Impfungen : Ein kleiner Piks sorgt für großen Schutz

Der Impfkalender listet auf, in welchem Alter welche Schutzimpfungen für Kinder empfohlen werden.Lagus
Der Impfkalender listet auf, in welchem Alter welche Schutzimpfungen für Kinder empfohlen werden.Lagus

von
18. September 2012, 05:03 Uhr

Wenn Babys auf die Welt kommen, sind sie vor vielen Infektionen wie Erkältungen oder Durchfall geschützt. Das liegt an den Abwehrstoffen, die die Mutter ihrem Kind bereits im Bauch über die Nabelschnur mit auf den Weg ins Leben gegeben hat. Auch gegen Krankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln - sofern auch die Mutter immun dagegen ist. Dieser sogenannte Nestschutz schützt aber nicht vor allen Infektionen und hält nicht für immer. Seine Dauer ist auch abhängig davon, ob und wie lange die Mutter stillt. So oder so werden Abwehrstoffe ungefähr bis zum neunten Monat nach und nach abgebaut. Das Baby muss also ein eigenes Immunsystem aufbauen.

Anti-Körper gegen bestimmte Erreger bildet es, wenn sich das Baby mit ihnen infiziert, also krank wird, - oder wenn es geimpft wird. Letzteres ist vor allem wichtig für Krankheiten, die einen schweren Verlauf nehmen können. Dazu gehören unter anderem Keuchhusten, Diphterie, Pneumokokken, Mumps oder Masern.

Viele Impfungen werden schon wenige Monate nach der Geburt als Kombination gegeben, so dass ein Piks gleich mehrfachen Schutz aufbaut. Doch gerade das verunsichert Eltern auch immer wieder. Sie fragen sich, ob das nicht zu viel ist für den kleinen Körper. Nein, sagt das Landesamt für Gesundheit und Soziales. "Babys kommen jeden Tag im häuslichen Umfeld mit einer Vielzahl von Bakterien und Viren in Berührung. Die Erregerbestandteile der Impfstoffe sind dabei nur ein ganz geringer Teil dieser Gesamtmenge, die das Immunsystem nicht schädigen, sondern im Gegenteil stimulieren", sagt Dr. Martina Littmann, Abteilungsleiterin im Landesamt.

Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass Kinder nach einer Impfung mitunter Fieber bekommen. Auch die Einstichstelle kann rot werden, anschwellen und schmerzen. Mediziner sprechen in dem Fall von Impfreaktionen. Sie sind ein sichtbares Zeichen, dass der Körper - wie durch die Impfung beabsichtigt - Abwehrstoffe bildet, sind von kurzer Dauer und harmlos.

Treten dagegen unerwartete Symptome auf wie allergische Reaktionen, Krampfanfälle oder vielleicht sogar bleibende Krankheiten auf, sprechen Ärzte von Impfkomplikationen oder Impfschäden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, sei jedoch gering. "Der Nutzen der Impfungen überwiegt bei Weitem das Risiko möglicher Nebenwirkungen", sagt Dr. Martina Littmann.

Kinderärzte können Eltern zwar auf die Wichtigkeit der Schutzimpfungen hinweisen. Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland aber nicht. "Es gibt nur Impf empfehlungen", sagt Dr. Martina Littmann. In Mecklenburg-Vorpommern entscheiden sich ihr zufolge aber 95 bis 98 Prozent der Eltern dafür, ihr Kind impfen zu lassen.

Die restlichen hält mitunter auch das Argument davon ab, dass viele der betreffenden Krankheiten heutzutage kaum noch auftreten. "Je mehr Menschen geimpft sind, desto seltener treten die Krankheiten auf, geraten damit in Vergessenheit und werden als harmlos eingestuft. Mögliche Nebenwirkungen einer Impfung werden so vordergründiger und kritischer diskutiert", sagt Dr. Martina Littmann. Dabei werde häufig vergessen, dass bestimmte Infektionskrankheiten wie beispielsweise Masern, Keuchhusten oder Mumps, nicht immer harmlos verlaufen. "Sie sind hochansteckend, können sich sehr schnell ausbreiten und schwere Folgen haben." Lassen sich immer weniger Menschen impfen, steigt die Ansteckungsgefahr wieder.

Aber nicht immer entscheiden sich Eltern freiwillig gegen eine Schutzimpfung. Mitunter sprechen auch gesundheitliche Gründe dagegen wie Chemotherapien oder Allergien.

Wenn Eltern ihre Kinder in einer Kindereinrichtung anmelden, werden sie in MV auch nach dem Impfausweis ihrer Sprösslinge gefragt. Denn: Das Kindertagesförderungsgesetz, kurz Kifög, hält Einrichtungen an, vor der Aufnahme eines Kindes Angaben über den aktuellen Impfstand einzuholen. Darüber hinaus könne jede Einrichtung eigene, zusätzliche Anforderungen dazu stellen - und in der Folge auch einen vollständigen Impfkalender zur Bedingung machen, das Kind aufzunehmen, sagt Dr. Martina Littmann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen