierte Hundetrainerin. Es sei wichtig, dass das Kind über dem Hund stehe, damit keine bösen Situationen durch Eifersucht entstehen.

Gerade für die Entwicklung eines Kindes ist ein Hund in der Familie besonders wertvoll. „Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und respektvollen Umgang mit einem Lebewesen“, beschreibt Vivien Käckenmeister mir einige Vorteile. Auch die emotionale Verbindung zum Vierbeiner ist für Kinder ein wunderschönes Erlebnis. Sie fühlen sich geschützt und erzählen den Hunden ihre Sorgen und Ängste. Der beste Freund des Menschen eben. Bringen die Eltern dem Kind dann Spiele bei, profitiert auch der Hund enorm von der innigen Beziehung. Das Tier wird somit über viele Jahre der treue Begleiter des Kindes.

Kinder die sich zunächst fürchten, sollten auf keinen Fall gezwungen werden, sich mit dem Hund zu beschäftigen. „Ruhe ist hier extrem wichtig“, macht die Tierliebhaberin klar. Gerade deshalb empfiehlt sie die Arbeit mit einer Hundetrainerin. „Hunde sind sehr komplexe Wesen, die über ein großes Repertoire an Mimiken und Gestiken verfügen.“ Mitunter zu viel für ein Kind, welches sich dann nicht an das neue Familienmitglied herantraut. In den Trainingsstunden lernen die Kinder ganz ruhig und unter professioneller Anleitung, wie sie mit dem neuen tierischen Familienmitglied umgehen können und werden so behutsam an das Zusammenleben herangeführt.

Schon bevor der eigene Nachwuchs und der Hund aufeinander treffen, müssen einige Regeln klar sein. „Der Hund darf niemals beim Fressen gestreichelt werden, sonst kann es passieren, dass er sein Futter verteidigt“, warnt die Mecklenburgerin. Das Gleiche gilt für Ruhephasen des Tieres. „Wenn der Hund sich in einer seiner Rückzugsmöglichkeiten befindet, wird er nicht gestört.“ Generell sollte der Vierbeiner nie bedrängt werden. Außerdem rät die Expertin, das Kind nie beim Spielen mit dem Hund alleine zu lassen. „Da kann es zu Situationen kommen, in denen der junge Hund es gar nicht böse meint, aber für die kleinen Menschen schon eine Gefahr besteht.“ Das Tier sollte grundsätzlich gut trainiert sein und auf seine Kommandos hören. „An diesem Erziehungsprozess darf das Kind gern aktiv teilnehmen“,  erklärt mir die leidenschaftliche Hundetrainerin. Auf Spaziergänge mit dem Haustier sollte man sein Kind jedoch erst schicken, wenn es geistig und körperlich dazu in der Lage ist, heikle Situationen zu erkennen. Hunde haben mehr Kraft, als es ein Kind sich vorstellen kann und verlieren schnell die Kontrolle über das Tier.

Eine bestimmte Rasse, die sich besonders eignet, kann Vivien Käckenmeister nicht empfehlen. Eltern sollten sich aber vorher darüber Gedanken machen, was für einen Hund sie haben wollen und ob er zur Familie passt. „Ich finde es wichtiger zu wissen, welchen Charakter der Hund hat“, nennt sie ein Kriterium. Hat man dann einen Favoriten gefunden und achtet auf die richtige Erziehung, steht einem innigen und fürsorglichen Zusammenleben von Kind und Hund nichts mehr im Wege.

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