Mutter-Kind-Kur : Das Schlafen trainieren

Müde, aber wach:  Für Mütter mit Schlafmangel gibt es Hilfe.
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Müde, aber wach: Für Mütter mit Schlafmangel gibt es Hilfe.

Übermüdung? Kennen fast alle Eltern. Bei der Diakonie gibt es eine Mutter-Kind-Kur mit Schlaftraining.

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09. Januar 2016, 12:40 Uhr

Welche Mama kennt das nicht: Ihr Kind schreckt nachts schreiend aus dem Schlaf hoch. Manchmal weint es nur, weil der Schnuller aus dem Mund gefallen ist. Doch wenn Mütter von ihrem Nachwuchs ständig beim Schlafen gestört werden, schlecht einschlafen oder nachts länger wach liegen und selten durchschlafen, wirkt sich das auf ihre Lebensqualität aus.

„Die Mütter sind nach dem Schlaf nicht erholt, sondern gereizt. Außerdem fühlen sie sich tagsüber oft müde. Teilweise haben sie Konzentrations- und Leistungsschwächen. Manchmal kommen aufgrund des Schlafmangels depressive Verstimmungen hinzu“, informiert Sozialtherapeutin Katrin Klinger, Leiterin des Schlaftrainings im evangelischen Kurzentrum.

Was es bedeutet, keine Nachtruhe zu finden, weiß Kurteilnehmerin Kaja Bernstein. Alles begann im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft im Mai 2012. Sie schlief gegen 22.30 Uhr ein, wurde jedoch regelmäßig um 1 Uhr wieder wach. „Ich setzte mich dann ins Wohnzimmer und überlegte, ob mit meiner Zwillingsschwangerschaft alles in Ordnung ist“, blickt die Diplom-Verwaltungswirtin zurück. Sie wälzte Fachbücher, doch ein Allheilmittel, um wieder einschlafen zu können, fand sie nicht. Irgendwann nahm sie die Schlafschwierigkeiten als gegeben hin. Diese verschwanden auch nicht, als ihre Söhne Matti und Malte, heute drei Jahre alt, auf die Welt kamen. „Malte schlief die ersten zweieinhalb Jahre nicht durch, so dass ich nachts häufig aus dem Bett musste“, erzählt sie. Es sammelte sich mit der Zeit ein Schlafdefizit an, das sie tagsüber nicht ausgleichen konnte. „Schlaf auf Kommando, das ging bei mir nicht. Ich habe mein Schlafproblem vor mir hergeschoben, bis ich erkannte, dass ich etwas tun muss“, bekennt die 40-Jährige. Seit zwei Wochen ist sie mit ihren Zwillingen im Heim. Auf drei Wochen ist die Kur angelegt.

Nachdem Kaja Bernstein beim Aufnahmegespräch von ihrem Schlafproblem berichtet hatte, klärte die behandelnde Ärztin zunächst ab, ob es dafür organische oder psychiatrische Ursachen gibt. Das war nicht der Fall. Sie hat eine „primäre Insomnie“, eine nicht organische Schlafstörung, und konnte gleich mit dem Schlaftraining beginnen. Dieses besteht aus einem Anamnesegespräch und zwei Gruppengesprächen. Hier reden betroffene Mütter untereinander über ihre Schlafschwierigkeiten. An einem ersten Gruppengespräch nahm Kaja Bernstein bereits teil. „Nur zu sehen, dass ich mit meinem Problem nicht allein bin, half mir schon enorm weiter“, betont sie. „Die Erfahrungen der anderen Gruppenmitglieder unterstützen die Frauen dabei, Lösungsansätze für ihre eigene Situation zu finden“, erläutert Katrin Klinger. Sie klärt die Teilnehmerinnen auch über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Schlafen auf und zeigt ihnen schlaffördernde Techniken.

Außerdem führen die Frauen während der Kur ein Schlaftagebuch, über das sie sich mit den anderen Müttern und der Leiterin des Schlaftrainings austauschen. Kaja Bernstein ist dadurch klar geworden, dass sie eigentlich gar nicht so wenig schläft, wie zuvor vermutet. „Ich komme meist auf sechs bis sieben Stunden pro Nacht.“ Je nach individuellem Therapieplan wird das Schlaftraining durch eine psychosoziale Einzelberatung und andere Behandlungen ergänzt. Kaja Bernstein hat schon erste Erkenntnisse aus dem Schlaftraining mitgenommen. „Es tut mir gut, Gedanken, die mich bewegen, aufzuschreiben, statt zu grübeln. Außerdem werde ich zu Hause die Gitter von den Betten meiner Jungs entfernen. Dann können sie nachts selbst zu mir kommen und müssen nicht nach mir rufen.“

Weitere Infos unter www.godetied.com

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