Kinderuntersuchungen : Das große U steht für Vorsorge

Das gelbe Kinderuntersuchungsheft enthält alle wichtigen Befunde aus den U-Untersuchungen. Es bleibt im ständigen Besitz der Eltern.
Das gelbe Kinderuntersuchungsheft enthält alle wichtigen Befunde aus den U-Untersuchungen. Es bleibt im ständigen Besitz der Eltern.

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18. September 2012, 03:47 Uhr

Vor der Geburt war der Mutterpass ein ständiger Begleiter der Schwangeren. Dieser hat kurz nach der Entbindung ausgedient. Stattdessen erhalten Eltern ein neues Büchlein mit auf den Weg: Das gelbe Kinderuntersuchungsheft.

Von der Geburt bis zur Einschulung stehen Kindern zehn Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen zu. Das sind Untersuchungen, zu denen Kinder nicht gehen, weil sie krank sind. Der Arzt schaut vielmehr, ob sie sich körperlich und geistig altersgerecht entwickeln. Außerdem sollen so mögliche Krankheiten früh erkannt werden. Sämtliche Befunde dazu hält der Kinderarzt in dem gelben Büchlein fest. Arztbesuche, die zum Beispiel bei Fieber, Mittelohrentzündungen oder Durchfall nötig sind, werden darin nicht notiert.

Die erste Untersuchung findet direkt nach der Geburt statt. Bis zum ersten Geburtstag folgen in immer größer werdenden Abständen fünf weitere. Danach finden sie einmal im Jahr statt. Die Zeiträume dafür sind auf bestimmte Lebensmonate festgelegt.

"Eine gesetzliche Pflicht, an den Untersuchungen teilzunehmen, besteht nicht", sagt Dr. Heiko Will, Erster Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales. Gleichwohl müssen Kinderärzte in Mecklenburg-Vorpommern alle Vorsorgeuntersuchung, die sie von der U 3 bis zur U 9 durchführen, beim Landesamt für Gesundheit und Soziales melden. Diese Daten werden dann nach Angaben von Dr. Heiko Will mit dem Zentralen Informationsregister abgeglichen. Im Ergebnis werden so diejenigen Eltern ermittelt, "die nicht termingerecht mit ihrem Kind die Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen haben". Bis zur U 5 erhalten diese Familien ein Erinnerungsschreiben mit dem Hinweis, an der nächsten Untersuchung termingemäß teilzunehmen. "Ab der U 6 werden sie aufgefordert, die versäumte Untersuchung innerhalb der Toleranzgrenze nachzuholen", sagt Dr. Heiko Will. Folge auch auf diese Schreiben keine Reaktion, informiert das Landesamt das zuständige Gesundheitsamt des Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt, das sich dann mit den Eltern in Verbindung setzt und Hilfe anbietet. Gegebenenfalls nimmt es auch Kontakt zum zuständigen Jugendamt auf. Hauptanliegen der ärztlichen Meldepflicht sei, möglichst rechtzeitig einen eventuellen Hilfebedarf zu erkennen, sagt Dr. Heiko Will.

Die Kosten für die Vorsorge von der U1 bis zur U9 werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Auch bei den privaten Krankenversicherungen werden sie grundsätzlich erstattet, sagt Stephan Caspary, Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherung.

Der U9 folgen zwei zusätzliche Untersuchungen: Die U10 im Alter von sieben bis acht Jahren sowie die U11 für Kinder zwischen neun und zehn Jahren. Diese werden im Gegensatz zu ihren Vorgängern zwar von vielen, aber nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Sie schließen jedoch die große Lücke zwischen der U9 und der J1, die zwischen zwölf und 14 vorgesehen ist.

Bei den U-Untersuchungen liegen die Hauptaugenmerke auf der geistigen und körperlichen Entwicklung des Kindes. Bei jedem Termin gibt es verschiedene Parameter, anhand derer der Arzt die Entwicklung beurteilt. Jedes Kind entwickelt sich jedoch auf seine Art.

Deshalb ist es auch ganz natürlich, wenn sich beispielsweise ein Baby im Zeitraum der U5 in der Bauchlage noch nicht mit den Ärmchen nach oben drückt. Oder wenn ein einjähriges Kind "mundfauler" ist als andere in seinem Alter. Möglicherweise kann es dafür schon allein laufen. Oder vielleicht war das Baby auch ein Frühchen und benötigt deshalb für den ein oder anderen Entwicklungsschritt mehr Zeit. Der Arzt beurteilt deshalb einzelne Auffälligkeiten immer in Bezug zur gesamten Entwicklung des Kindes - und erhält so Anhaltspunkte, ob die ein oder andere Verzögerung harmlos ist oder nicht.

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