Beziehung trotz Kindern : „Ein Riesengeschenk an die Kinder“

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Wenn sie Kinder bekommen, werden Paare zu Eltern – und finden oft nur schwer zurück in ihre Beziehung. Paarberater Sascha Schmidt sagt, wie es funktioniert.

svz.de von
19. November 2017, 09:00 Uhr

Mit einem Kind verändert sich auch die Beziehung der Eltern. Wie schaffen es Mama und Papa, als Paar wieder zusammenzufinden?

Das Wichtigste ist sich einzugestehen, dass man das Paarsein vernachlässigt hat. Wenn die Erkenntnis da ist, dass man sich nur noch in den Elternrollen begegnet, kann man auch etwas ändern. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man sich immer mehr verliert. Viele Eltern erkennen spätestens, wenn ihre Kinder in die Grundschule gehen, dass ihre Liebe verschütt gegangen ist. In den ersten Jahren sind sie noch sehr auf das Kind fixiert.

Ist das unvermeidlich?

Ich glaube schon. Der Fokus ist am Anfang absolut auf dem Kind und auf sich selbst und wie man mit der neuen Situation umgeht. Dass es eine Durststrecke in der Partnerschaft geben wird, machen sich die meisten Paare vorher aber nicht klar. Wichtig wäre, den Schritt zur Familie bewusst zu gehen und nicht zu vergessen, die Partnerschaft zu pflegen. Ich nehme gern das Bild eines Oldtimers: Die nächsten 24 Monate wird das Auto wahrscheinlich in der Garage stehen. Aber wenn wir zwischendurch nicht mal Öl wechseln, die Batterie aufladen oder Staub wischen, fängt es an zu rosten und wird nach zwei Jahren nicht starten.

Was wäre der Ölwechsel in der Partnerschaft?

Dass man sich täglich oder vielleicht auch nur ein Mal in der Woche kurz Zeit füreinander nimmt – mit kleinen Paarritualen, die nicht noch zusätzlichen Stress bedeuten. Das kann sein, dass man sich mal herzlich umarmt und in die Augen schaut oder ein paar Momente ins Gespräch kommt, ohne dass es um Kinder und Organisation geht. Oder vielleicht ein Spaziergang zu zweit, ein gemeinsamer Morgenespresso oder eine liebe SMS zwischendurch. Es hilft auch, sich zu erinnern, was vor dem Familienleben funktioniert hat. Wichtig ist, dass man sich kleine Freiräume schafft, in denen man nicht Mutter und Vater ist.

Und wie kriegt man dann den Oldtimer wieder flott?

Wenn die Kinder nicht mehr so klein sind, kann man bewusst den Fokus von ihnen runternehmen und sie einfach mal mitlaufen lassen. Verbringen Sie einen Abend oder ein Wochenende zu zweit! Leider denken Eltern häufig, dass sie schon so viel Stress haben, dass sie sich nicht auch noch um ihre Partnerschaft kümmern können, sondern dass die im Gegenteil alles tragen muss. Aber sie wird es nicht tragen, wenn ich mich nicht um sie kümmere.

Wieso ist es für viele so schwer, wieder in die Partnerschaft zurückzufinden?

Oft vereinsamt jeder für sich im Familienleben, und es herrscht eine Sprachlosigkeit. Die wirklichen Bedürfnisse werden nicht ausgesprochen. Ich sage: Redet miteinander! Was ist eigentlich los? Oft fehlt die gegenseitige Erlaubnis, für sich selbst zu sorgen und seine Bedürfnisse zu formulieren. Zu sagen: Ich brauche eine Auszeit. Ich möchte Vater sein dürfen. Ich fühle mich von dir nicht wertgeschätzt. Oder auch die Erlaubnis, die Kinder ein Wochenende bei Oma zu lassen oder eine Putzfrau einzustellen.

Manche Eltern haben ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kindern, wenn sie sich mehr um sich kümmern ...

Das ist ein großer Denkfehler! Wenn Eltern sich um sich kümmern, ist das ein Riesengeschenk an die Kinder! Denn die spüren: Mama und Papa geht es gut. Und: Ich bin nicht immer im Fokus, ich kann mich in Ruhe entwickeln. Außerdem lernen Kinder am Vorbild Eltern, wie Beziehung geht. Kinder brauchen glückliche Eltern. Und das sind sie, wenn sie sich nicht nur in ihren Rollen begegnen, sondern als Mann und Frau.

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