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Eltern und Kind

13. Dezember 2017 | 12:19 Uhr

Zecken : Fiese Blutsauger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sie sind winzig und gefährlich: Zecken haben es in sich, denn rund jede dritte trägt Borrelia-Bakterien mit sich herum. Wie Sie ihr Kind schützen und was zu tun ist, wenn es gebissen wurde.

Sie sind der Schrecken aller Eltern, die gern mit ihren Kleinen durch den Wald spazieren, ein Picknick im hohen Gras veranstalten oder mal abseits bekannter Pfade wandern wollen: Die Ixodida, besser bekannt als Zecke, kann im schlimmsten Fall Erkrankungen wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Prof. Dr. Regina Fölster-Holst (Bild) arbeitet in der Dermatologie, Venerologie und Allergologie und nimmt die Sorge um die Zecke sehr ernst.

Wir haben die Ärztin zum Interview getroffen:

Was kann man generell tun, um Kinder vor einem Zeckenstich zu schützen?
Auf jeden Fall sollte man vor einem Spaziergang durch Wald und Wiesen den Kindern lange Hosen und langärmlige Oberteile anziehen. Je dicker der Stoff, desto besser schützt er auch. Gut ist es, höhere Schuhe zu tragen und die Hose in den Schaft zu stecken, so dass keine Haut zu sehen ist. Zecken sitzen meist auf Gräsern, Halmen und in niedrigen Gebüschen. Sie lassen sich einfach fallen, krabbeln das Bein hoch und beißen dort, wo es schön kuschelig und warm ist, zum Beispiel in der Kniekehle und der Leiste. Da ist die Haut besonders dünn. Einen Stich spürt man nicht, denn die Zecke betäubt die Einstichstelle vorher, also empfiehlt es sich, nach einem Spaziergang im Wald & Co. die Haut des Kindes genauer anzusehen.

Wenn man eine Zecke bei seinem Kind entdeckt, was sollte man als erstes tun? Ist der Weg zum Arzt unbedingt nötig?
Sie muss auf jeden Fall schnellstmöglich entfernt werden. Das geht mit einer gewöhnlichen Pinzette, besser jedoch sind spezielle Zeckenzangen. Man sollte versuchen, so nah wie nur möglich an die Haut zu kommen, auch wenn es zwickt. Dann die Zecke nach oben ziehen. Die Hauptsache ist, dass sie nicht zerquetscht wird. Die Übertragung passiert übrigens nicht sofort, sondern erst dann, wenn die Zecke sich so richtig mit Blut vollgesogen hat.

Und bitte nicht Öl oder Nagellack verwenden. Man muss nach einem Stich nicht zwangsläufig zum Arzt. Erst einmal sollte man beobachten, was mit der Einstichstelle passiert. Bedenklich sind die sogenannten Wanderrötungen. Sie sehen aus wie ein Ring, sind rund oder oval und werden immer größer. Wenn diese zu sehen sind, sollte man immer zum Arzt gehen. Leider gibt es auch Fälle von Übertragungen, bei denen keine Rötung zu sehen war. Wer infiziert worden ist, hat meist der Grippe ähnliche Symptome, wie beispielsweise Fieber.

Wie hoch ist die Gefahr, dass bei einem Stich FSME oder Borreliose übertragen wird?
In Schleswig-Holstein sind bis zu 30 Prozent der Zecken mit Borrelia-Bakterien infiziert. Das ist viel. Dagegen ist die FSME eine Viruserkrankung, die es bei uns eher nicht gibt. FSME-Gebiete sind mehr in Süddeutschland zu finden. Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Da die Borrelia-Bakterien viele unterschiedliche Stämme haben, gibt es hier keinen Impfstoff.

Warum wird Borreliose oft erst spät festgestellt?
Es dauert an die vier Wochen, bis der Körper Antikörper herstellt, die man im Blut nachweisen kann. Da die Symptome oft wie bei einer Grippe sind und der Ring nach ein paar Tagen wieder verschwindet, lässt sich der Verlauf nicht immer nachvollziehen. Borelliose muss über mehrere Wochen mit einem speziellen Antibiotikum behandelt werden.


 

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