Impfungen für Kinder : Die Angst vor dem Schutz

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Impfungen für Kinder sind wichtig – doch Impfkritiker verunsichern Eltern.

svz.de von
10. April 2015, 22:24 Uhr

„Ich weiß noch nicht, ob ich Stella impfen lasse. Ich hab’ gelesen, dass sie davon Diabetes kriegen kann!“ Die junge Mutter ist verunsichert. Und steht damit nicht allein da. „Wir erleben Ängste vor Impfungen immer wieder“, erklärt Kinderarzt Dr. Per Gildberg. „Dass Eltern kritisch sind, ist ja gut. Aber sie sollten akzeptieren, dass wir die Fachleute sind.“

Oft halten Eltern die Gefahr einer Impfung für größer als durch die Krankheit selbst, weil diese kaum noch auftritt. Dass dies aber gerade Immunisierungen zu verdanken ist, bedenken sie nicht.

Laut dem Robert-Koch-Institut gehören Impfungen zu den „wirksamsten präventiven Maßnahmen“ der Medizin; die Vereinten Nationen sprechen jedem Kind ein Recht auf Impfungen zu. Diese schützen nicht nur den Einzelnen vor einer Vielzahl ernster Krankheiten; hohe Impfraten sorgen auch für eine kollektive Immunität der Bevölkerung.

Zwar sind die Impfquoten bei Schulanfängern in den vergangenen Jahren gestiegen oder konstant hoch geblieben. Dennoch: „Im Bereich Masern und Keuchhusten sind die Impfquoten unzureichend“, sagt Kinderarzt Dr. Dethleff Banthien. Gerade Eltern kleiner Kinder sind oft ängstlich – und finden dafür guten Nährboden im Netz.

„Der Einfluss von Impfgegnern im Internet ist besorgniserregend“, findet Dethleff Banthien. Eltern könnten die Argumente nicht überprüfen und würden dadurch verunsichert. „Meist wird nur mit Schüren von Ängsten gearbeitet. Mich macht es betroffen, wie leichtfertig selbst ernannte Experten die Gesundheit der Kinder gefährden.“

Doch auch Kollegen befeuern bisweilen Bedenken: Eine Heilpraktikerin habe einer Mutter erzählt, dass eine Impfung die Darmflora und das Immunsystem ihres Kindes zerstören würde, berichtet Dethleff Banthien. So etwas macht ihn fassungslos.

Eine Impfpflicht lehnt der Kinderarzt dennoch ab. „Mit Argumenten zu überzeugen ist immer besser.“

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