Kritik von Datenschützern : Ein Chip zum Schutz im Verkehr

Nähern sich Kinder der Straße, schlägt eine App beim Autofahrer Alarm.
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Nähern sich Kinder der Straße, schlägt eine App beim Autofahrer Alarm.

Peilsender im Schulranzen soll Autofahrer vor Kindern warnen

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30. Januar 2018, 12:00 Uhr

Bevor Walter Hildebrandt von den Vorzügen seiner Erfindung schwärmt, erzählt er erst mal eine Geschichte. Sie handelt von seinem Sohn und davon, wie schwer es ihm fiel, den Jungen früher alleine zur Schule gehen zu lassen. Die gelbe Warnweste, die er eigentlich tragen sollte, um besser gesehen zu werden, zog er bald nicht mehr an. Jeden Tag zur Schule fahren wollte ihn Hildebrandt auch nicht. „Aber Kinder mögen Digitales, so kam ich auf die Idee.“

Hildebrandt hat nach einer Möglichkeit gesucht, Kinder im Straßenverkehr besser zu schützen. Das klingt zunächst nach einer guten Sache. Eigentlich. Und doch hagelt es Kritik – an einer Schutzranzen-App seines Unternehmens Coodriver. Datenschützer warnen vor einer totalen Überwachung.

Es funktioniert so: Eine App auf dem Smartphone oder ein kleiner GPS-Sender im Ranzen erfassen die Position des Kindes. Kommt ein Autofahrer ihm gefährlich nahe, erhält er eine Warnung über sein Telefon, visuell und akustisch: „Achtung, Kinder“. So sollen Unfälle vermieden werden, etwa wenn Schüler von parkenden Autos verdeckt werden. Das setzt allerdings voraus, dass sowohl Kind als auch Fahrer die Anwendung installiert haben. Für Eltern bietet sich noch eine weitere Funktion: Sie können feststellen, wo sich ihr Nachwuchs aufhält.

 

Für einen Test hat das Unternehmen die Stadt Ludwigsburg in Baden-Württemberg gewonnen. „Wir wollen zusammen mit den Eltern als erste Stadt in Deutschland eine flächendeckende Verbreitung der Schutzranzen-App erreichen“, erklärte Oberbürgermeister Werner Spec im vergangenen Jahr. Momentan informiert die Stadt Schulen und Elternbeiräte über das Projekt.

Auch in Wolfsburg wollte man den Praxis-Test machen, doch inzwischen ist die Stadt zurückgerudert. Es gebe noch Klärungs- und Kommunikationsbedarf. Volkswagen hatte 2016 ebenfalls Interesse bekundet. Die Anwendung sollte in das Anzeige- und Bedienkonzept neuer Modelle integriert werden. Nach Auskunft des Konzerns wird das Projekt jedoch bereits seit dem vergangenen Jahr nicht mehr weiterverfolgt.

Auch der Verband Bildung und Erziehung hat wenig für das Projekt übrig. „Ich warne mit Nachdruck davor, sich trügerischen Sicherheiten im Tausch von Daten hinzugeben“, sagt der Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Es sei nicht Aufgabe der Eltern, stets zu wissen, wo ihr Kind sei, sondern sie fit für den Straßenverkehr zu machen.
„Wir wollen keine Daten verkaufen und speichern sie auch nicht“, wehrt sich Hildebrandt. Alles werde verschlüsselt. Um sich zu registrieren, genüge ein Pseudonym. „Kein Autofahrer bekommt die exakte Position eines Kindes.“ Die App zeige lediglich Sektionen mit einem Radius von 150 Metern an, in denen sich Kinder aufhielten. Für ein gutes Ergebnis brauche auch nicht jeder den digitalen Schutz – eine Abdeckung von 30 Prozent genüge.

Auch auf die Überwachungs-Vorwürfe hat Hildebrandt eine Antwort. Denn über die App können Eltern die Kinder nicht automatisch lokalisieren. „Das Kind muss die Funktion selbst freischalten und kann sie auch jederzeit wieder deaktivieren.“

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