Geschenke : Für Jubel unterm Weihnachtsbaum

Wenn Großeltern ihren Enkeln zu Weihnachten ein Geschenk machen wollen, müssen sie nicht den Wunschzettel abarbeiten

svz.de von
18. Dezember 2013, 00:34 Uhr

„Ein Pferd“. Diese Antwort hören viele Großeltern, wenn sie ihre Enkeltochter nach einem Wunsch für Weihnachten fragen. Meist begleitet von dem ausgetüftelten Plan, das Tier könnte doch prima in Opas Garage wohnen und Omas Blumen aus dem Garten futtern.

Da sind Oma und Opa dann ratlos, wollen sie ihren Enkeln doch eine Freude bereiten – doch wie? „Kinder haben oft ganz spontane Wünsche, weil sie durch die Werbung beeindruckt werden. Das kann sich bis Weihnachten rasch wieder ändern“, sagt Ingetraud Palm-Walter, Sprecherin des Vorstandes des Vereins Spiel gut in Ulm.

Hilfreich ist der gute, alte Wunschzettel. „Er ist deshalb so wertvoll, weil er Kinder und Eltern beziehungsweise Großeltern ins Gespräch bringt“, sagt die Verfasserin des Sachbuchs „Oma ist die Beste“, Sylvia Görnert-Stuckmann. So sollte man Enkel oder Enkelin beim Durchgehen der Wunschliste fragen, warum ihnen ein Wunsch wichtig ist und warum ihnen das gewünschte Spielzeug gefallen würde.

Großeltern, die nicht in der Nähe der Enkel leben, sollten mit den Eltern – ebenso wie mit den Kindern – darüber sprechen, wie sie ihre Zeit verbringen und was ihnen Spaß macht. Aus solchen Gesprächen entstehen Geschenkideen – Schenken ist schließlich mehr als pures Abarbeiten von Wunschzetteln.

Das Kind darf jeden Wunsch aufschreiben, vom Malbuch bis zum Pferd. Doch es wird vorab geklärt, dass das Kind nicht alles bekommt– was die Enkel meist auch nicht erwarten. „Dann schaue ich mal, was ich finde“, könnte eine Reaktion auf den Wunschzettel sein.

Je älter das Enkelkind wird, desto schwieriger ist es allerdings, ein Geschenk zu finden. Teenager wünschen sich oft Geld. Das ist manch einem unangenehm, will man doch nicht einfallslos wirken. Wenn das Kind aber auf eine größere Anschaffung spart, ist es auch völlig in Ordnung, Geld zu schenken.

Beim Erfüllen der Wünsche sind Oma und Opa im Idealfall Partner der Eltern und unterstützen diese. Deshalb ist es immer ratsam, mit Mutter und Vater über Geschenke zu sprechen – auch, um Konflikte zu vermeiden. Wenn Eltern eine Spielekonsole ablehnen, Opa aber mit der Technikausrüstung anrückt, ist der Streit da. Denn die Großeltern greifen in die Erziehung der Eltern ein. Großeltern und Eltern können aber durch eine vorherige Absprache eine Lösung finden, wenn der Wunsch des Kindes nach einem Technikspiel groß ist: Die Großeltern schenken, geben aber mit den Eltern die Regel vor, dass das Kind nur eine bestimmte Dauer am Tag damit spielen darf.

Auch ist es für Großeltern nicht so leicht, wenn sie mehrere Enkel haben. Keiner soll zu kurz kommen, ruinieren möchte man sich aber auch nicht. Es ist schwierig, Gerechtigkeit zu bemessen. Mal bekommt das eine Enkelkind ein teureres Geschenk, beim nächsten Mal das andere – meist gleicht es sich über die Zeit aus. Wer mag, kann Buch über die Geschenke führen und so den Überblick behalten. Für die meisten Kinder ist ohnehin nicht das Geschenk am wertvollsten, das am teuersten war. Vielmehr kommt es darauf an, was das Geschenk für die Beziehung von Großeltern und Enkeln bedeutet. So kann auf einen E-Book-Reader gleich das Lieblingsbuch des Kindes gespielt werden. Ist eine Fotokamera das Geschenk, geht man mit dem Kind bei nächster Gelegenheit draußen auf Fototour. Dann druckt man die Bilder aus und gestaltet gemeinsam ein Bilderbuch.

Eine ähnlich charmante Idee hatte ein Großvater, mit dem Autorin Sylvia Görnert-Stuckmann für ihr Buch sprach: Seine Enkelin liebte es, zu lesen. Er schenkte dem Kind einen ganzen Tag in einer Buchhandlung. Sie durfte in jedem Buch, das ihr gefiel, stöbern – Opa sorgte für Speis und Trank. Zum Schluss durfte sie sich ein Buch aussuchen.

Wenn das Enkelkind beim Wunsch nach einem Pferd nicht locker lässt, kann auch das als Ideen-Fundgrube dienen: Die Großeltern schenken einen Tag auf dem Ponyhof oder drei Reitstunden. Oder das Kind bekommt Spielzeugpferde und Opa baut mit ihm einen tollen Stall. Zeit mit den Großeltern verbringen, ihre Zuwendung und ihr Interesse spüren – das ist für Kinder das Größte. Und wer selbst einmal zurückdenkt, der erinnert sich oft gar nicht unbedingt an teure Präsente. Eher hütet man noch als Erwachsener die Puppenkleider, die Oma häkelte oder das selbstgenähte Stofftier.

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