HEY, Familie! : Kibbel-Kabbel trifft auf Olympische Motto-Party

Zwischen Magnus und Opa Klaus liegen 60 Jahre Altersunterschied.
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Zwischen Magnus und Opa Klaus liegen 60 Jahre Altersunterschied.

Kindergeburtstage früher und heute - So unterschiedlich feiern Opa und Enkelkind

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27. Juni 2019, 15:24 Uhr

Der Geburtstag ist ein ganz besonderer Tag im Jahr, gerade für Kinder. Jedes Jahr darf sich ein Jeder von uns auf diesen individuellen Tag freuen. Aber wie wird ein Geburtstag eigentlich gefeiert? Wo liegen Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede bei der Ausrichtung von Kindergeburtstagen früher und heute? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, habe ich Magnus und seinen Opa Klaus getroffen.

Magnus wurde 2009 geboren und freut sich bereits heute auf seinen 10. Geburtstag im Oktober. Opa Klaus hingegen ist schon 74 und feierte seinen ersten Geburtstag im November 1944. Beide trennen somit 65 Jahre. Eine ganz schön lange Zeitspanne, die viele Unterschiede beim Thema Kindergeburtstag vermuten lässt. Umso überraschter bin ich, dass auch Gemeinsamkeiten zu Tage kommen. 

Opa Klaus ist in der Nachkriegszeit auf dem Land nahe Warin aufgewachsen. Eine Zeit und eine Welt, die sich nicht stärker von Magnus’ Lebenswirklichkeit unterscheiden könnte. Damals musste man sich selbst versorgen. Kurz und prägnant auf den Punkt gebracht, eben typisch mecklenburgisch, erzählt Klaus lachend: „Kindergeburtstage sahen vor 65 Jahren nicht so aus wie heute. Man hat nur mit den Kindern gefeiert, die hier in der Umgebung gewohnt haben.

Wir haben uns gegenseitig eingeladen und uns Süßigkeiten oder Äpfel geschenkt. Es gab einen Kuchen, es wurde Kaffee getrunken und dann gespielt – Reise nach Jerusalem, Topfschlagen, Kibbel-Kabbel. Schön war’s.“ Früher war es egal, auf welchen Wochentag der Geburtstag fiel. Die Feste wurden gefeiert, wie sie gefallen sind. Opa Klaus resümiert: „Es wurde nach der Schule gefeiert. Bis wir allerdings zuhause waren, schlug die Uhr auch schon drei. Dann hatten wir nicht mehr so viel Zeit. Das waren eher kurze Partys.“

Und Magnus, wie feierst du deinen Kindergeburtstag? „Mit einer großen Party, zu der ich meine liebsten Freunde einlade.“ So kann es schon mal passieren, dass 16 oder mehr Kinder kommen, denn der 9-Jährige hat viele Freunde und ein großes Herz. „Der Geburtstag und die Feier können an verschiedenen Tagen stattfinden. Wenn ich also unter der Woche Geburtstag habe, feiere ich an diesem Tag mit meiner Familie. Aber die große Party veranstalten wir dann am Wochenende.“ Für die Eltern bedeutet das viel Arbeit, denn ohne durchorganisierte Mottoparty scheint es heute kaum noch zu gehen. Von Fußball- über Dinosaurier-, hin zu Piratenfesten für die Jungs geht es bei den Mädchen von Prinzessinnen- über Meerjungfrauen- bis hin zu Pferdepartys. Einladungen, Dekoration, Partyprogramm und Backwaren müssen auf das Thema abgestimmt sein. Zum Abschluss gibt es dann für alle kleinen Gäste noch ein Geschenk zum Mitnehmen. Einfach nur spielen, wie bei Opa Klaus? Das gibt es kaum noch.

Eltern lassen sich diesen Spaß gerne Hunderte von Euros und einiges an Nerven kosten. Mama Andrea hat zu Magnus’ dritten Geburtstag groß aufgefahren. Das Motto war schnell gefunden: 2012 fanden die olympischen Sommerspiele in England, der damaligen Wahlheimat der Familie, statt. An diese Geburtstagsparty erinnert sich Magnus noch sehr gut: „Es gab Muffins von meiner Patentante und wir haben ganz viel Sport an dem Tag gemacht. Und zum Schluss hat jedes Kind noch eine Tüte mit Geschenken, Süßigkeiten und Kuchen bekommen.“ Mama Andrea ergänzt: „Die sportlichen Spiele haben wir nach den verschiedenen olympischen Disziplinen ausgerichtet. Ich hatte im Internet eine Girlande mit den Fahnen aller teilnehmenden Nationen besorgt und auch das Essen war nach Nationalitäten sortiert. Humus, Muffins, Kuchen – das volle Programm.“ Rückblickend betrachtet gesteht aber selbst Mama Andrea mit einem zwinkernden Auge, dass es ein wenig ausgeufert ist.

Zurück zu den Jungs. Was darf bei eurer Geburtstagsparty denn auf keinen Fall fehlen? Bei Magnus kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Freunde“. Opa Klaus nickt: „Genauso.“ „Und Spiele. Also Fußball“, ergänzt Magnus noch schnell und hat klare Vorstellungen: „Es darf auf keinen Fall Schokoladenkuchen geben, den mag ich nicht. Lieber Erdbeertorte.“  Auch Kerzen auf dem Kuchen, die ausgepustet werden, gehören dazu. Wobei Magnus clever feststellt, dass das für seinen Opa eine ganze Menge Arbeit bedeuten würde, 75 Kerzen auszupusten. „Da brauche ich dann schon einen Ventilator“, stellt Opa Klaus fest und grinst mit seinem Enkel um die Wette.

Auf die Geschenkefrage hat Magnus eine klare Antwort:  „Zum Geburtstag kriegt man erst einmal ein großes Geschenk, das man sich gewünscht hat und dann noch ein paar kleine Geschenke. Bei der Geburtstagsparty kriegt man von Freunden dann aber auch nochmal Geschenke.“ Das klingt nach einer ganzen Menge - findet auch Opa Klaus. „Ich denke oft: Was ist das nur für ein Wahnsinn. Du warst früher froh, wenn du überhaupt ein Geschenk bekommen hast. Geschenke standen nicht im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt stand, dass man da war. Man hat Freunde gehabt, man hat etwas zu essen gehabt. Das war wichtig.“

Der 9-Jährige gesteht:  „Eigentlich sind das schon zu viele Geschenke. Ein großes Geschenk, das ich mir gewünscht habe, würde auch reichen. Vielleicht ein oder zwei kleine Legosachen dazu.“ Mama Andrea erzählt: „Mit Magnus haben wir es so gemacht, dass er von den vielen Geschenken und Spielzeugen welche aussuchen konnte, die wir dann zum Sozialkaufhaus gebracht haben.“ Wer hatte diese Idee? „Ich“ kommt es von beiden Seiten synchron und alle lachen. „Ich finde, dass man auf einer Party einfach feiern muss.“, erklärt mir der Drittklässler. Opa stimmt zu: „Genau. So haben wir es ja auch gemacht. Wir kamen zusammen.“ Und Magnus ergänzt: „Man sollte sich freuen, dass man Freunde hat, die zu der Party kommen.“ In dem Punkt sind sich die Beiden einig. Ich bin begeistert und Magnus setzt auf meiner Sympathieskala für ihn sogar noch einen obendrauf.

Und was ist für dieses Jahr geplant? „Ich weiß es noch nicht genau, was ich machen möchte. Ich gucke immer Anfang Oktober, worauf ich Lust habe. Aber bestimmt irgendwas mit Fußball.“ Und was unternimmt Opa Klaus zu seinem 75. Geburtstag? „ Mit der Familie essen gehen und dann mit meiner Frau ein paar Tage wegfahren. Das wäre schön.“ 

Gibt es Wünsche? „Ach. Hauptsache alle bleiben gesund und den Kindern geht es gut. Mehr braucht der Mensch ja nicht“, stellt Klaus zum Abschluss fest. Magnus nickt und ergänzt: „über einen Fußball würde ich mich auch noch freuen“, und ist im nächsten Moment auch schon verschwunden. Wohin? Klar, Fußballspielen.

Kibbel-Kabbel ist ein Geschicklichkeitsspiel für den freien Außenbereich. Gespielt  wird mit dem Kibbel, einem etwa 10 cm  langen beidseitig angespitzten Rundholz, das mit dem Kabbel, einem Stock,  möglichst weit weggeschleudert oder  geschlagen werden muss.

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