Erste Hilfe bei Kindern : Eine kleine Notfallkunde

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So ein Kinderleben birgt manche tückische Falle. Damit Mamas und Papas im Falle eines Unfalles nicht hilflos daneben stehen, kann ein Erste-Hilfe-Kursus auf der elterlichen To-do-Liste sinnvoll sein.

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31. Januar 2016, 09:00 Uhr

Sie klettern auf Stühle, räumen mit Vorliebe die Küchenschränke aus und alles muss erstmal zur Prüfung in den Mund wandern. Doch während für die Kleinen das große Abenteuer ruft, haben Eltern oft nichts zu lachen. Denn bei einem Unfall das Richtige zu tun, ist auf die Schnelle gar nicht so einfach. Monica Freya Jüptner (Foto) ist Lehrbeauftragte und Erste-Hilfe-Ausbilderin beim DRK und legt nicht nur frischgebackenen Eltern immer wieder ans Herz: „Macht einen Erste-Hilfe-Kurs.“ Alle fünf Jahre sollte man kritisch prüfen, ob man in Sachen Soforthilfe noch alle möglichen Maßnahmen parat hat. Wir haben bei der 46-Jährigen nachgefragt.

Welche Punkte sind anders, als bei einem Erste-Hilfe-Kurs für Erwachsene?
Ein wesentlicher Unterschied ist die Kommunikation. Schließlich können Säuglinge und Kleinkinder nicht benennen, was ihnen wehtut. Eltern benötigen ein wacheres Auge dafür und müssen beispielsweise auf Schonhaltung, Hautfarbe, Mimik und Verhaltensveränderung achten. In meinen Kursen versuche ich die Teilnehmer auch für die Prävention zu sensibilisieren, damit erst gar nichts passiert. Ich rate dazu, ab und an selbst auf allen Vieren durch das Haus zu krabbeln und die Welt aus den Augen des Kindes zu sehen. Wie sieht der Wohnzimmertisch von unten aus? Wie leicht sind die Reinigungsmittel im Schrank zu erreichen und wo sind welche Stolperfallen? Da kann man im Vorfeld Unfälle vermeiden.

Wie bedeutend ist das Thema Vergiftung bei Kleinkindern?
Vergiftungen sind leider der Klassiker überhaupt. Es passieren allein in Deutschland pro Jahr gut 120  000 Unfälle. Gerade bei den ganz Kleinen können Reinigungsmittel, Medikamente, Pflanzen und Zigarettenkippen lebensgefährlich werden.

Was kann ich selbst tun, wenn mein Kind etwas Giftiges geschluckt hat?
Bitte grundsätzlich keine Hausmittelchen wie zu Großmutters Zeiten verwenden. Sprich: Auf keinen Fall Milch oder Wasser zu trinken geben oder den Finger in den Hals stecken, damit sich das Kind übergibt. Ich rate dazu, immer 112 anzurufen. Wenn möglich, sollte man Erbrochenes oder das, was verschluckt worden ist, mit in die Klinik nehmen. Wenn man sich einfach nur unsicher ist und das Kind keine Symptome zeigt, kann man zur Sicherheit beim Giftinformationszentrum Nord anrufen (✆0551-19240) und sich Rat holen.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind ätzende Mittel auf die Haut bekommt oder verschluckt?
Auch hier gilt, immer sofort die Rettungsleitstelle anrufen. Im ersten Schritt wird die betroffene Stelle mit lauwarmem Wasser abgespült und die Wunde steril abgedeckt. Sind ätzende Substanzen ins Auge gekommen, dann immer von der Nase weg spülen, nicht dass über den Nasenrücken noch etwas in das andere Auge läuft. Bis der Krankenwagen da ist, sollte man beide Augen mit sterilem Verband abdecken. Wenn das Kind zum Beispiel Rohrreiniger oder Reinigungsmittel getrunken hat, dann nur ein paar Schluck Wasser trinken lassen, damit der Mund- und Rachenraum und die Speiseröhre gespült wird. Auf keinen Fall darf Erbrechen ausgelöst werden.

Wenn ich den Verdacht habe, dass mein Kind sich etwas gebrochen hat, was tue ich dann?
Bis der Krankenwagen da ist, kann man nur den Arm oder das Bein ruhig stellen. Bitte den Körperteil nicht schienen. Dann das betroffene Körperteil so polstern, dass sich das Kind möglichst wenig bewegen muss.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie bei Verbrennungen?
Neu ist, dass man nicht mehr so massiv kühlen sollte, wie man es früher gemacht hat. Starkes Kühlen kann die Durchblutung der Haut stoppen. Gekühlt werden nur noch Flächen, die nicht größer als die Hand des Betroffenen sind und dann nur mit lauwarmen Wasser und höchstens zehn Minuten lang. Danach wird die Wunde steril abgedeckt. Bitte die Finger von Salben, Cremes und Puder lassen. Wunden heilen übrigens besser, wenn sie leicht feucht sind, darum sollten sie locker mit Kompressen und Mullbinden verdeckt werden.

> Kurstermine unter www.drk.de

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