Familie : Die Tricks der Kita-Köche

Eine Szene aus der Kita Groß Grenz: Erzieherin Marita Urban reicht einem Mädchen das Essen.
Eine Szene aus der Kita Groß Grenz: Erzieherin Marita Urban reicht einem Mädchen das Essen.

Warum der Nachwuchs im Kindergarten fast alles isst.

svz.de von
06. Mai 2018, 05:00 Uhr

Von Kindern, die zu Hause am Essen herummäkeln, aber in der Kita anstandslos alles probieren und das meiste sogar essen, höre sie tagtäglich, sagt Astrid Fels. „Die zerknirschten Eltern tröste ich dann damit, dass es eben eine vollkommen andere Situation für die Kinder ist, in der Kita zu essen“, sagt die Köchin einer Campus-Kita und lacht. Denn da gebe es keine Eltern-Kind-Machtspiele – und zudem eine Gemeinschaft von Gleichaltrigen, die zulange.

Das mag stimmen, aber Eltern wissen aus leidvoller Erfahrung, dass ihrem Nachwuchs das Essen in der Kita fast immer besser zu schmecken scheint als zu Hause. Gibt es also ein Geheimnis? Um das zu erfahren, besuchen wir den Arbeitskreis der Köchinnen und Köche in Tageseinrichtungen für Kinder in Osnabrück. Alle drei Monate treffen diese sich unter Federführung der Verbraucherzentrale in einem der Kindergärten der Stadt.

Bei den Treffen werden die Einrichtungen inspiziert, es wird die Küchenausstattung verglichen und natürlich auch in die Töpfe geguckt. Dieses Mal ist die Campus-Kita des Studentenwerks Osnabrück an der Reihe – und mit ihr Astrid Fels in der Pflicht, ihre Kollegen zu verköstigen.

Dabei wird natürlich auch über das Essen geredet – und darüber, wie man sowohl den Kindern, ihren Eltern, den Ernährungsregeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und dann auch noch den gesetzlichen Bestimmungen für Großraumküchen gerecht werden kann. „Fisch in der Kita-Küche: Zubereitung, Rezepte, Einkauf“ war eines der Themen in diesem Jahr, ein anderes, etwas trockeneres lautete „Optimierung der Arbeitsaufgaben und Organisation“.

„Wir versuchen, bei diesen Treffen alle Themen zu vertiefen, die die Köche von Kindergärten betreffen. Und da viel aus praktischen Erfahrungen erzählt wird, nehmen unsere Teilnehmer immer einen großen Batzen neues Wissen mit in ihren eigenen Küchen-Alltag“, ist sich Annette Liebner sicher. Die Regionalfachberaterin für Ernährung der Verbraucherzentrale organisiert die Treffen.

Astrid Fels kann das nur bestätigen: „Was und vor allem wie ich mit dem Konvektomaten alles zubereiten kann, habe ich erst durch den Austausch mit den Kollegen erfahren.“ Für Laien: Dieser Heißluftofen wird oft in Großküchen gebraucht, da man mit ihm große Mengen Essen zubereiten, dabei aber auf große Mengen an Öl verzichten kann.

Zudem entwickelt der Arbeitskreis der Osnabrücker Köchinnen und Köche das „Rezept des Monats“, das sie in den teilnehmenden Kitas kochen und dessen Rezept sie dann zum Mitnehmen auch für die Eltern bereitstellen. „Wichtig ist, dass das Rezept saisonale Produkte enthält und zudem die Regeln der DGE anwendet“, sagt Liebner. Also dass das Essen vollwertig und weder besonders fettig noch gezuckert ist.

Doch wie bekomme ich das Essen nun ins Kind? „Zwang geht gar nicht“, findet Fels. „Probieren müssen die Kinder in der Campus-Kita alles, aber wenn sie es wirklich nicht mögen, dann ist das eben so. Jeder hat seinen eigenen Geschmack.“ Trotzdem sollten Eltern durchhalten und die Lebensmittel in kleinen Portionen den Kindern immer wieder anbieten: „Es dauert, bis sich die Geschmacksknospen an etwas Neues gewöhnen.“

Auch bei Farben sind manche Kinder heikel: „Grüne oder rote Lebensmittel werden erst einmal mit einem ,Bäh!‘ kommentiert – aber je mehr man die Kinder daran gewöhnt, desto mehr steigt die Chance, dass sie beispielsweise Brokkoli oder Paprika irgendwann gerne mögen.“
Trotzdem: Die Renner in den Kita-Küchen sind keine Unbekannten. Wenn Pizza, Milchreis und Kartoffelbrei auf den Tisch kommen, wollen viele kleine Esser einen Nachschlag.

„Der Trick sind die Zutaten – und das Selbstkochen“, so Fels. „Die Pizza machen wir aus Vollkorn- oder Dinkelmehl, unsere Brownies bestehen zu einem großen Anteil aus Zucchinis – und Fleisch kommt in der Campus-Kita nur einmal die Woche auf den Teller. Stattdessen aber bis zu zweimal Fisch – und das nicht nur in Stäbchenform.“

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