Konflikt der Generationen : Erziehung von heute

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War früher alles anders? Ein Forschungsprojekt untersucht, wie sich die Strategien der Elterngenerationen voneinander unterscheiden.

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14. Januar 2018, 05:00 Uhr

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Na, wer hat es gesagt? Ihre Großeltern? Ja, die vielleicht auch. Aber eigentlich ist dieser Satz ein antiker Klassiker: Schon vor etwa 2400 Jahren stöhnte der griechische Philosoph Sokrates über die flegelhafte Nachkommenschaft.

Was hilft dagegen? Erziehung, soviel ist sicher. Danach wird es schwierig, denn Erziehung war immer schon ein Kind ihrer Zeit. Im Alten Testament der Bibel wurde die Rute favorisiert: „Rute und Zucht geben Weisheit; aber ein sich selbst überlassener Knabe macht seiner Mutter Schande“ (Sprüche 29,15).

Das ist heute zum Glück anders: Nach Paragraf 1631 II des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist es seit dem Jahr 2000 Eltern und anderen Erziehungspersonen verboten, Kinder psychisch wie physisch zu verletzen oder sie zu erniedrigen. Der autoritäre Stil, der allein mit Strenge, vielen Regeln und Druck arbeitet, hat beim Gros der Familien ausgedient.

Aber auch der antiautoritäre Stil, der Kindern kaum Grenzen setzt und oftmals allein nach dem Lustprinzip entscheidet, hat ein Image, das sich zwischen Verwahrlosung und Verhätschelung bewegt. Der demokratische Erziehungsstil hingegen gilt aktuell als der Stil, der sich am positivsten auf das Kind auswirkt. Eltern tragen die Verantwortung, gewähren den Kindern aber Freiheiten und Mitspracherecht, was früher undenkbar erschien.

Wie sich die Erziehungsstile der Generationen voneinander unterscheiden, untersucht aktuell ein Forschungsprojekt der Universität Osnabrück. „Familienerziehung im Generationenvergleich“ heißt die Studie, für die Familien – klein oder groß, ob mit beiden Eltern, alleinerziehend oder Patchwork – interviewt werden. „Neben der Frage, wie Familien heute ihren Alltag gestalten, interessiert uns auch die Familienerziehung von früher. Sollten die eigenen Eltern oder Schwiegereltern ebenfalls zu einem separaten Gespräch bereit sein, wäre dies für unsere Arbeit ein großer Gewinn“, erzählt Projektmitarbeiterin Sylvia Rihm.

Am Ende der Studie soll jedoch keine Wertung vorgenommen werden, so die Forscher. Selbst wenn Eltern von heute oftmals liebevoller und einfühlsamer mit ihren Kindern umgehen, als es früher üblich war – und trotzdem so verzagt zu sein scheinen wie nie. Das impliziert jedenfalls der Berg an Ratgebern, die von der Schwangerschaft über die ersten Babyjahre bis hin zum Nesthockertum über alle möglichen und unmöglichen Phasen der Beziehung zwischen Kind und Eltern informieren.

Gibt man bei Amazon in der Kategorie Bücher die Schlagworte „Ratgeber Eltern Kinder“ ein, kommt man auf ganze 7600 Treffer. Das Wissen über die Entwicklung ist also da. Theoretisch.

Doch scheint es so, als ob man umso unsicherer wird, je mehr man weiß. Theorien, wieso das so ist, gibt es mehrere: Zum einen scheint die Masse an unterschiedlichen, sich teils auch noch widersprechenden Informationen zu Verwirrungen zu führen – und das eliminiert das eigene Bauchgefühl.

Ein weiterer Faktor: Heute, wo Familien nur noch selten im großen Verbund zusammen leben, kann man nicht so einfach bei den eigenen Eltern fragen. Vielleicht möchte man das auch gar nicht, denn gerade zwischen den Generationen der heutigen Eltern und ihrer Eltern hat sich viel verändert: All das kann verunsichern. Doch was sicher bleiben wird, ist wohl das Misstrauen in die nächste Generation. Diese, Sie wissen schon, ewig auf ihr Smartphone glotzende Jugend von heute... wer hat die bloß erzogen?!

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