Karies bei Vorschulkindern : Gesunde Zähnchen von Anfang an

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Karies gilt als häufigste chronische Erkrankung bei Vorschulkindern. Eltern können viel dafür tun, dass es gar nicht erst so weit kommt.

svz.de von
07. August 2016, 09:00 Uhr

Tom Bosse betritt mit seiner Mama Linda Hussong die Zahnarztpraxis von Claudia Scholz. Der 16 Monate alte Junge läuft fröhlich auf die Spielzeugkiste im Wartebereich zu. Die kennt er schon von seinen letzten Besuchen, denn bei Mamas Kontrollterminen war er bisher immer mit dabei. Seine erste eigene Früherkennungsuntersuchung, die völlig entspannt verlief, liegt zwei Monate zurück.

Dass der Zahnarztbesuch für Tom Bosse etwas ganz Normales ist, darüber freut sich Linda Hussong. Bereits während der Schwangerschaft kümmerte sich die 28-Jährige um die Zahngesundheit ihres Sohnes – und die fing bei ihr selbst an.

Schon im Säuglingsalter können Karies auslösende Bakterien von der Mutter auf das Kind übertragen werden. „Karies ist ansteckend. Deshalb sollten kariöse Zähne vor der Geburt saniert werden“, sagt Zahnärztin Claudia Scholz. Durch die hormonelle Umstellung habe eine werdende Mutter außerdem ein erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken.

„Darum sollte sie mit sorgfältiger Mundhygiene und einem gezielten Prophylaxe-Programm für eine gesunde Bakterienflora in ihrem Mund sorgen“, empfiehlt die Expertin. Dasselbe gelte übrigens für den Papa, denn eine Infektion mit Kariesbakterien erfolge auch über Schnuller, Löffel oder Kuss. „Deshalb rate ich Eltern vorsorglich, den Schnuller ihres Nachwuchses nicht in den Mund zu nehmen und den Breilöffel nicht abzulecken“, so Scholz.

Eine weitere Gefahr ist die Nuckelflaschenkaries. Sie kann Milchzähne, hier hauptsächlich die oberen Frontzähne, zerstören und entsteht durch die häufige und dauerhafte Gabe von zucker- oder fruchtsäurehaltigen Getränken. Kindern zur Beruhigung oder zum Einschlafen eine Flasche Saft, Milch oder Kakao mit ins Bett zu geben, an der sie ohne Zeitlimit nuckeln dürfen, schadet den Zähnen.

„Gegen den Kinderdurst sind Wasser oder ungesüßte Kräutertees am besten. Die Kleinen sollten ebenfalls früh lernen, aus einem Glas zu trinken. So werden die Zähne nicht ständig von Flüssigkeiten umspült“, erklärt die Zahnärztin.

Ist das erste Zähnchen da, heißt es einmal täglich mit der Zahnpflege zu beginnen. Hierfür gibt es spezielle Kinderzahnbürsten oder Fingerhut-Zahnbürsten mit kleinem Kopf und sehr weichen Borsten. Ebenso können Wattestäbchen oder Waschlappen verwendet werden. Zum Zähneputzen reicht ein erbsengroßer Klecks neutral schmeckender Kinderzahncreme. Zahncreme für Erwachsene ist für die Kleinen nicht geeignet, weil sie zu viel Fluorid enthält.

Nach dem ersten Geburtstag sollten die Zähne dann zweimal täglich gereinigt werden. Linda Hussong möchte die Milchzähne von Tom Bosse gut pflegen. Sie achtet neben der Teilnahme an den regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen auch auf eine zahngesunde Ernährung. „Ich biete meinem Sohn zum Beispiel oft säurearmes Gemüse wie Karotten, Gurken oder Paprika als Rohkost an“, erzählt sie.

Warum eine richtige Zahnpflege von Anfang an wichtig ist, weiß Claudia Scholz: „Die Bakterienflora von kariösen Milchzähnen setzt sich im bleibenden Gebiss fort. Bleibende Zähne können während des Durchbruchs schnell angesteckt werden. Nur wenn Milchzähne gesund sind, kann sich das bleibende Gebiss optimal entwickeln.“

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