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Eltern und Kind

25. November 2017 | 01:27 Uhr

Wiegenlieder : Drum schlaf auch du ...

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wiegenlieder sind schön, beruhigen und können sogar Schmerzen lindern. Weniger bekannte Fakten zu berühmten Schlafliedern.

Ob „Schlaf, Kindlein, schlaf“ oder „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“: Eltern singen wohl nirgends so häufig wie am Bett ihres Kindes. Und das mit gutem Grund: Hebammen betonen die beruhigende Wirkung von Schlafliedern, Erziehungsberater schätzen sie als Abendritual und selbst Mediziner kommen ihrer heilsamen Wirkung auf die Spur. In einer Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass kranke Kinder, die zehn Minuten lang Schlaflieder hörten, im Anschluss einen ruhigeren Puls, weniger Angst und weniger Schmerz hatten. Lasen ihre Eltern ihnen hingegen vor oder ließen sie allein, veränderte sich ihr Zustand nicht. Fazit: Eltern, singt am Kinderbett! Die folgenden Anekdoten sollen es versüßen.

 

Guten Abend, gut’ Nacht



Guten Abend, gut’ Nacht,
mit Rosen bedacht,
mit Näglein besteckt,
schlupf unter die Deck:
Morgen früh, wenn Gott will,
wirst du wieder geweckt.


(Achim von Arnim und Clemens Brentano, 1808)

 

 

Was viele nicht wissen: Vorlage war ein plattdeutsches Lied, das 1800 in Johann Friedrich Schützes „Holsteinischem Idiotikon“ erschienen war:

 

 

Godn Abend gode Nacht,
mit Rosen bedacht,
mit Negelken besteeken,
krup ünner de Deeken,
Morgen frö wills God,
wöl wi uns wedder spreeken.

 

Der Mond ist aufgegangen



Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

 

 

(Matthias Claudius, 1778)

 

 

Das Abendlied des Holsteiners Matthias Claudius ist eines der bekanntesten deutschen Gedichte. Auch weitere der zum Teil wenig bekannten sieben Strophen sind schön, wie die dritte:

 

 

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.


Das Lied wurde vielfach parodiert, etwa vom Kabarettisten Dieter Hildebrandt. Er persiflierte damit Helmut Kohl, welcher Hildebrandts Meinung nach gern fremde Texte mit eigenen Gedanken anreicherte.

 

 

Der Mond,

meine Damen und Herren, und das möchte ich hier in aller Offenheit sagen,
ist aufgegangen!
Und niemand von Ihnen, liebe Freunde, meine Damen und Herren, wird mich daran hindern, hier in aller Entschlossenheit festzustellen:
Die goldnen Sternlein prangen
und wenn Sie mich fragen, meine Freunde, wo, dann sage ich es Ihnen:
am Himmel! (Auszug)

 

 

Der Satiriker Dieter Höss wiederum machte aus dem Gedicht das „Lied des Astronauten“:

Der Mond ist eingefangen,

von Sonden schon begangen,
von Fotos wohlvertraut.
Das All steht schwarz und schweiget,
doch aus Raketen steiget

Schon hie und da ein Astronaut. (Auszug)

 

 

Übrigens: Die Zeile „Und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar“ verstand ein Kind einst falsch, nämlich als „und aus der Isar steiget der weiße Neger Wumbaba“.

(Quelle: Axel Hacke)


La le lu



La le lu, nur der Mann im Mond schaut zu
Wenn die kleinen Babys schlafen
Drum schlaf' auch du

La le lu, vor dem Bettchen steh'n zwei Schuh
Und die sind genauso müde
Geh'n jetzt zur Ruh'


(Heino Gaze, 1950)

 


„La le lu“ wurde 1955 durch den Film „Wenn der Vater mit dem Sohne“ berühmt, in dem Heinz Rühmann es singt.

1993 und 2003 wurde es neu aufgelegt, auch Pur hat es gesungen. Zudem benannte sich eine a-capella-Band danach.

 

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